"Sehr verehrte Damen und Herren, wir werden in wenigen Minuten starten. Klappen Sie bitte die Tische nach oben und schnallen Sie sich an. Wir von Lufthansa wünschen Ihnen einen angenehmen Flug."
Die Stimme der Stewardess durch die Lautsprecher klingt nur leise zu mir. Meine Augen sind an die Fensterscheibe geklebt und ich versuche, jede letzte Sekunde, in der ich sagen kann, dass ich in London bin, voll auszukosten. Denn solange bin ich noch in der gleichen Stadt wie Brooklyn.
Der Donnerstag ist quasi an mir vorbeigeflogen. Nachdem ich hab Mittwoch zu Brooklyn Tschüss gesagt habe, habe ich die ganze Nacht nur rumgeheult. Ich glaube, meine Mutter weiß inzwischen, dass da was zwischen mir und ihm was, bzw. ist. Aber sie hat mich noch nicht darauf angesprochen. Ich hingegen hab sie gestern Abend gefragt, was es mit diesem Vorstellungsgespräch auf sich hat. Am Anfang war sie sauer, dass ich in ihrem Handy rumgeschnüffelt habe, aber ich hab ihr dann erklärt, dass das wirklich nur ausversehen war, was Mama mir zum Glück geglaubt hat.
"Weißt du Lisa", hat sie mir gesagt, nachdem Lilli und Nelli im Bett waren und wir alleine auf dem Sofa saßen. "seit dein Vater und ich uns haben Scheiden lassen, wollte ich schon immer zurück nach London. Viele meiner Freunde leben noch in England. Aber ich habe mir immer gesagt, dass ich das erst machen kann, wenn ihr alt genug seid. Und du bist jetzt 15, bald 16, Lilli und Nelli sind beide 13. Ich weiß nicht wann der richtige Zeitpunkt ist, aber ich glaube so langsam könnte ich es machen. Ihr würdet natürlich mitkommen."
"Und was ist mit der Firma?", habe ich nachgefragt, Mama hat eine eigene Firma von ihrem Vater geerbt, die sich um Medien und Marketingangelegenheiten kümmert.
"Ich würde sie verkaufen. Aber Lisa, ich hab mich hier erst nur beworben und auch wenn das Gespräch gut lief, heißt das noch lange nicht. Ich bezweifle, dass sie jemanden aus Deutschland anstellen werden." Meine Mutter zuckte mit den Schultern und ich nickte.
Das bedeutet, dass wir vielleicht gar nicht hierher ziehen werden. Ich weiß jetzt, dass meine Mutter es in Erwägung zieht. Will ich Deutschland und meine Freunde und so alle zurücklassen? Will ich wirklich ein total neues Leben hier anfangen, in einem Land, dessen Sprache ich nicht mal perfekt beherrsche und dann das alles auf Englisch machen? Diese Fragen schossen mir die ganze Nacht durch den Kopf und auch jetzt, hier im Flieger, lässt mir das alles keine Ruhe. Die einzige Antwort, die mir dazu einfällt, lautet "Jein".
a, ich würde gerne nach England gehen, weil London zum einen total schön ist (wer träumt denn nicht davon, hier zu wohnen?), Deutschland zum anderen ziemlich langweilig (also da wo ich wohne) und London natürlich auch noch einen riesigen Pluspunkt hat: Brooklyn.
Nein, weil ich dann meine Freunde nicht mehr so oft sehen würde und ich nicht will, dass manche Freundschaften an sowas zerbrechen. Und dann kann ich es mir auch gar nicht vorstellen, hier zu wohnen, ich habe mein Leben lang in Deutschland gewohnt und bin nur einmal, nach der Trennung meiner Eltern umgezogen.
Erst als das Flugzeug auf einmal beschleunigt bemerke ich, dass wir inzwischen auf der Startbahn sind. Goodbye London. , denke ich. Goodbye, Brooklyn.
