Kapitel 41

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"Was hat sie gesagt?", fragt mich Josh, als wir zusammen in einer kleinen Besenkammer in der Schule stehen.
"Ich muss ein paar Sozialstunden für die Schule machen und beim Event-planning mithelfen. Wenn das nicht laufen sollte, werde ich dennoch der Schule verwiesen", rolle ich mit den Augen und weiß nicht so genau, ob ich mich darüber freuen sollte oder nicht.
Er schaut mich nachdenklich an. "Das ist gut. Schätze ich?"
"Naja, das liegt wohl im Auge des Betrachters, aber im Großen und Ganzen ist es auf jeden Fall besser, als meinen Eltern zu erklären, dass ich aufgrund einer Affäre mit einem Lehrer der Schule verwiesen wurde", gebe ich zu und eigentlich entspricht es auch der Wahrheit.
Er streicht mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht und blickt auf meine Lippen, bevor er sie schließlich mit seinen bedeckt.
In diesem Kuss liegt so viel Emotion und ich verliere mich in ihm. "Ich muss zurück in den Unterricht", hauche ich durch unsere Küssen hindurch.
"Stimmt, deine letzte Mathestunde steht an und du willst ja schließlich nicht deinen Lieblingslehrer warten lassen, denn das mag er gar nicht", lacht er und ich liebe es, dass er so locker damit umgeht.
Ich lache auch. "Ja, er ist ein kompletter Vollidiot. Aber ich muss zugeben, dass er verdammt heiß ist und der beste Küsser, den ich je kennengelernt habe." Josh stößt mich in die Seite und dann schickt er mich aus der Kammer.

In der letzten Mathestunde bei ihm bin ich tatsächlich ein bisschen traurig, denn ich weiß, dass es das letzte Mal sein wird, dass ich bei ihm im Unterricht sitzen werde.
Irgendwie ist es schon ein komisches Gefühl, vor allem wenn ich nur an seine Lippen auf meinem Körper denken kann.
Ich presse die Beine aufeinander und natürlich fällt es ihm auf und er schaut im richtigen Moment zu mir. Er lächelt unbemerkt verschmitzt und fährt dann mit seinem Unterricht fort.
"Ich habe noch eine wichtige Ankündigung für euch", setzt Josh an, kurz bevor der Unterricht zu Ende ist. "Das war meine letzte Stunde an dieser Schule. Ab nächster Woche werde ich nicht mehr an Ihrer Schule unterrichten. Ich wünsche Ihnen ganz viel Glück und vielleicht sehen wir uns irgendwann mal wieder." Die Klasse seufzt und die Mädchen beginnen sofort, zu tuscheln, während sie sich reihenweise zu mir herumdrehen.
Ich rolle nur mit den Augen. "Er geht wegen ihr. Wahrscheinlich haben sie ihn gefeuert", sagt das eine rothaarige Mädchen zu ihrer Banknachbarin. Diese zuckt mit den Schultern. "Also ich muss sagen, dass ich das schon ein bisschen Bad-ass von ihr finde und sind wir mal ehrlich, wir würden genau das Gleiche tun, wenn wir die Möglichkeit hätten", sagt sie und zwinkert mir zu, als sie sich umdreht. Ich lächle sie dankend an und nicke.

Nach dem Unterricht laufe ich nach vorne und an dem Mädchen vorbei, das mich vorhin verteidigt hat. "Hey, danke für Vorhin. Das war verdammt lieb von dir, auch wenn du es wahrscheinlich nicht ernst gemeint hast, aber ich bin dir trotzdem verdammt dankbar", sage ich zu ihr.
Sie schüttelt den Kopf, während sie ihren Rucksack weiter einpackt. "Das ist kein Problem und nein, das siehst du falsch. Ich habe das schon durchaus ernst gemeint. Ich sage nie etwas, das ich nicht auch so meine", lächelt sie mich an und mein Herz wird warm. "Ich bin übrigens Olivia."
"Flo", antworte ich und gehe mit ihr aus dem Zimmer heraus.
"Du bist das Schulgespräch Nummer Eins. Dementsprechend weiß ich natürlich, wer du bist." Scheiße. Diese Art von Aufmerksamkeit mag ich nicht.
Olivia sieht meinen traurigen Blick und hakt sich unter meinem Arm ein. "Nein, nein. Keine bösen Gedanken machen. Dir ist doch klar, dass die meisten hier vor dir den Hut ziehen? Ich meine, du hast fucking Mr. Lancaster abgeschleppt und jetzt fühlen sich die meisten Mädels von dir eingeschüchtert. Das ist purer Neid", sagt sie fröhlich.
"Neidisch auf mich? Ich meine, ich bin gerade so an einem Schulverweis vorbeigekommen und jetzt muss ich Sozialstunden abarbeiten und im Komitee helfen", rolle ich mit den Augen.
Abrupt bleiben wir in der Mitte des Flurs stehen und Olivia sieht mich prüfend an. Ich kann ihren Blick nicht einschätzen und das macht mich nervös.
Sie zieht eine Augenbraue nach oben. "Läuft zwischen euch beiden noch...", setzt sie an. Doch ich unterbreche sie mitten ihm Satz, denn ich weiß noch nicht, inwiefern ich ihr trauen kann. "Nein."
Ihr Blick ist nach wie vor auf mir und sie macht den Anschein, als würde sie direkt in meine Seele schauen. "Oh, verdammt girl. Du bist echt ziemlich bad", lacht sie und wir setzen unsere Bewegung fort.
"Was? Warum?", starre ich sie an.
"Naja, you two are doing the dirty."
"Ich habe doch gesagt..", sie unterbricht mich. "Vergiss es. Ich habe dich schon durchschaut und verdammt, ich kann es dir nichtmal verübeln. Ich ziehe höchstpersönlichen meinen Hut vor dir", zieht sie in der Tat einen imaginären Hut von ihrem Kopf.
Ich mag sie jetzt schon.
In solchen Zeiten im Leben erfährt man, wer die richtigen Freunde sind und wer nicht. Karma erledigt den Rest.

Schweigsames VerlangenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt