Kapitel 54

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"Was ist hier los?", frage ich nach wie vor verwirrt und blicke zwischen den beiden hin und her.
Josh faltet die Hände auf der Kücheninsel und sieht mich nicht an.
"Setz dich doch", sagt meine Mom und deutet auf einen der Barhocker. "Willst du einen Kaffee?" Ich lache etwas. "Ich will erstmal wissen, was hier los ist", sage ich und werde etwas wütend. "Oh nein. Wollt ihr ihm schon wieder Geld anbieten, dass er mich in Ruhe lässt? So läuft das nämlich nicht, denn dieser Mann da drüben", deute ich auf Josh, "ist der Mann, den ich liebe, ob ihr das wollt oder nicht. Er ist der Einzige, der mich auf dieser beschissenen Welt versteht und mich nicht benutzt, als wäre ich ein beschissener Gegenstand, mit dem man Sex hat und den man dann wieder wegschickt, wenn man sie durchgenommen hat." Mir steigen die Tränen in die Augen. Doch ich bin noch nicht fertig.
"Ich habe es versucht. Ich habe wirklich versucht, ihn zu vergessen und mich von ihm fernzuhalten, aber es geht nicht. Ich liebe ihn zu sehr, als dass ich ihn jemals wieder gehen lassen werde. Ich weiß, dass das wahrscheinlich nicht in eure Köpfe geht, aber eigentlich solltet ihr beide genau wissen, dass es sehr wohl diese Anziehung zwischen zwei Leuten gibt, die niemals jemand durchbrechen kann und ich denke, dass Josh diese Person für mich ist", schreie ich mittlerweile und bin außer Puste.
Meine Mutter, Josh und sogar mein Vater sitzen mit geöffnetem Mund vor mir. "Ist das wahr?", fragt mein Dad nach einer Weile. "Es ist alles wahr und ich bin es leid, euch immer weiter anzulügen", schluchze ich.
Meine Mutter kommt auf mich zu und zieht mich auf einen der Stühle direkt neben Josh. "Wieso hast du nicht mit uns gesprochen?", schluchzt auch sie.
Ich zucke mit den Schultern. "Ich habe das noch nie jemandem erzählt und hatte es auch eigentlich nicht vor. Der Einzige, der das jemals mitbekommen hat, sitzt euch gegenüber", blicke ich Josh an. Er sitzt nach wie vor da wie gelähmt. Ich kann es ihm nicht verübeln, denn das war ganz schön viel von meiner Seite aus.

Es vergehen fünf Minuten, in denen keiner etwas sagt und es komplett still ist. Jetzt bricht mein Vater das Schweigen. "Florence, wir akzeptieren es. Josh", blickt er zu ihm herüber, "ist heute Morgen extra vorbeigekommen, um mit uns zu reden deinetwegen. Er hat sich Sorgen gemacht um dich und ich denke, wir haben jetzt endlich verstanden, dass es euch wirklich ernst ist miteinander und ich beziehungsweise wir wollen nur, dass du glücklich bist." Ich bin sprachlos. "Ihr akzeptiert es?", sage ich mit offenem Mund. Ich schüttle mich und dann wende ich mich an Josh. "Du bist extra deswegen hierher gekommen, obwohl die Gefahr bestand, dass mein Vater dein Leben kaputt machen könnte? Meinetwegen?", beginne ich schon wieder das Weinen.
Er nickt und atmet schwer aus. "Ja, siegt ganz so aus", reibt er sich über den Nacken. Ich drücke seine Hand unter dem Tisch und er lässt sie nicht los. Im Gegenteil, er umklammert sie, als würde er mich nie wieder gehen lassen wollen und mir geht es genauso.
"Wollen wir vielleicht heute Abend das Abendessen nachholen, das letztes Mal vielleicht etwas unglücklich ausgegangen ist?", fragt meine Mutter zögerlich.
Josh und ich nicken gleichzeitig. "Danke für die Einladung. Ich würde euch gerne besser kennenlernen", blickt Josh erst nervös in meine Richtung, als würde er um meine Einwilligung bitten. Ich nicke und lächle und seine Haltung entspannt sich automatisch.

Josh und ich gehen nach dem Essen in mein Zimmer und ich schließe die Türe. "Ich fasse es nicht, dass du das gemacht hast. Wieso? Bist du irgendwie lebensmüde?", starre ich ihn an.
Er schüttelt den Kopf und kommt auf mich zugelaufen. "Du bist der Grund und du wirst für mich immer der eine Grund für mich sein, mein ganzes Leben zu riskieren", flüstert er und ich lächle. Er blickt mir tief in die Augen.
Sein Mund ist nur noch wenige Zentimeter von meinem entfernt. "Du bist der einzige Grund, warum ich in Liebe vertraue." Mit diesem Satz schließt er die letzte Lücke zwischen uns.

Schweigsames VerlangenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt