Am Mittwochmorgen werde ich von einer total schief klingenden Version von "Happy Birthday" geweckt. Meine Mutter und die Zwillinge stehen vor meinem Bett und singen viel zu Laut für meinen Geschmack, immerhin ist es auch gerade mal sechs Uhr und ich könnte locker noch eine Stunde schlafen.
"Es ist zu früh für mich. Kommt später wieder.", murmle ich und vergrabe den Kopf unter meinem Kissen. Doch das hält meine Schwestern natürlich nicht davon ab, wie verrückt an meiner Bettdecke zu zerren und zu versuchen, mich so aus dem Bett zu kriegen.
Irgendwann gebe ich mich geschlagen und verabschiede mich von dem letzten bisschen Schlaf. Ich schlage die Bettdecke zurück und stehe auf. Lilli und Nelli haben mein Zimmer verlassen, nachdem sie gemerkt hatten, dass ich so erst recht nicht aufstehen würde, allerdings haben sie mich trotzdem wach gekriegt und dafür hasse ich die kleinen Biester. Es ist mein Geburtstag und nicht mal da kann ich ausschlafen (okay, hätte ich sowieso nicht können, weil es da auch noch etwas gibt namens Schule, aber trotzdem).
Vor dem Spiegel an meinem Kleiderschrank bleibe ich kurz stehen und schaue mich einmal von oben bis unten an. Also anders sehe ich nicht aus, so mit 16, aber was hatte ich auch erwartet. Im Bad mache ich mich frisch und flechte meine Haare dann zu einem lockeren Zopf zur Seite. Mit der Schuluniform konnte ich mich bisher noch nicht anfreunden, aber die Tatsache, dass jeder mit ihr klarkommen muss, hat meinen Hass vielleicht ein wenig gemildert.
Als ich nach unten in die Küche komme, drückt mich meine Mutter an sich. "Alles, alles Liebe zum Geburtstag, meine Große.", wünscht sie mir und ich schiebe sie leicht von mir weg. "Ich bekomm gleich keine Luft mehr, sorry."
Dann kommen meine zwei Schwestern und auch die beiden umarmen mich, aber stoßen mich nach drei Sekunden wieder weg. "Jetzt wo sie ja da ist, können wir den Kuchen anschneiden, oder?"
Während sich meine Schwestern über meinen Kuchen hermachen, beantworte ich die ganzen Geburtstagswünsche, die meisten von Freunden aus Deutschland, ein paar aber auch schon von Leuten von hier, was mich irgendwie am meisten freut.
Dann öffne ich die Geschenke von meiner Familie, meine Mutter hat mir aber versprochen Shoppen zu gehen und dann darf ich mir dabei was richtiges aussuchen. Lilli und Nelli schenken mir einen Primark Gutschein im Wert von 20 Pounds, was gar nicht gut ist, denn dort habe ich schon viel zu viel eingekauft, seitdem wir hier sind und ich befürchte, dass der Platz in meinem Kleiderschrank auch immer weniger wird. Nicht so toll.
Ich checke immer wieder unauffällig mein Handy unterm Tisch, um zu sehen, ob Brooklyn mir auch schon geschrieben hat, aber nichts. Für ihn beginnt heute auch wieder die Schule und deshalb müsste er eigentlich schon wach sein, oder?
Als ich das Klassenzimmer betrete kommt mir sofort ein "Happy Birthday!" von mehreren Seiten entgegen geschrien. Ich laufe zu Leah, die mich überraschend gleich an sich drückt. Es ist erst mein dritter Tag an der Schule und bin ein wenig überfordert, als dann auch noch für mich vollkommen Fremde kommen und mir gratulieren. Klar, es ist total lieb, aber ich weiß nie, wie ich bei sowas dann reagieren soll. Ava bringt es sogar auf die Reihe, mir einen Cupcake aus der Bäckerei ihrer Mutter mitzubringen und ich beginne mich zu fragen, ob die Briten hier einfach nur super höflich, oder ich ein super schlechter Mensch bin.
In der Mittagspause genieße ich gerade den Red Velvet Cupcake, als ein anderes Mädchen zu uns an den Tisch kommt. Ich habe sie noch nie davor gesehen, aber Ava, Leah und Jade springen sofort auf und begrüßen sie stürmisch.
"Das ist Lisa, Lisa, das ist Kayleigh. Sie war bis jetzt im Urlaub und hat zwei Tage weniger Schule ertragen müssen.", erklärt mir Leah.
Auch Kayleigh begrüßt mich und wünscht mir alles Gute. Sie sieht aus, als würde sie direkt einem Modelmagazin entsprungen sein: Sie passt gar nicht in das typisch britische Bild der Mädchen hier in der Caféteria, wo jede blasse Haut und zumindest einen leichten Rotstich in den blonden Haaren hat. Ihre Haare sind goldblond und ihre Haut ist schön gebräunt, was aber auch daran liegen könnte, dass sie bis gestern ihren Urlaub in Spanien am Meer genossen hat.
