Cleo textet mich in der Mittagspause zu, aber ich kann mich nicht drauf konzentrieren, was sie sagt. "Erde an Flo. Hörst du mir überhaupt zu?", stupst sie mich leicht an.
Ich komme wieder zurück in die Realität. "Sorry, wenn ich ehrlich bin. Nein."
"Naja, wenigstens bist du ehrlich. Ich habe dir ja nur mal nebenbei erzählt, dass ich jetzt mit Logan zusammen bin", sagt sie. Mir fällt die Nudel wieder aus dem Mund heraus. "Was?"
Sie nickt nur glücklich und ich hoffe inständig für Logan, dass er sie gut behandelt, sonst bringe ich ihn definitiv um. "Oh mein Gott, Cleo. Das freut mich wahnsinnig. Aber wie?" Cleo erzählt mir die gesamte Geschichte und ich nicke immer ein paar Mal.
Sie sieht so glücklich aus und ich gönne es ihr. Kurz darauf kommt Logan und stellt sich hinter sie und gibt ihr einen kleinen Kuss auf die Wange. Die Beiden sind schon sehr süß zusammen. Das muss ich zugeben, auch wenn ich gerade keine glücklichen Paare um mich herum haben kann. Nur, weil du unglücklich verliebt bist und es wahrscheinlich auch bleiben wirst, flüstert mir mein Gewissen zu. Ich hasse meine große Klappe sowieso schon, aber mein Unterbewusstsein killt mich.
"Ich lasse euch dann mal alleine", zwinkere ich Cleo zu. Sie sieht mich gar nicht weiter an, da sie nun an Logans Lippen hängt.
Ich rolle spaßeshalber mit den Augen und gehe dann in den Unterricht. Mathematik bei Mr. fucking Lancaster. Es könnte keine bessere Art geben, diesen Tag zu beenden.
Zu meiner Überraschung haben wir eine Vertretung, da sich Mr. Lancaster heute krank gemeldet hat. Das ist verdammt komisch, denn normalerweise fehlt er nie, es sei denn, er will mir aus dem Weg gehen. Was ich ihm nicht verübeln kann und ich eigentlich ganz froh darüber bin, dass er heute nicht da ist und ich ihm nicht unter die Augen treten muss.
Seit der Nachhilfestunde komme ich schon viel besser mit und es interessiert mich nicht wirklich über was Mrs. Lauren spricht.
Ich schaue mich im Raum um und bemerke, dass alle, vor allem die Mädchen, viel konzentrierter sind, wenn Josh nicht da ist. Auch das kann ich niemandem verübeln, denn sind wir mal ehrlich, er ist der heißeste Lehrer, den ich je gesehen habe.
Als die Stunde vorbei ist, fahre ich auf dem direkten Weg nach Hause und zu meiner Überraschung steht der Wagen meiner Eltern noch nicht in der Garage. Dann habe ich noch ein paar Stunden Zeit, um mich zu regenerieren.
Ich muss unbedingt diesen Tag gestern vergessen. Gerade als ich mich auf die Couch legen will, klingelt es an der Tür.
Vielleicht haben Mom und Dad mal wieder die Hände voll und ich muss ihnen die Tür aufmachen.
Angestrengt stehe ich auf und stöhne bei jedem Schritt. Ich fühle mich so ausgelaugt, dabei ist heute nicht wirklich etwas Spannendes passiert.
Durch die großen Fenster neben unserer Tür sehe ich eine Silhouette stehen und erkenne sofort, wer es ist. Josh ist hier. Vielleicht kann ich einfach so tun, als wäre ich nicht da. Dann geht er womöglich einfach wieder.
Er klingelt erneut und klopft gegen die Tür. "Florence, öffne die Tür. Ich weiß, dass du da bist. Ich habe dein Auto gesehen", ruft er und ich weiß genau, dass er sich eben in diesem Moment durch sein dickes Haar fährt.
Ich beiße mir auf die Lippen, bevor ich tief durchatme und anschließend die Tür öffne. "Hey", sage ich trocken. Ich bitte ihn nicht einmal hinein, denn ich habe keine große Lust auf ihn. "Hey." Er schaut mich einfach nur an und ich rolle mit den Augen.
"Was wollen Sie?", frage ich ihn leicht genervt. Er stolpert etwas zurück, als hätte ich ihn gestoßen. Als er sich wieder im Griff hat, lacht er. "Das ist keine besonders nette Art Ihren Mathelehrer zu grüßen." Denkt er im Ernst, dass er witzig ist? Wartend und mit meinen Armen vor dem Körper verschränkt, tappe ich mit dem Fuß auf den Boden.
"Ich wollte eigentlich nur sagen, dass wir einfach so tun, als wäre gestern nicht passiert. Ich will nicht, dass in irgendeiner Weise böses Blut zwischen uns ist. Für mich hatte es keinerlei Bedeutung und ich denke, für dich auch nicht. Das sollte es auch nicht." Er wirkt nervös und knackst mit den Fingern. So habe ich ihn noch nie gesehen.
"War's das? Denn ich habe tatsächlich, Besseres zu tun, als mir das Gleiche wie immer anzuhören", rolle ich mit den Augen, wie zum hundertsten Mal an diesem Tag. Er schluckt und nickt nur, bevor er sich zum Gehen wendet.
Ich lasse ihn, denn obwohl es nicht so sein sollte, aber sein Satz, dass es für ihn keinerlei Bedeutung gehabt hat, trifft mich bis ins Mark.
Den ganzen Abend liege ich auf der Couch und habe keinerlei Energie.
Ich betreibe keine großartige Kommunikation mit meinen Eltern, als sie wieder nach Hause kommen. Das Einzige, das ich tue, ist mich von der Couch in mein Bett zu schleppen.
Dort brechen die Tränen aus mir heraus und ich schlafe schließlich weinend ein.
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Schweigsames Verlangen
RomanceFlorence genießt in ihrem Leben und auch an ihrer neuen Schule eine Menge Aufmerksamkeit vor allem von Seiten der Jungs. Sie war noch nie wirklich interessiert an irgendwelchen Bekanntschaften. Doch dann trifft sie diesen einen Typen, der sie zum Sc...