Nachdem wir mit Getränken und Snacks versorgt wurden, ziehe ich den Umschlag aus meinem Rucksack, den Brooklyn mir gestern gegeben hat. Meine Mutter und die Zwillinge sitzen eine Reihe vor mir, was ganz gut ist, so hab ich niemanden Nervenden neben mir, der versucht, mit in meine Sachen reinzuschauen. Neben mir sitzt nur eine junge Frau, Anfang zwanzig. Sie hat eine Kamera um den Hals hängen und ich nehme an, sie ist Journalistin. Der Platz neben ihr am Gang ist noch frei.
Als erstes fällt mir ein Foto in den Schoß. Es ist das Selfie, das Brooklyn und ich auf unserem ersten Date gemacht haben, kurz bevor ich wegen den Kiwis im Krankenhaus gelandet bin. Brooklyn guckt cool in die Kamera, während ich eine total schräge Grimasse ziehe. Im Hintergrund sieht man Hausdächer und wenn ich mich nicht irre, ist das auch das London Eye. Ich fange unbewusst an zu lächeln, als ich das zweite Foto aus dem Umschlag ziehe. Diesmal ist es der Snapchat, den ich im Café gemacht habe, wo Brooklyn im Hintergrund reingesprungen ist. Es ist komisch, es fühlt sich nicht an, als wäre es gerade mal zwei Wochen her.
Ich schaue in den Umschlag und finde noch einen kleinen, zusammengefalteten Zettel. Vorsichtig öffne ich ihn.
Liebe Lisa,
wenn du das hier liest, sitzt du wahrscheinlich gerade im Flieger zurück nach Deutschland. Ich will nur, dass du weißt, dass ich unglaublich vermissen werde. In den letzten paar Tagen bist du mir echt verdammt wichtig geworden und es verrückt, dass wir uns noch nicht mal zwei Wochen kennen. Ich weiß, du bist vielleicht sauer auf mich, denn du antwortest auf keinen meiner Anrufe, aber sollte ich dich nicht nochmal sehen, werde ich dir den Umschlag einfach einwerfen. Ich hoffe, wir klären das aber noch und wenn nicht, solltest du wissen, dass es mir echt leid tut, dass ich so einfach nach LA bin ohne dir etwas zu sagen.
Falls wir alles schon geklärt haben, weißt du das ja schon. Ich hoffe, ich sehe dich so bald wie möglich!
Brooklyn xx
Mir steigen die Tränen in die Augen. Die Frau neben mir schaut mich schon komisch an, aber als ich den Brief sehe, kann ich nicht anders, als zu weinen. Brooklyn hat noch seine Nummer daneben geschrieben. Offenbar ist der Brief von als wir noch "Streit" hatten. Noch nie hat mir jemand so etwas geschrieben und es tut unheimlich gut zu wissen, dass Brooklyn mich mochte, selbst als wir nicht geredet haben.
Vorsichtig stecke ich die Fotos zurück in den Umschlag und stecke den dann in die kleine Tasche an der Rückenlehne des Sitzes vor mir, der von Nelli belegt ist. Natürlich gab es Streit, wer von den beiden den Fensterplatz bekommt.
Ich schließe meine Augen und wache erst wieder auf, als ich die Rollen des Flugzeugs auf dem Boden aufkommen spüre. Die Frau neben mir lächelt mich an, aber ich habe das Gefühl, dass irgendwas mit ihr faul ist. "Wir sind da.", meint sie noch und packt ihre Kamera ein. Warum hatte sie die auch draußen? Hilfe, ich hoffe, sie hat keine Bilder von mir beim Schlafen gemacht!
Ich packe meine Sachen zusammen und nach gefühlten 10000 Stunden bewegen sich die Leute endlich nach draußen.
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Head over Heels {Brooklyn Beckham}
FanfictionNiemals hätte ich gedacht, dass ein einziger Urlaub in London mein Leben von jetzt auf nachher so verändern könnte. Klar, zwei nervige Zwillingsschwestern ziehen das Chaos schon magisch an, aber seit wann passiert mir das auch mit braunäugigen Junge...
