Nachdem ich drei Patienten aufgenommen hatte, stellte ich fest, dass ich dringend Nikotin brauchte. Obwohl ich ein schlechtes Gewissen hatte, meinen Kollegen noch mehr Einlieferungen aufzubürden, schlich ich mich hinaus, um mir eine kurze Zigarettenpause zu gönnen.
Ich ging in Richtung Rampe für die Krankenwagen, als
John Doe eingeliefert wurde.
Dr. Fuller, der diensthabende und dienstälteste Arzt des Krankenhauses, lief neben einer Krankentrage her und bellte Befehle. Dabei fragte er die Rettungssanitäter in seinem brei-
ten texanischen Slang aus.
Abgelenkt von der Tatsache, dass sich Dr. Fullers sanfter Südstaaten-Tonfall in ein hohes abgehacktes Stakkato verwandelt hatte, beachtete ich den Patienten auf der Liege nicht.
Noch nie zuvor hatte ich meinen Vorgesetzten dabei erlebt, wie er seine Gelassenheit verlor. Ich war erschrocken.
„Mandy, hilfst du uns jetzt oder bist du auf dem Weg ins Marlboro-Land?", schrie er mich an und erschreckte mich damit noch mehr. Als ich einen Satz zur Seite machte, zerbrach die Zigarette zwischen meinen Fingern so, dass der trockene Tabak auf die Erde rieselte. Meine Pause war nun offiziell für beendet erklart.
Ich wischte mir die Hände an meinem Kittel ab und lief neben der Trage her. Erst dann sah ich, in welchem Zustand sich der Patient befand.
Sein Anblick versetzte mich in noch größeren Schrecken, während wir den Vorraum erreichten und die Rettungssanitäter hinausgingen, um den Intensivschwestern Platz zu machen.
„Okay, meine Damen, ich hätte gern Mundschutz, OP-Kittel, eine Schutzbrille - die ganze Verkleidung. Und zwar schnell, bitte!", kommandierte Fuller, während er sich aus seinem blutverschmierten Kittel schälte.
Ich wusste, dass ich etwas tun musste, um ihn zu unterstützen, aber ich konnte mir nicht helfen, immerzu musste ich auf die Schweinerei vor mir auf der Trage schauen. Ich wusste überhaupt nicht, wo ich mit medizinischer Hilfe hätte anfangen sollen.
Blut ist zum Beispiel etwas, vor dem ich keine Angst habe.
Im Fall von John Doe war es nicht die Menge an Blut, die es unmöglich machte, ihn zu berühren, geschweige denn sich ihm zu nähern. Sondern die Tatsache, dass er aussah wie der Leichnam, den ich am letzten Tag meines Anatomiekurses an der Uni seziert hatte.
Die Brust war mit Wunden durchlöchert Einige waren klein andere so groß, das zwei Tennisballe hineinpassen "schusswunden? Womit wurde auf ihn geschossen, mit einer verdammten Kanone aus der Muscum'*, murmele Di. finter, als er vorsichtig eine Wunde mit seinem behandschuh:
ten Finger betastete.
in Vian brauchte keinen Doktortitel in forensischer Medizin, um sagen zu können, was die Wunden am Körper unseres John Doe verursacht hatte. Und dass es etwas anderes war als das, was für die Verletzungen in seinem Gesicht verantwortlich war. Sein Kiefer beziehungsweise das, was davon noch übrig war, war von den oberen Schneidezähnen abgetrennt und die Haut hing schlaff herunter. Sein Kinn war aus dem Gelenk gerissen und klebte an der anderen Seite seines Kopfes. Über dem klaffenden Loch in seiner Wange war eine Augenhöhle eingequetscht und leer, das Auge sowie der Sehnerv fehlten
vollständig.
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Meine erste Verwandlung
VampireEin Biss - und Mandy ist verwandelt. Nachdem die junge Ärztin in der Pathologie von einem Toten angefallen wurde, kann sie auf einmal kein Sonnenlicht mehr ertragen, verspürt plötzlich einen unerklärlichen Blutdurst. Ist sie etwa Opfer eines Vampir...
