Josh wird in dreißig Minuten vor der Türe stehen und ich könnte mich jetzt schon wieder umziehen, weil ich so sehr schwitze. Mom und Dad sind in der Küche und hören Musik, während sie kochen und sich unterhalten. Ich sitze in meinem Zimmer und weiß nicht, wo oben und unten ist. Vielleicht haben wir die Sache doch ein bisschen überstürzt. Jetzt ist es auf jeden Fall zu spät.
Ich gehe runter zu meinen Eltern in die Küche. Als ich dort ankomme, klingelt es an der Türe. Doch ich bewege mich nicht. Ich bin wie in einer Art Schockstarre. Meine Mom sieht mich an und dann zur Haustüre. "Willst du nicht aufmachen, Spätzchen?", holt mich meine Mom aus meiner Starre. Ich fange das Stottern an. "Naja, also ähm.. vielleicht sollte ich euch noch was sagen, bevor ihr ihn kennenlernt. Ihr solltet vor allem wissen, dass ich ihn wirklich liebe und er mich liebt."
Meine Eltern schauen sich verwirrt an und schütteln den Kopf. "Ja, ich schätze mal, das sollte in einer gesunden Beziehung so sein", lacht mein Dad. Das Lachen wird ihm, denke ich mal, gleich wieder vergehen, sobald er Josh sieht.
Ich drehe mich langsam um und gehe zur Haustüre. Als ich sie öffne, steht Josh in einer schwarzen Jeans und einem grauen Jackett vor der Türe. Er sieht meinen nervösen Blick und drückt mir einen Kuss auf den Mund. "Alles gut?", fragt er besorgt. Ich schüttle den Kopf. "Ehrlich gesagt nein. Ich habe richtig Angst. Bitte erwarte kein herzliches Willkommen", stammle ich.
Josh tritt in den Eingangsbereich, wo meine Eltern ihn noch nicht sehen können. Sie können lediglich unsere Silhouetten sehen. Er zieht sich langsam die Schuhe aus und greift dann nach meiner Hand. Wir atmen beide tief ein und aus und treten dann direkt in die Höhle des Löwen.
Als meine Mutter mich und Josh Händchen haltend sieht, lässt sie den Kochtopf fallen. Ihre Augen sind geweitet und sie schüttelt ungläubig den Kopf. "Das kann nicht wahr sein", stottert sie.
Jetzt sieht uns auch mein Vater und legt seine Zeitung beiseite. Josh und ich gehen langsam in die Küche nach wie vor Hand in Hand. "Hallo Mrs. und Mr. Allmond", bietet Josh meiner Mom die Hand an. Sie starrt auf seine Hand, schüttelt den Kopf und geht einfach aus dem Raum.
"Sie können direkt wieder gehen", sagt mein Vater streng und durchbohrt Josh mit strengen Blicken. "Da ist die Türe."
"Dad, das ist nicht dein Ernst", lache ich beinahe. Mein Vater sieht mich böse an. "Verschwinde in dein Zimmer. Sofort", droht er mir. Ich bewege mich nicht von der Stelle. "Ich sagte sofort, Florence", verleiht er seinem Gesagten noch etwas Nachdruck.
"Tu, was er sagt", sagt Josh, ohne mich anzusehen. Ich nicke und lasse seine Hand los. Ich gehe nach oben und haue die Türe zu.
Langsam rutsche ich an der Türe herunter und fange an, zu weinen. Ich habe keine Ahnung, was mein Dad jetzt zu ihm sagen wird und ich habe Angst, dass Josh sich jetzt von mir abwendet. Nach einer halben Stunde klopft es an der Türe und meine Eltern stehen davor. Sie sehen mich weinend am Boden, wie ich zusammengerollt vor meinem Bett sitze.
Doch anstatt mich zu trösten, stellen sie sich beide drohend vor mich. "Das akzeptieren wir nicht", sagt mein Vater bestimmt. Meine Mutter sieht genauso verheult aus wie ich. Sie schüttelt den Kopf. "Nein, Florence. Das ist überhaupt nicht drinnen."
"Aber ihr kennt ihn doch gar nicht. Gebt ihm doch eine Chance", schluchze ich. Meine Eltern bleiben hart stehen. "Das ist nicht nötig. Ich habe ihm Geld gegeben, dass er diese Stadt verlässt. Am besten gleich das Land", erwidert mein Dad.
Ich springe auf. Jetzt werde ich wütend. "Du hast was?", schreie ich ihn an. Es ist das erste Mal, dass ich meinem Vater gegenüber die Stimme erhebe. "Das ist doch nicht euer Ernst. Ihr schickt ihn einfach mit Geld weg und droht ihm, dass er die Stadt verlassen soll? Er wird das nicht tun."
"Florence, er hat das Geld genommen und eingewilligt", gibt meine Mutter traurig von sich und schaut mich mitleidig an. Ich schüttle den Kopf. "Das hat er nicht", leugne ich. Das kann ich mir nicht vorstellen und das will ich mir auch gar nicht erst vorstellen. So etwas tut er nicht.
"Tut mir leid", sagt meine Mom und sie wirkt tatsächlich betroffen.
"Spar dir deine Mitleidsnummer. Ich hasse euch", renne ich an ihnen vorbei und die Treppen nach unten. "Florence, bleib hier. Du hast Hausarrest", ruft mein Vater mir hinterher, aber das ist mir egal. Ich stürme nach außen und setze mich in mein Auto. Dort schlage ich auf mein Lenkrad und fahre schließlich zu Olivia.
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Schweigsames Verlangen
RomanceFlorence genießt in ihrem Leben und auch an ihrer neuen Schule eine Menge Aufmerksamkeit vor allem von Seiten der Jungs. Sie war noch nie wirklich interessiert an irgendwelchen Bekanntschaften. Doch dann trifft sie diesen einen Typen, der sie zum Sc...
