Ich weine den ganzen Weg über und schaue immer wieder auf mein Handy in der Hoffnung, dass Josh mir schreibt oder mich anruft. Doch er tut es nicht.
Gerade als ich beschließe, einen letzten Blick auf mein Handy zu werfen, schaue ich nach oben und sehe einen LKW auf mich zu rasen. Mehr weiß ich nicht mehr.
Ich liege in einem sterilen Zimmer und fasse mir ins Gesicht. Ich habe überall Beatmungsschläuche im Gesicht und mein Kopf dröhnt, als hätte ich drei Tage lang durchgesoffen. Ich höre ein leises Schluchzen, das rechts von mir ist. "Wie lange befindet sie sich schon in diesem Zustand?", höre ich meine Mutter fragen. In was für einem Zustand? Was ist passiert?
"Wir mussten sie in ein künstliches Koma legen. Es ist nicht gerade unwahrscheinlich, dass es noch ein paar weitere Wochen dauert, bis sie aufwacht", sagt eine Ärztin. "Wenn sie aufwacht." Meine Mutter fängt das Weinen an und ich erkenne meinen Dad, der einen Arm um sie schlingt.
Ich höre, wie die Tür aufschwingt und Olivia im Raum steht. "Wie geht es ihr?", fragt sie außer Puste. Die Stimmen werden etwas leiser und mein Kopf scheint, gleich zu platzen. Alles wird wieder schwarz.
Ich wache in einem anderen Raum wieder auf und sehe ein paar Ärzte um mich herum stehen. "Du musst jetzt kämpfen. Du schaffst das", höre ich eine Frauenstimme, die ich nicht kenne. Langsam öffne ich die Augen erneut und blicke in das Gesicht einer Krankenschwester. Sie schaut mich mit großen Augen an und dann lächelt sie. Sie geht schnell aus dem Raum heraus und kommt mit einem Arzt zurück, der mir in die Augen leuchtet.
Es ist viel zu hell und ich kneife schnell die Augen wieder zu. Als ich langsam wieder zu mir komme, ist keiner mehr im Raum. Ich höre ein leises Schnarchen zu meiner Linken und drehe mich langsam in die Richtung des Schnarchens.
Dort steht eine Couch auf der Olivia und Jack schlafen und neben der Couch sehe ich Josh. Mein Herz macht einen Sprung. "J-j-josh", stottere ich. Er schrickt nach oben und schaut mich an. Sofort sprintet er zu mir herüber. "Oh mein Gott, Florence. Du bist wach", streichelt er über mein Gesicht.
"Was..was ist passiert?", frage ich angestrengt. Jedes Wort ist wie ein Stein, der über meine Lippen gleitet und ich muss mich echt anstrengen, dass ich überhaupt etwas aus meinem Mund bekomme. "Du hattest einen Unfall und lagst für drei Wochen in einem Koma." Ihm kullert eine Träne über die Wange. Weint Josh etwa?
Als ich ihm die Träne wegwischen will, hält er meine Hand fest. "Du hast mir einen verdammten Schrecken eingejagt, weißt du das?", flüstert er. Er hat meine Hand nach wie vor fest umklammert. "Sag mir, dass du das Geld nicht genommen hast", sage ich leise.
Er antwortet nicht und lässt meine Hand sinken. Josh weicht meinem Blick aus. "Dein Vater kann sehr überzeugend sein, weißt du", stammelt er vor sich hin und blickt auf seine Hände.
Ich hebe sein Kinn an, sodass er mich anschauen muss. "Hast du mich nur benutzt?"
Er antwortet wieder nicht. Ich verliere die Geduld. "Ich bin so dumm", lache ich und halte mir die Brust, weil es echt wehtut. Ich weiß nur nicht, was mehr weh tut. Der Fakt, dass ich gerade so noch am Leben bin oder dass Josh mich nur ausgenutzt hat und mich anscheinend nie wirklich geliebt hat. "Ich will, dass du gehst", entreiße ich ihm noch meinen letzten Finger.
Er schaut mich verwirrt an und diesmal entweiche ich seinem Blick.
Ohne etwas zu sagen, steht er auf und geht aus der Türe und somit auch aus meinem Leben.
Jack und Olivia schlafen nach wie vor und haben unsere Unterhaltung nicht mitbekommen.
Erst jetzt öffnet Olivia die Augen und sieht mich an und tippt direkt Jack an. "Sie ist wach", springt sie auf mich zu und umarmt mich.
Auch Jack kommt zu mir herüber gelaufen und drückt einmal kurz meine Hand. Sofort schaut er sich suchend um. "Er ist weg", flüstere ich. "Ich habe ihn weggeschickt." Mein Blick ist leer und wenn ich weinen könnte, würde ich das jetzt auch tun, aber es ist alles zu anstrengend.
"Wieso hast du ihn weggeschickt?", fragt Jack und sieht erst Olivia, die mit den Schultern zuckt, und dann mich an. Als ich nicht antworte, setzt Jack wieder an. Doch Olivia hält ihm den Mund zu und signalisiert ihm, dass er die Klappe halten soll. Er rollt mit den Augen, schließt aber dennoch seinen Mund wieder.
"Darüber können wir reden, wenn du hier wieder raus bist", sagt Olivia sanft und streichelt mir über meinen Arm.
Jetzt betreten auch meine Eltern den Raum und rennen auf mich zu. "Spätzchen", kommt meine Mutter besorgt auf mich zu. Ich entweiche ihrer Hand. Ich weiß noch genau, was an diesem Abend passiert ist bis auf die Stelle mit dem Unfall.
Meine Mutter dreht sich zu meinem Vater um und beginnt, zu weinen. "Florence", setzt mein Dad an. Doch ich unterbreche ihn sofort. "Nein. Ich will es nicht hören. Ich habe euch nichts mehr zu sagen. Auch wenn ich drei Wochen hier lag, habe ich nicht vergessen, wie ihr mir mein Leben kaputt gemacht habt. Ich liebe...habe Josh geliebt und das, was ihr getan habt, werde ich euch niemals verzeihen. Niemals", sage ich und meine Augen fallen wieder zu.
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Schweigsames Verlangen
RomantikFlorence genießt in ihrem Leben und auch an ihrer neuen Schule eine Menge Aufmerksamkeit vor allem von Seiten der Jungs. Sie war noch nie wirklich interessiert an irgendwelchen Bekanntschaften. Doch dann trifft sie diesen einen Typen, der sie zum Sc...
