Kapitel 14

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Wir haben einen tollen Abend und Tyler lässt mich, zu meiner Überraschung, auch endlich in Ruhe. Er hat es also verstanden.
Es ist mittlerweile fast 24 Uhr und viele der Gäste haben die Veranstaltung bereits verlassen. Als das Licht im Saal angeht, bemerken wir, dass wir auch langsam gehen sollten. Die Mädels gehen alle nach außen und ich gehe schnell nochmal auf die Toilette. "Wir warten vorne an der Ecke", ruft Cleo mir zu und ich nicke nur kurz.

Ich trete aus dem Schulgebäude hinaus und die kalte Luft fühlt sich gut an auf meiner erhitzten Haut. Ich bin auf jeden Fall schon etwas betrunkener als noch vor zwei Stunden.
Ich hangle mich am Geländer entlang und rutsche aus, sodass ich fast das Gleichgewicht verliere. Im nächsten Moment werde ich aufgefangen und ich atme erleichtert auf. "Danke, wer auch immer du bist."
Ruckartig drehe ich mich nach hinten und blicke in das vertraute Augenpaar. "Oh."
"Denken Sie ja nicht daran, sich jetzt schon wieder zu entschuldigen", lacht Mr. Lancaster. Ich lache auch und schüttle nur den Kopf. "Ich und entschuldigen? Wenn dann sollten Sie sich entschuldigen, weil sie mich angefasst haben. Das gehört sich nicht für einen Lehrer, denken Sie nicht auch?" Ich sehe ihm verschmitzt in die Augen und sein Blick verdunkelt sich erneut. Vielleicht sollte ich einfach mal lernen, meine Klappe zu halten.
"Ich glaube nicht, dass es gerade wichtig ist, was sich für einen Lehrer gehört und was nicht, finden Sie nicht auch?" Er antwortet mir auf meine Frage mit einer Gegenfrage? "Ich weiß nicht, sagen Sie es mir."
Er legt eine Hand auf meine Wange und sieht mir tief in die Augen. "Ach, scheiß drauf", flüstert er in sich hinein.
Im nächsten Moment spüre ich seine Lippen auf meinen. Er versucht, sich mit seiner Zunge den Weg durch meine Lippen zu bahnen und ich gewähre ihm den Eintritt. Seine andere Hand liegt auf meinem Rücken und presst mich noch näher an sich heran. Er schmeckt nach Pfefferminz und unsere Zungen spielen in einem harmonischen Rhythmus miteinander.
Als seine Hand weiter herunter wandert und auf meinem Po liegt und er anfängt, ihn zu massieren, entlockt mir das ein Stöhnen. Er lächelt an meinen Mund und küsst mich noch inniger.
Wir stehen eine Weile so da, bis wir Gelächter hören, das auf uns zukommt. Schnell finden wir wieder in die Realität zurück und er entfernt sich von mir.
Ich fasse mir auf meine pulsierende Lippe, unfähig etwas zu sagen. "Das tut mir leid. Ich hätte nicht die Kontrolle verlieren dürfen." Mit diesem Satz wendet er sich zum Gehen und ich lasse ihn. Das ist vielleicht auch besser so.

Während ich im Taxi sitze, denke ich die ganze Zeit an unseren Kuss. Wie zur Hölle ist das passiert? Die betrunkene Cleo reißt mich aus meinen Gedanken. "Wir sind gleich bei dir, girlllll", lallt sie und ich muss sofort lachen.
Wir biegen gerade in meine Straße ein und ich erkenne unser Haus, aber auch nur gerade so, wenn ich ehrlich bin.
"Wir sehen uns am Montag, schätze ich." Ich gebe Cleo noch einen kleinen Kuss auf die Wange und sie lächelt mich an und nickt.

Innen angekommen streife ich erstmal meine Schuhe ab. Ich liebe Highheels, aber den ganzen Abend in ihnen zu laufen, ist schon sehr anstrengend. Ich bin echt froh, dass ich die Dinger endlich ausziehen kann.
In der Küche brennt noch Licht, aber ich beschließe, direkt nach oben zu gehen. Meine Eltern müssen nicht wissen, dass wir uns heute unerlaubter Weise betrunken haben. Ich kann die Predigt jetzt schon hören. Spätzchen, warum trinkst du denn Alkohol? Nur Kinder mit Problemen trinken Alkohol. Darauf kann ich gerade ganz gut verzichten. Denn ich habe keine Probleme, außer dass ich anfange, mich in einen Lehrer zu verlieben.

In meinem Zimmer schlüpfe ich schnell aus meinem Kleid und hänge es auf einen Bügel. So viel Zeit muss sein, auch wenn ich gerade nur in mein Bett fallen will.
Als ich mich ins Bett lege, kehren meine Gedanken sofort wieder an den Kuss zurück. Ich weiß absolut nicht, wie ich mich am Montag in Mathe ihm gegenüber verhalten soll. Ich meine, er hat immer noch eine Frau und ich bin seine gottverdammte Schülerin. In diesem Kuss lag so viel drinnen, von dem ich nicht mal wusste, dass es so etwas gibt.
Wieso bringt er mich und meine Gefühle so durcheinander? Das kann ich gerade echt nicht gebrauchen. Mit den Gedanken an seine vollen Lippen und Pfefferminzgeschmack im Mund schlafe ich schließlich ein.

Schweigsames VerlangenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt