Sonntagmorgen.
Als ich aufwache, durchdringt der allzu bekannte Duft von Pancakes meine Nase und ich springe sofort auf. Ich habe so einen Hunger, dass mein Bauch schon ganz komische Geräusche von sich gibt.
Ohne meinen Pyjama auszuziehen, renne ich die Treppe herunter und mir stockt der Atem. "Guten Morgen, Spätzchen", strahlt mich meine Mom an. Neben ihr sitzt mein Dad mit seiner Kaffeetasse in der Hand und ihm gegenüber lacht Mr. Lancaster. Ich verstehe nicht, was hier los ist. Außerdem bin ich in meinem Pyjama und meine Haare sehen wahrscheinlich so aus, als hätte ein Vogel darin übernachtet.
Ich will gerade wieder rückwärts die Treppe nach oben gehen, da entdeckt mich mein Dad und sieht auf. "Guten Morgen. Wie war dein Abend?", fragt er mich. Im gleichen Moment dreht sich Mr. Lancaster um und sieht mich einfach nur ausdruckslos an. Da ist kein Feuer und keine Freundlichkeit in seinem Blick. Stattdessen sehe ich etwas anderes: Bereuen.
Eigentlich hat er ja recht, auch wenn es schon sehr schmerzhaft ist, dass er diesen Kuss so sehr bereut. Ich kann ihm nicht mal einen Strick daraus drehen.
"Guten Morgen, Ms Almond." Jetzt lächelt er mich kurz an und ich stehe nach wie vor mit einem verdutzten Gesicht da, unfähig, irgendetwas von mir zu geben.
Ich schüttle mich einmal kurz. "Guten Morgen. Ich wusste nicht, dass wir heute Morgen Besuch haben", sage ich durch meine zusammengebissenen Zähne hindurch. Ich bin komplett überfordert und stehe nach wie vor in Socken und meiner kurzen Schlafhose vor meinem Mathelehrer. Da muss ich jetzt wohl durch.
Ich gehe auf die Küchenzeile zu und schenke mir einen Kaffee in meine Lieblingstasse ein. "Der Abend war ganz nett", sage ich, während ich an meinem Kaffee schlürfe.
Ich blicke in Mr. Lancasters Richtung und ich schwöre, dass ich ein kleines Lächeln auf seinen Lippen gesehen habe. Aber so schnell wie es da war, so schnell ist es auch wieder weg.
"Das freut uns. Wir haben gerade mit Josh über die Feier gesprochen. Das hört sich echt alles sehr toll an", lächelt meine Mom ihn an. Boden tu dich auf.
"Apropos Josh. Wieso sitzen Sie bei uns am Sonntagmorgen am Frühstückstisch, wenn ich fragen darf?", klimpere ich mit den Wimpern. Mom stößt mich leicht in die Seite und ich schnaube genervt. "Ihre Mutter hat mich eingeladen zum Frühstück, als Dankeschön für Ihre Rettung." Seine Augen wirken kühl, aber dennoch kann ich etwas in ihnen aufblitzen sehen.
"Das stimmt. Immerhin haben Sie unserer Tochter geholfen, als es ihr schlecht ging." Josh lächelt nur und nickt. "Was ein Lehrer nicht alles für das Wohl seiner Schüler tut."
Ja zum Beispiel die Schülerin einfach küssen und sie danach einfach verwirrt stehen lassen. Ich kann mir ein kleines Lachen nicht verkneifen. "Willst du Pancakes? Ich habe auch frische Beeren gekauft", schaltet sich mein Dad nun wieder ein.
"Ich habe gerade keinen Hunger, aber danke. Ich geh nach oben. War nett, Sie zu sehen, Mr. Lancaster. Bis Montag", verabschiede ich mich und lasse absichtlich ein Papier von der Küchenrolle fallen, sodass ich mich bücken muss. Ich kann seinen Blick förmlich auf mir spüren und als ich mich umdrehe, räuspert er sich nur kurz. "Bis Montag, Ms Almond."
Ich lache. "Heute können Sie mich ausnahmsweise mal Florence nennen. Sie sitzen schließlich mit meiner Familie am Sonntagmorgen an unserem Tisch", entgegne ich ihm.
Er blickt mir tief in die Augen. "Bis Montag, Florence." Verdammt. Wieso klingt mein Name aus seinem Mund so göttlich? Ich muss aufpassen, dass ich nicht das Sabbern anfange. Ich mache direkt kehrt und gehe in mein Zimmer hinauf. Das ist mir alles zu viel für einen Sonntagmorgen.
Ich schmeiße mich auf mein Bett und schicke Cleo eine Nachricht. SOS. Lancaster sitzt an unserem Esstisch.
Ich lege mich mit dem Gesicht nach unten auf meine Bettdecke.
Cleo antwortet nicht, wahrscheinlich schläft sie noch ihren Rausch aus. Ich beschließe, mich für die Schule morgen vorzubereiten, obwohl ich das eigentlich nie mache. Aber heute scheint mir ein guter Tag dafür zu sein, denn ich brauche dringend Ablenkung.
Anstatt zu antworten, ruft mich Cleo direkt an und wir telefonieren über zwei Stunden.
Wir erzählen uns Sachen vom gestrigen Abend, wobei ich natürlich den Teil mit dem Kuss rauslasse und sie erzählt mir, dass Logan ein guter Küsser ist. Immer diese Küsse, wenn man betrunken ist. Wer hat sich das eigentlich ausgedacht? Ich meine, wieso denkt man betrunken immer gleich an Sex? Das ist eine Qual und ich werde nie wieder Alkohol im Beisein von Lancaster trinken, nicht dass noch schlimmere Sachen passieren. Da traue ich mir selbst nicht über den Weg.
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Schweigsames Verlangen
RomansaFlorence genießt in ihrem Leben und auch an ihrer neuen Schule eine Menge Aufmerksamkeit vor allem von Seiten der Jungs. Sie war noch nie wirklich interessiert an irgendwelchen Bekanntschaften. Doch dann trifft sie diesen einen Typen, der sie zum Sc...
