Ich liege im Bett und weine schon wieder. Es klopft an der Tür und ich versuche, meine Tränen schnell wegzuwischen. Leider zu spät, denn meine Mutter steht bereits neben meinem Bett. "Spätzchen, was ist los? Ich hab das Schluchzen ja bis zu uns rüber gehört", sagt sie und setzt sich neben bin.
Sie nimmt mich in den Arm und hält mich einfach nur, während ich weiter weine.
Ein paar Minuten später setze ich mich aufrecht hin und schaue sie an. "Mom, ich habe extrem große Scheiße gebaut und ich weiß nicht, wie ich es wieder gerade biegen soll", schluchze ich.
"Was ist denn passiert? Hat es etwas mit deinem Freund zu tun?", fragt sie.
Ich nicke nur. "Ja, aber ich kann es dir eigentlich nicht sagen", starre ich nach vorne.
"Du weißt doch, dass du mir alles sagen kannst, egal wie schlimm es ist."
"Ich habe James betrogen." Jetzt schluckt meine Mutter und zieht sich etwas zurück. Das Thema Betrug ist bei ihr nach wie vor ein sensibles Thema, was ich ihr nicht verübeln kann. "Mit wem?", stottert sie und kommt wieder näher. "Mit Jemandem aus der Schule", gebe ich zu. Es ist nicht die ganze Wahrheit, aber auch keine Lüge. Ich kann ihr auf keinen Fall erzählen, dass ich mit meinem Mathelehrer geschlafen habe. "Naja, du musst dir jetzt erstmal die Frage stellen, ob es das wert war, deinen Freund zu verlieren", setzt sie an. "War er es wert? Hast du Gefühle für die andere Person?"
Ich denke kurz über ihre Frage nach. Auf diese Frage habe ich gerade keine Antwort. Also zucke ich nur mit den Schultern. Habe ich Gefühle für Josh? "Ich bin total verwirrt und ich weiß nicht, wie es überhaupt dazu gekommen ist", fasse ich mir an die Brust, denn ich spüre einen stechenden Schmerz, der von meinem Herzen ausgeht.
"Liebst du James?"
Ich nicke. "Ja, das tue ich wirklich."
"Dann rede mit ihm, Spätzchen. Das ist das Einzige, das du jetzt tun kannst und natürlich darauf hoffen, dass er dir irgendwann eventuell verzeiht", sagt sie und drückt mir einen Kuss auf die Stirn.
"Das werde ich. Danke, Mom", sage ich.
Sie steht auf und geht in Richtung der Tür. Sie dreht sich zu mir um. "Es wird alles wieder werden. Hab ein bisschen Vertrauen." Mit diesen Worten geht sie aus meinem Zimmer und lässt mich mit meinen dunklen Gedanken zurück.
Liam hat mir heute früh geschrieben, dass ich jetzt vorbeikommen kann und ich beschließe, heute mal die Schule zu schwänzen. Ich fahre direkt zu der Wohnung der Jungs.
Zum Glück ist keiner außer Liam und James zuhause und Liam öffnet mir die Tür. Er schaut mich traurig an und ich weiß, dass das nichts Gutes bedeuten kann.
Dennoch hänge ich meine Jacke über den Stuhl und gehe zu James' Zimmertür. Zögernd klopfe ich und er stöhnt nur.
Ich öffne langsam die Tür und sehe James, der auf der Seite in seinem Bett liegt. Er starrt einfach nur an die Wand. "Verpiss dich, Liam", murrt er. Ich gehe zu ihm und setze mich auf die Bettkante. "Ich bin's", sage ich leise.
Ruckartig dreht er sich um und funkelt mich an. "Was machst du hier?", schnauzt er mich an. "Liam."
Wenige Sekunden später steht Liam in der Tür. "Was los?"
"Hab ich gesagt, dass ich sie hier haben will?" Liam tritt vom einen auf das andere Bein. "Naja, ich dachte, ihr solltet vielleicht mal reden."
James sieht zwischen mir und Liam hin und her und seine Augen werden zu Schlitzen. Er schickt Liam aus dem Zimmer und widmet sich jetzt mir.
"Was willst du hier? Hat Mr. Lancaster heute keine Zeit, dich zu vögeln?", sagt er spöttisch.
Ich finde das gar nicht witzig. "Es tut mir leid. Ich habe keine Ahnung, wie das passiert ist, wenn ich ehrlich bin", gebe ich kleinlaut von mir.
Er lacht. "Du hast also keine Ahnung, warum du stöhnend auf dem Schreibtisch deines Lehrers gesessen warst?", lacht er immer noch und schüttelt den Kopf. "War er es wert?"
Meine Mutter hat mich gestern genau das Gleiche gefragt.
Ich schüttle den Kopf. "Nein", sage ich und weiß nicht, ob es der Wahrheit entspricht, aber ich muss diese Frage so beantworten, wenn ich ihn nicht verlieren will.
"Und was willst du jetzt noch von mir?", fragt er ironisch und lehnt sich zurück.
"Ich will, dass du mir verzeihst. Es wird nie wieder vorkommen. Ich verspreche es dir", sage ich leise und lege meine Hände in meinen Schoß.
"Nein", setzt er an. "Ich weiß nicht, was du von mir gehört hast, aber ich lasse mich definitiv nicht verarschen." Ich schaffe es nicht, ihn anzublicken. "Das heißt?"
"Das heißt, dass ich mir nur noch überlege, wann ich damit zur Direktorin gehe. Eine Lehrer-Schüler-Beziehung, ich glaube, das kommt super in den Bewerbungen für das College", lächelt er mich böse an. Es ist nicht das Lächeln, das ich so an ihm liebe. In diesem Lächeln liegt nur purer Hass und Abscheu.
"Das kannst du nicht tun." Jetzt weine ich und James bleibt unbeeindruckt. "Das hast du nicht zu entscheiden, Flo. Und jetzt geh. Ich will dich nicht mehr sehen", deutet er zur Tür und legt sich wieder hin.
Ich stehe auf und blicke noch einmal zurück. Doch er liegt regungslos da.
Also trete ich hinaus in die Küche und schließe die Tür hinter mir. Ich bin am Arsch.
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Schweigsames Verlangen
RomanceFlorence genießt in ihrem Leben und auch an ihrer neuen Schule eine Menge Aufmerksamkeit vor allem von Seiten der Jungs. Sie war noch nie wirklich interessiert an irgendwelchen Bekanntschaften. Doch dann trifft sie diesen einen Typen, der sie zum Sc...
