Kapitel 37

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Jetzt schaffe ich es, Josh anzusehen. Sein Blick trifft meinen und ich sehe tatsächlich, Angst in seinen Augen aufkommen. Ich habe ihn noch nie so nervös gesehen und es gefällt mir nicht, denn normalerweise ist Josh immer die Ruhe selbst.
Er zieht eine Augenbraue nach oben und nickt. Erst jetzt wird mir alles bewusst.
James hat also ernst gemacht, dass er mich und meinen Ruf zerstören will. Ich schlage die Hände vor dem Gesicht zusammen und fange an, zu schluchzen.
Joshs Hand berührt kurz mein Knie und drückt es leicht. Mit glasigen Augen nicke ich ihm zu. "Ich glaube, ich weiß, warum wir beide hier sind", bricht Josh das unbehagliche Schweigen.
Mrs. Johnson dreht sich langsam um und blickt ihn direkt an. "Ach ja? Und warum wäre das?", fragt sie hochgespitzt und setzt sich wieder auf ihren Schreibtischstuhl. Sie trommelt mit ihren Fingern auf die Tischplatte.
"Das, was Ms Almond und ich getan haben, ist völlig inakzeptabel. Gerade ich als Lehrer hätte das verhindern sollen", legt er seine Hände in den Schoß und schaut darauf.
"Sie haben Recht, denn Sie sind der erwachsene Part und hätten das nicht zulassen dürfen", sagt sie. Sie ist verdammt ruhig dafür, dass ein Lehrer und eine Schülerin Sex hatten.

Gerade als Josh erneut ansetzen will, blicke ich ihn von der Seite an und schüttle mit dem Kopf. Er nimmt es wahr und atmet tief ein und aus. "Um das Ganze abzukürzen, mir ist zu Ohren gekommen, dass Sie Ms Almond private Nachhilfe gegeben haben. Das ist an unserer Schule unter keinen Umständen gestattet. Sagen Sie mir, wo haben Sie die Nachhilfe gegeben?", schaut sie Josh an.
Er atmet erleichtert auf. "Ich war bei ihr Zuhause", gibt Josh zu und ich nicke nur.
"Das macht die Sache nicht gerade besser", schaut sie durch eine Akte. "Gibt es da denn sonst noch etwas, was ich wissen müsste?"
Jetzt schaut Mrs. Johnson mich an. "Nein, da gibt es nichts und wird es auch nichts geben", zögere ich. Josh nickt einverständlich.
"Ms Almond, das bedeutet für Sie einen Verweis und für Sie, Josh", sieht sie zu Josh herüber, "für Sie bedeutet das eine schriftliche Abmahnung. Sie beide können gehen." Josh und ich stehen auf und verlassen das Direktorat.

Vor der Tür atmen wir beide gleichzeitig erleichtert auf. "Das mit uns darf niemals jemand erfahren, ist dir das klar?", flüstert er mir ins Ohr. Ich gehe auf die Spinde an der Wand zu und lehne mich dagegen, während ich zur Decke hochschaue. "Florence?", kommt Josh zu mir herüber gelaufen. "Das siehst du doch aus so, oder?"
Als ich nicht antworte, baut er sich vor mir auf und starrt mich finster an. "Wem hast du davon erzählt?", faucht er mich an und ich weiche etwas zurück, bis ich endlich meine Stimme wiederfinde. "Ich habe es niemandem erzählt, ich schwöre es, aber möglicherweise hat James uns gesehen.. in deinem Büro, als wir gerade..du weißt schon", flüstere ich.
Josh fährt sich durch die Haare und haut mit der Hand auf einen der Spinde. "Verdammte Scheiße. Hast du mit ihm geredet? Wird er es jemandem erzählen?", fragt er und läuft im Kreis.
Ich halte ihn am Arm fest und versuche so, ihn zu stoppen. "Naja, er war natürlich nicht gerade begeistert.."
"Das heißt?", unterbricht mich Josh.
"Er hat mir damit gedroht, es rumzuerzählen, aber ich glaube nicht, dass er das wirklich macht. Er war besoffen und ist natürlich mega sauer auf mich oder besser gesagt uns", schnauze ich ihn an.
"Das ist alles so verkorkst. Wieso ist das nur passiert und wieso hast du mich nicht abgehalten? Kannst du nicht einmal deinen Kopf einschalten? Nur ein einziges Mal in deinem Leben, Florence", sagt er bissig. Jetzt reicht es. "Du willst mich doch verarschen, oder? Ist das gerade ein Ernst? Hörst du dir überhaupt selbst zu? Du warst derjenige, der über mich hergefallen ist und mich unbedingt vögeln wollte. Du wusstest genau, dass ich nicht Nein sagen werde, weil ich..", breche ich ab.
Er starrt mich nach wie vor wütend an. "Weil du was? Beende deinen Satz, Florence. Tu einmal das, was du sollst."
"Nein", gebe ich trocken zurück. "Das geht Sie nichts an."
Anscheinend fühlt er sich gestoßen, denn er geht einen großen Schritt nach hinten. "Okay", sagt er nur und es bricht mir das Herz, als ich beobachte, wie er sich immer weiter von mir entfernt und schließlich einfach geht.
Ich muss dringend mit Jemandem reden. Hoffentlich ist Cleo gerade in der Mensa.

Mit eiligen Schritten gehe ich durch die große Tür der Mensa und blicke zum Tisch von James und seinen Freunden. James sieht mich böse an und setzt dann die Unterhaltung mit seinen Freunden fort.
Ich laufe auf unseren Tisch zu und merke sofort, dass etwas nicht stimmt. "Hey, Leute", sage ich und will mich gerade hinsetzen, als Ashley ihre Hand auf den Stuhl legt. "Sorry, aber für Betrügerinnen haben wir hier keinen Platz", sieht sie mich böse an. Cleo schaut währenddessen nur durch mich hindurch.
"Was habe ich euch getan? Cleo?", frage ich und habe Angst, dass ich gleich wieder in Tränen ausbreche. "Sagt mir jetzt verdammt nochmal, was los ist."
"Wir haben einfach nur gehört, dass du anscheinend eine Schlampe bist", zuckt Cleo mit den Schultern. Sie sieht mich nach wie vor nicht an. "Wie bitte?"
"Man, Flo. Verpiss dich einfach", patzt mich Ashley von der Seite an. Endlich sieht Cleo mich an und in ihren Augen sehe ich nur Abscheu und Hass.
Bekümmert gehe ich aus der Mensa und nach draußen. Ich brauche jetzt eine Zigarette.

Schweigsames VerlangenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt