Retter in Not ?

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Ich starre auf den schwarzen Bildschirm und überlege was ich jetzt machen soll. Okay, viel Auswahl hab ich ja nicht. Also trinke ich den letzten Schluck meines Chai Tees und stehe auf. Als ich nach draußen durch die Tür trete, blitzt es auf einmal ganz komisch. Reflexartig zucke ich zusammen und halte mir die Augen zu. Was war das denn bitte? Langsam bekomme ich mein Augenlicht zurück. Vor dem Café stehen ein paar Männer mit Kameras. Das erklärt wenigstens wo das Blitzlicht herkommt. Aber haben die nichts besseres zu tun, als irgendwelche Cafés zu fotografieren? Kopfschüttelnd gehe ich weiter.

Erst ein paar Minuten nachdem später schießen mir zwei Gedanken durch den Kopf:
1. Ich hab vergessen zu bezahlen.
2. Ich hab absolut keine Ahnung wo ich mich gerade befinde.
Wobei mir Letzteres eher Sorgen bereiten sollte, fühle ich mich automatisch schuldig. Wie blöd war ich auch, das Bezahlen zu vergessen? Der Typ und die andere Bedienung halten mich jetzt bestimmt für eine Zechprellerin. Ich bleibe stehen und schaue mich um. Nope, ich habe absolut keine Ahnung wo ich bin. Mein eigentlich ganz verlässlicher Orientierungssinn hat sich auf dem Flug nach London wohl auch verabschiedet.

Klasse Lisa, denke ich mir. Keine 5 Stunden hier, schon Verlaufen, Zeche geprellt und zu guter Letzt auch noch den Akku leergemacht. Innerlich ohrfeige ich mich gerade, während ich umdrehe und mich auf den Weg zurück mache. Ich habe beschlossen, zurück in das Café zu gehen. Das wird zwar das Peinlichste sein, was ich jemals gemacht hab, aber wenigstens ist dann das schlechte Gewissen weg und wer weiß, vielleicht darf ich ja auch das Telefon benutzen. Wenn die überhaupt eins haben.

Glücklicherweise finde ich meinen Weg zurück und atme einmal tief durch, bevor ich die schwere Tür aufstoße. Ich laufe zur Theke, wo der Junge mit den Schoko-Augen steht. Er guckt mich ein wenig komisch an, aber ich kann nicht sagen ob es eher amüsiert oder wütend ist.

"Hast du etwas vergessen?", fragt er mich.

Mein Kopf braucht kurz, um mit dem ganzen Englisch zurechtzukommen.
Alles was ich antworte ist "Ehm...tut mir leid."

Ich ziehe den 20 Pounds Schein aus der Tasche meiner Jeans und lege ihn auf die Theke. Der Schoko-Augen-Junge zieht eine Augenbraue hoch, nimmt dann aber das Geld und dreht sich um. Dann reicht er mir mein Rückgeld, was ich einfach nur schnell einstecke. Die ganzen Münzen sehen so anders aus und sind zum Teil achteckig. Da blickt ja kein Mensch durch.

"Kann ich...Kann ich vielleicht das Telefon benutzen?", frage ich zaghaft.

"Sorry, aber das ist nicht für Kunden." Schulterzuckend starrt er mich an.

Ich muss wohl ziemlich hilflos aussehen, oder vielleicht ist es auch nur die britische Höflichkeit, auf jeden Fall greift Schoko-Augen-Junge in seine hintere Hosentasche und streckt mir sein iPhone 6+ hin.

"Hier, wenn du willst kannst du damit telefonieren." Er winkt mich zu sich nach hinten und ich laufe einmal um die Theke. Zum Glück sind gerade keine Kunden da. Ich nicke ihm dankend zu und bringe ein kleines Lächeln zu stande. Erst jetzt wo ich direkt neben ihm stehe, fällt mir auf wie groß er eigentlich ist. Da kann ich mit meinen knappen 1,60m nicht mithalten.

"Ruf halt nicht unbedingt nach Amerika an.", meint Schoko-Junge. Gott, wie heißt der Typ bloß? Und warum hab ich immer noch das Gefühl, als hätte ich ihn schonmal irgendwo gesehen.

"Amerika?", frage ich verwirrt.

"Ja, du kommst doch da her, oder?" Diesmal ist es er, der blöd aus der Wäsche guckt.

"Nein, ich bin Deutsche."

"Oh, du klingst aber ziemlich Amerikanisch, haha." Er fährt sich einmal durch die Haare und mustert mich unauffällig von der Seite.

Ich spüre wie ich rot werde. Das mit dem Ami-Akzent könnte auch daran liegen, dass ich praktisch alle Ferien damit verbringe im Zimmer zu hocken und mir Serien anzuschauen. Ich gucke das meiste auf Englisch, daher der Akzent.

Ich nehme ihm sein Handy so vorsichtig aus der Hand, als wäre es aus Glas. Er hat schon auf das Telefonzeichen geklickt, ich muss also nur noch die Nummer wählen. Da hätten wir ja schon das nächste Problem. Ich habe absolut keine Ahnung, wie die Handynummer von meiner Mutter lautet. Das versuche ich ihm auch zu erklären, so gut ich es eben kann im Englischen. Und zu meinem Glück versteht er mich auch, zumindest nickt er.

"Also nochmal: Du findest den Weg nach Hause nicht mehr zurück und kannst auch nicht anrufen, weil du den Adapter vergessen hast und die Nummer von deiner Mum nicht auswendig weißt?"

Ich nicke nur. Gott, wie bescheuert das klingt.

"Hm...ich kann dir da jetzt leider auch nicht weiterhelfen...", meint Schoko-Auge und kratzt sich am Hinterkopf. "...aber in ein paar Minuten bin ich sowieso fertig mit Arbeiten, wenn du willst können wir dann dein Haus suchen gehen. Mein Dad kommt mich abholen, er fährt dich bestimmt gern rum." Dann meint er noch irgendwas anderes, was ich aber nicht verstehe, deshalb lächle ich nur und nicke.

Habe ich mich gerade verhört, oder hat er mir angeboten, mich im Auto mitzunehmen? Also sein Vater. Wird ja immer besser. Ich kann doch nicht einfach bei Wildfremden im Auto mitfahren! Nachher werde ich noch vergewaltigt und gekidnappt und was weiß ich alles. Hilfe, nein! Doch dann muss ich feststellen, dass mir nichts anderes übrig bleibt. Es könnte Jahrhunderte dauern, bis ich den Weg zurück finde und wie ich meine Mutter kenne, wird sie mit den Zwillingen so viel zu tun haben, dass sie noch nicht einmal bemerkt hat, dass ich verschwunden bin. Ich mache mir gedanklich die Notiz, nie mehr ohne Adapter irgendwo hinzugehen, am besten nie mehr das Haus alleine verlassen, wenn ich wieder zurück bin. Wenn ich nach knappen 6 Stunden schon am Arsch bin, wie wird das dann noch in den nächsten zwei Wochen sein? Ich wette ich gehe irgendwo verloren und werde den Rest meines Lebens als Penner in London vebringen - mit einem Adapter in der Tasche.

Ich lasse mich auf einem Stuhl nieder und ziehe wie gewohnt mein Handy aus der Tasche. Das mache ich immer, wenn ich irgendwo alleine draußen bin, dann sieht es nicht ganz danach aus, als hätte ich keine Freunde. Draußen beginnt es sich zuzuziehen und die letzten die noch vor dem Café saßen, kommen jetzt rein um zu bezahlen. Na toll. Da hätten wir ja das typisch englische Wetter.

"Hey, ich bin fertig...Brooklyn." Das ist so ziemlich alles was ich verstanden habe, als Schoko-Junge auf einmal vor mir steht und wie ein Wasserfall lossprudelt.

"Sorry?", frage ich verwirrt. "Was ist mit Brooklyn?" Oh Gott, ich hoffe er hat überhaupt Brooklyn gesagt.

Er lacht und fährt sich durch die Haare. "Nein, ich habe gesagt, ich bin Brooklyn." Ah, jetzt macht das alles Sinn.

"Ich bin Lisa.", antworte ich. Endlich hat Schoko-Augen-Junge einen Namen.

Brooklyn fährt sich noch einmal durch die Haare und plötzlich fällt es mir wie Schuppen vor Augen. Das ist Brooklyn Beckham. Poshs und Becks Sohn. Die blonde Haarsträhne fehlt allerdings, aber ansonsten erkenne ich ihn eins zu eins wieder. Das ist der Junge von dem Bild, das ich vor ein paar Tagen auf Snapchat gesehen habe!

"Lisa? Kommst du?" Brooklyn steht in der Tür und wartet auf mich.

Stimmt, sein Vater wollte mich ja rumfahren. Moment. Sein Vater. DAVID BECKHAM. ICH STEIGE GLEICH ZU DAVID BECKHAM INS AUTO. OH. MEIN. GOTT. Ich versuche mein Inneres Ich zu beruhigen, aber so ganz klappt das nicht. Dennoch folge ich Brooklyn nach draußen, und stolpere ihm hinterher, als er um die Ecke biegt. Dort steht ein Range Rover, was sonst.

Und am Steuer sitzt David Fucking Beckham höchstpersönlich und lächelt mich an.

Head over Heels {Brooklyn Beckham}Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt