Die letzten zwei Stunden scheinen einfach nicht zu vergehen. Ich kritzle irgendwas in meinen Hefter und warte, bis die Schulglocke endlich läutet und mich von meinem Elend befreit.
Als es endlich soweit ist, stopfe ich meine Sachen in meine Tasche und renne nach draußen.
Ich stoße gegen etwas Hartes und will eigentlich gar nicht sehen, wer vor mir steht, denn alleine der Geruch verrät es mir. "Ms Almond", ertönt die tiefe Stimme von Mr. Lancaster.
Augenblicklich überzieht sich mein Arm mit einer Gänsehaut und ich reibe daran in der Hoffnung, dass es ihm nicht auffällt, welchen Effekt er auf mich nach wie vor hat. "Sorry, das war keine Absicht", schaue ich auf den Boden. Ich will ihm nicht in die Augen schauen. Das verkrafte ich jetzt einfach nicht.
Er nimmt meine Hand und ich reiße sie ihm sofort weg. Josh blickt mich verdutzt an. "Sie haben kein Recht, mich anzufassen, Mr. Lancaster", fauche ich. Jetzt blicke ich ihm tief in seine Augen und ich sehe darin Verlangen.
Ich habe diesen Ausdruck mittlerweile schon zweimal auf seinem Gesicht gesehen: als er mich hier in der Schule geküsst hat und als er auf meiner Couch zuhause über mir war.
Die Mauern um mich herum scheinen zu bröckeln und ich raffe mich schnell wieder auf. Ohne noch ein weiteres Wort zu sagen, setze ich mich in Bewegung in die entgegengesetzte Richtung von ihm. Er folgt mir nicht und das ist auch definitiv besser für ihn.
20 Uhr und ich bin auf dem Weg zu der Adresse, die James mir getextet hat. Ich bin verdammt gespannt, was jetzt wohl auf mich zukommt. Meinen Eltern habe ich verklickert, dass ich bei Cleo schlafe, denn sie müssen das mit James jetzt noch nicht komplett offiziell wissen. Obwohl ich denke, dass ich es ihnen morgen wahrscheinlich endlich mal sagen werde, denn eigentlich habe ich keine Lust mehr auf diese ständigen Ausreden.
Meine Eltern sind zu meinem Glück sowieso ziemlich entspannt, was das Thema Jungs angeht.
Vor dem Haus komme ich zum Stehen und parke meinen Wagen direkt vor der Eingangstür.
Es ist ein echt schönes Haus im Altbaucharme mit geschnörkelten Fassaden und großen Fenstern. Es sieht tatsächlich nicht so aus, als würden hier vier Jungs wohnen. Das Haus könnte eher direkt aus einem romantischen Hollywoodschinken kommen.
Ich hüpfe die Stufen nach oben, denn mittlerweile regnet es ziemlich heftig und ich habe keine Lust darauf, auch noch krank zu werden.
Ich klingle und nach ein paar Sekunden höre ich ausgerechnet Camerons Stimme an der Sprechanlage. "Hallo?"
"Äh Hi, ich bin's Flo." Er antwortet mir nicht und drückt einfach nur den Summer, sodass ich endlich ins Haus gehen kann.
Sie wohnen in der Dachgeschosswohnung und ich muss ziemlich viele Stufen nach oben laufen und bei jedem weiteren Schritt quietschen meine weißen AirForce auf dem Holz, mit dem die Treppen überzogen sind.
Außer Puste komme ich endlich oben an und Cameron lehnt in der Tür. Er scannt mich von oben bis unten ab und zeigt dann mit der Hand in die Wohnung. "Wie nett", rolle ich mit den Augen, als ich an ihm vorbeilaufe. Er lacht leise und ich schmunzle leicht.
"Wo ist James?", frage ich, als ich meine Jacke ausziehe und über einen der Stühle in der Küche hänge. Es ist ziemlich ordentlich für einen Jungshaushalt. Sie müssen wahrscheinlich eine Putzfrau haben, das würde mich auf jeden Fall nicht wundern.
"Er ist noch unter der Dusche, aber du kannst ja mit ins Wohnzimmer kommen oder so." Er lässt mich alleine stehen und ich beschließe, ihm nachzugehen anstatt hier dumm rumzustehen.
Im Wohnzimmer läuft Fußball auf dem riesigen Plasmafernseher, der über einem Sideboard hängt. Chuck lächelt mich sofort an, als er mich sieht. "Hey, Flo. Alles gut? Setz dich doch mit zu uns", bietet er mir den Platz neben sich an und ich setze mich.
"Willst du was trinken?", fragt mich Chuck und ich nicke. "Ein Wasser reicht, danke."
Cameron lacht in der Ecke und ich werfe ihm einen finsteren Blick zu. Doch das scheint ihn nicht weiter zu beeindrucken und er richtet seinen Blick wieder auf den Fernseher.
Ich habe noch nie verstanden, was daran so toll ist, sich ein Fußballspiel anzuschauen. Es geht schließlich nur um Menschen, die einem Ball hinterherrennen.
Chuck kommt wieder herein und sieht meinen verwirrten Blick. und reicht mir mein Glas Wasser. "Ich schätze mal, Fußball ist nicht so dein Ding?"
Ich schüttle den Kopf. "Nicht wirklich. Ich meine, das ist ja immer das Gleiche", zucke ich mit den Schultern und lehne mich zurück, als Chuck wieder neben mir Platz nimmt.
Ich unterhalte mich vor allem mit Chuck, bis James endlich mit einem Handtuch um die Hüften gewickelt in der Tür steht. Er strahlt mich an und ich lächle ihn an. "Komm, Flo. Wir gehen mal rüber", sagt er und schüttelt seine nassen Haare. Er sieht verdammt gut aus. Ein paar einzelne Wassertropfen liefern sich ein Rennen über seinen definierten Bauch und ich kann den Blick nicht abwenden.
Ich schlucke nur und nicke, bevor ich aufstehe und mich von Chuck und Cam verabschiede.
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Schweigsames Verlangen
RomansFlorence genießt in ihrem Leben und auch an ihrer neuen Schule eine Menge Aufmerksamkeit vor allem von Seiten der Jungs. Sie war noch nie wirklich interessiert an irgendwelchen Bekanntschaften. Doch dann trifft sie diesen einen Typen, der sie zum Sc...