"Und du kommst echt aus Deutschland?", stellt auch sie mir die Frage, die ich seit Montag quasi ständig gestellt bekomme, egal ob von Schüler oder Lehrer. Was soll ich darauf auch antworten? "Nein, tut mir leid, ich komme aus Japan, da musst du dich wohl verhört haben. Konichiwa?"
Aber ich nicke trotzdem und erkläre ihr (wie allen anderen auch), dass ich mit meiner Mutter und meinen Schwestern hierher gezogen bin und jetzt hier zur Schule gehe. Klar finde ich es auch schön, dass sich die meisten Mädchen hier für mich interessieren und nicht komplett ignorieren, auch wenn es manchmal vielleicht eher die typisch britische Höflichkeit ist. Vor allem Ava, Leah und Jade habe ich schon ins Herz geschlossen. Kayleigh ist auch total nett, auch wenn ich sie erst seit einer halben Stunde kenne.
"Meine Großmutter kommt aus Deutschland und meine Mum spricht auch noch ein bisschen Deutsch.", erklärt sie mir. "Aber leider kann ich nur dass, was wir hier in der Schule lernen."
"Ihr seid doch eigentlich schon ziemlich weit hier, mit dem Stoff. Also für mich sprecht ihr schon echt gut Deutsch."
"Danke!", antworten Leah und Kayleigh gleichzeitig auf Deutsch.
Ich lache und streiche mir ein paar lästige Haarsträhnen hinter die Ohren, bevor wir Kayleigh zuhören wie sie von spanischen Jungs schwärmt.
Irgendwann höre ich, wie mein Handy in meiner Tasche vibriert und weiß sofort, dass es Brooklyn ist, der mir geschrieben hat. Er hat sich den ganzen Tag noch nicht gemeldet, aber immerhin saß ich ja auch im Unterricht.
Sorry, ich wollte dir schon den ganzen Tag schreiben, aber ich hab vergessen, mein Handy zu laden. Ich wünsche dir alles, alles Liebe und wir sehen uns nachher Baby, ja? Dann kriegst du auch dein Geschenk und oh shit, mene Lehrerin hat mich glaube ich ges...
Mehr schreibt er nicht, aber ich kann mir vorstellen, dass ihm entweder das Handy weggenommen wurde oder er es schnell versteckt hat. Ich lache leise und beschließe, ihm deshalb nicht extra zurück zu schreiben, sondern stecke mein Handy zurück in die Tasche.
"Was grinst du denn so?", stupst mich Leah in die Seite.
Ertappt beiße ich mir auf die Unterlippe, ich habe nicht mal gemerkt, dass sich meine Mundwinkel nach oben verzogen haben. "Nichts, nichts."
"Oh komm schon, du kannst uns nichts vormachen! Wer hat dir geschrieben? Ein Junge?", fragt Kayleigh, dir mir gegenüber sitzt.
"Nein, ich-", fange ich an, aber ich war noch nie gut im Lügen.
"Ist er aus Deutschland? Ist es dein Freund?", werde ich gleich ausgefragt und langsam bekomme ich ein bisschen Panik, weil ich nicht richtig weiß, wie ich mich da rausreden soll. Ich versuche zwar die ganze Zeit, die vier davon zu überzeugen, dass es kein Junge war, aber natürlich glauben sie mir nicht. Natürlich muss ich auch noch rot werden und jetzt haben sie mich erst Recht am Haken.
Brooklyn und ich haben nie darüber geredet, was wir machen, wenn uns jemand nach "uns" fragt. Also ob er überhaupt will, dass die Welt weiß, dass der Brooklyn Beckham jetzt eine Freundin hat. Immerhin hatte ich bis jetzt auch nie vor, jemandem von Brooklyn zu erzählen, die ich nicht richtig kenne. Meine Familie weiß es eben und meine Freunde in Deutschland, aber hier wurde ich noch nicht danach gefragt ob ich einen Freund habe geschweige denn wie er heißt oder so. Und weil ich meine neu gefundenen Freunde hier eigentlich nicht belügen möchte, bete ich, dass sie sich bald zufrieden geben.
"Also war das dein Freund, der dir geschrieben hat?", fragt Ava und wackelt mit den Augenbrauen. Seufzend gebe ich mich geschlagen und nicke.
"Ha, ich wusste es!", ruft Jade lachend.
"Und wohnt er in Deutschland?"
Bevor ich Leah antworten kann, besser gesagt muss, rettet mich zum Glück der Gong und ihre Frage geht in dem ganzen Trubel unter, wo wer jetzt welches Fach hat. Ich atme unhörbar aus.
Gerade nochmal gutgegangen.
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Head over Heels {Brooklyn Beckham}
Fan-FictionNiemals hätte ich gedacht, dass ein einziger Urlaub in London mein Leben von jetzt auf nachher so verändern könnte. Klar, zwei nervige Zwillingsschwestern ziehen das Chaos schon magisch an, aber seit wann passiert mir das auch mit braunäugigen Junge...
