Kapitel 7

348 10 0
                                        

Ich schlurfe langsam die gefühlt tausend Stufen nach oben in den dritten Stock. Ich habe keine Energie und ich weiß nicht, was los ist. Es ist ja schließlich nicht das erste Mal, dass ich für Sex ausgenutzt wurde. Teilweise wurde mir Geld für das Taxi nach Hause gegeben. Das heißt, ich habe mich gefühlt wie eine verdammte Prostituierte. Ich dachte echt, dass es hier anders wird.
Ich nehme ein fröhliches Pfeifen hinter mir wahr und drehe mich langsam um, um derjenigen oder demjenigen den Kopf abzureißen, dafür dass er oder sie so eine gute Laune hat.
Als ich mich umdrehe und zum Reden ansetzen will, steht Mr. Lancaster nur ein paar Zentimeter von mir entfernt.
Sofort schlucke ich schwer und sehe ihm in die Augen. Sein Blick ist hypnotisierend und ich sehe ein kleines Funkeln in seinen Augen. Doch es verschwindet so schnell, wie es gekommen ist und wird ersetzt durch seinen eiskalten Blick. Die Farbe seiner Augen machen diese Blick noch hundertmal bedrohlicher, als er eigentlich ist. "Vielleicht sollten Sie ihren Blick nach vorne richten, wenn sie eine Treppe nach oben gehen. Finden Sie nicht auch, Ms Almond?" Sein Blick durchbohrt mich und meine Kehle wird trocken. Ich stehe ein paar Sekunden nur da und antworte nicht, bevor ich mich endlich aufraffe und antworte. "Da haben Sie wohl recht, Mr. Lancaster. Danke für den Hinweis." Genervt rolle ich mit meinen Augen und drehe mich um, bevor eine starke Hand mich wieder zu sich herumdreht. "Rollen Sie noch einmal ihre Augen und ich muss sie wohl oder übel bestrafen, Ms Almond", sagt er. Er klingt nicht böse, aber auch nicht gerade freundlich.
Plötzlich wird mir schwummrig und Vorstellungen, wie er mich bestrafen würde, schießen mir durch den Kopf. Es sind Bestrafungen, bei denen mir förmlich das Wasser im Mund zusammenläuft.
Er schiebt sich an mir vorbei und lässt mich komplett verdattert zurück. Ich finde meine Stimme nicht und meine Füße wissen anscheinend auch nicht mehr, wie man läuft.
Langsam setze ich mich in Bewegung und laufe in Richtung von Mr. Lancaster, der an der Tür auf mich wartet und genervt auf die Uhr schaut. Wie nett von ihm. Arschloch.
Gerade als ich an ihm vorbeigehen will, beugt er sich zu mir herunter. "Legen Sie sich besser nicht mit mir an, Ms Almond. Sie würden verlieren", flüstert er mir in mein Ohr und meine Beine werden zu Wackelpudding. Ich nicke nur trocken. Er ist der erste Mann, der es schafft, mich sprachlos zu machen.
Ich gehe auf meinen Tisch zu und setze mich. Langsam hole ich meine Stifte und meinen Block aus meiner Tasche.

Der erste Teil der zwei Stunden zieht sich wie Kaugummi und Mr. Lancaster beachtet mich nach wie vor nicht, bis er in der fünf Minuten Pause an meinen Tisch herantritt. Er legt mir einen Zettel auf den Tisch. "Ich möchte, dass Sie diesen Test im zweiten Teil unseres Unterrichts machen, dass ich ein Verständnis davon bekomme, auf welchem Stand Sie in Mathematik sind. Jetzt können Sie beweisen, ob es sich hier um den klaren Fall 'Große Klappe, nichts dahinter' handelt", zwinkert er mir zu und wendet sich zum Gehen. "Klar, Mr. Lancaster. Lassen Sie sich überraschen." Mit meiner Antwort hat er scheinbar nicht gerechnet, denn er sieht mich nur verwirrt an und schüttelt dann langsam den Kopf.
Als er sich umdreht, nehme ich ein kleines Grinsen wahr. Das kann ich mir nicht eingebildet haben. Er sieht viel besser aus, wenn er lacht.

Während ich den Test ausfülle, der übrigens verdammt einfach ist, starre ich hin und wieder auf den Rücken von Mr. Lancaster. Er sieht verdammt trainiert aus. 

Gerade als er sich umdreht und mich erwischt, als ich ihn anstarre, zieht er eine Augenbraue nach oben und deutet mir an, mich auf den Test zu konzentrieren. Wenn er mich so teasert, kann ich das wohl auch. 

Ich nehme meinen Stift zwischen meine Zähne und kaue verführerisch darauf herum. Seine Augen werden riesig und er räuspert sich kurz, bevor er sich wieder seiner Tafel widmet. Ich lächle in mich hinein und fahre mit dem einfachen Test fort.

Am Ende der Doppelstunde warte ich, bis alle anderen Schüler gegangen sind und gehe auf das Pult von Mr. Lancaster zu.
Selbstbewusst lege ich den Test vor ihm auf den Tisch und stolziere aus dem Klassenzimmer. An der Tür drehe ich mich noch einmal kurz um. "Ich würde ja eher darauf tippen 'Große Klappe, viel dahinter'." Mit diesen Worten verlasse ich das Klassenzimmer und gehe in den nächsten Unterricht. Eins zu null.

Schweigsames VerlangenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt