"Ach, es ist so schön wieder hier zu sein!" Meine Mutter wirft ihre Arme in die Luft und dreht sich einmal um die eigene Achse.
"Mama? Wir stehen gerade erst am Gepäckband." Ich versuche mit den Zwillingen Augenkontakt aufzunehmen, so nach dem Motto OMG-Mama-ist-so-peinlich, doch die beiden sind viel zu beschäftigt damit, irgendwelche Knöpfe zu drücken.
"Was ist denn das?", frage ich misstrauisch, nicht dass Lilli oder Nelli nachher noch Heathrow in die Luft sprengen. Zutrauen würde ich es meinen Schwestern ja. Als ich keine Antwort bekomme, dränge ich mich an den beiden vorbei. Es ist einer dieser Automaten, wo man "bewerten" kann wie gut man den Service hier findet. Während Nelli (oder Lilli?) sich den Spaß daraus macht, immer den Knopf mit dem heulenden Smiley zu drücken, hilft Lilli (oder Nelli?) meiner Mutter den alten, sperrigen Koffer vom Gepäckband zu ziehen.
"Komm, lass es jetzt." Ich ziehe Nelli von dem Automaten weg. "Der Typ da hinten guckt schon ganz komisch." Unauffällig deute ich auf den Securitymann hinter ihr.
Meine Mutter hat inzwischen auch alle Koffer und ich klemme mir meine Handtasche fester unter den Arm. Man weiß ja nie, in einer Weltstadt wie London wird doch alle 10 Sekunden jemand überfallen und wir geben das perfekte Touristenbild ab, auch wenn meine Mutter sich bemüht, möglichst normal und "einheimisch" rüberzukommen. Ich muss sagen, sie macht das ganz gut und hat auch nur einmal einen schwachen Moment, nämlich als wir an einem David Beckham Poster vorbei kommen ("Oh mein Gott, schaut euch das an!") und sie zu einem 14-jährigen Fangirl mutiert.
Nach gefühlten 100000 km kommen wir an der Tube Station an, die direkt am Flughafen ist.
"Wo müssen wir eigentlich hin?", frage ich meine Mutter. Die räuspert sich, was auch die Aufmerksamkeit der Zwillinge auf sie lenkt.
"Okay, also ich wollte es euch schon früher sagen, aber ich hab nie den perfekten Zeitpunkt gefunden...Auf jeden Fall habe ich ein Haus hier gekauft."
"WAS?", erklingt es dreistimmig. Nelli, Lilli und ich. Ich spüre die Blicke anderer Fahrgäste auf uns, aber das ist mir im Moment ziemlich egal.
"Naja, ich kenn halt noch viele Leute von damals und Becca hat ihr Haus verkauft. Es ist nicht groß, aber als Ferienhaus reicht es vollkommen!"
"Ferienhaus?!"
"Naja, jetzt da ihr drei schon größer seid, könnten wir doch öfters hierher kommen, habe ich mir gedacht.", meint meine Mutter und zuckt mit den Schultern.
Ich brauche einen Moment, um das einsacken zu lassen. Meine Mutter hat uns gerade verkündet, dass sie ein Haus gekauft hat. In London. Ohne uns irgendwie Bescheid zu sagen. Ich muss zugeben, dass es mich nicht soo extrem überrascht, immerhin hat Mama nie ein Geheimnis daraus gemacht, wie viel ihr an der Stadt liegt und wie sehr sie sie vermisst. Und solange es nur die Ferien sind, die wir hier verbringen, macht mir das nicht wirklich was aus. Ich meine es ist London, hallo? Jeder träumt doch davon, irgendwann mal in London zu leben!
Ein paar Stationen und eine Taxifahrt später, sind wir endlich angekommen - an unserem Haus. Ich muss zugeben, es sieht echt schön von außen aus. So idyllisch und typisch Englisch. Rote Backsteine, Efeuranken. Es stimmt, es ist kleiner als unser Haus in Deutschland, aber dennoch nicht so klein wie ich es erwartet habe. Wir sind in irgendeinem Stadtteil von London, der eher außerhalb der Stadtmitte liegt. Ich folge den Zwillingen, die die Führung übernommen haben, und kichernd auf die dunkle Haustüre zusteuern. Es ist gerade mal 14 Uhr hier, also eine Stunde später in Deutschland. Nachdem meine Mutter die Tür aufgeschlossen hat und alle Koffer mitten im Flur stehen, mache ich mich auf eine Tour durchs Haus. Es hat zwei Stockwerke, unten befinden sich die Küche, das Wohn- bzw. Esszimmer und ein Schlafzimmer, das meine Mutter allerdings sofort in Beschlag genommen hat. Die Holztreppe knarzt unter meinen Schritten, als ich mich nach oben begebe um auch den Teil des Hauses unter die Lupe zu nehmen. Ich spüre ein aufregendes Kribbeln in meinem Bauch und kann nicht anders, als zu Strahlen.
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Head over Heels {Brooklyn Beckham}
FanfictionNiemals hätte ich gedacht, dass ein einziger Urlaub in London mein Leben von jetzt auf nachher so verändern könnte. Klar, zwei nervige Zwillingsschwestern ziehen das Chaos schon magisch an, aber seit wann passiert mir das auch mit braunäugigen Junge...
