Kapitel 12

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Heute sehe ich ihn wieder.
Ich springe aufgeregt aus meinem Bett und renne runter in die Küche. "Hey, Spätzchen. Ich habe Rührei gemacht. Willst du auch was haben?", fragt mich mein Dad und lächelt in meine Richtung. Ich bin viel zu nervös, um irgendetwas zu essen. Cleo muss unbedingt vorbeikommen zwecks meines Outfits, denn heute muss alles sitzen.
"Flo?" Meine Mom streichelt mir über den Arm und holt mich aus meiner Starre zurück in die Gegenwart. "Äh ja, also nein. Ich habe keinen Hunger. Ich gehe dann mit Cleo shoppen, wenn das okay ist. Heute Abend ist doch die Party in der Schule und ich brauche noch dringend ein neues Outfit." Ich gehe schnell zur Kaffeemaschine hinüber und hole mir auf dem Weg dahin eine Tasse aus dem Schrank.
Ich gieße mir schnell einen Kaffee ein und verschwinde in meinem Zimmer.

"Klar. Du weißt, dass ich bei shoppen immer dabei bin. Da musst du mich nicht zweimal fragen", ertönt die Stimme meiner, mittlerweile, besten Freundin aus dem Hörer. "Perfekt. Ich hole dich in einer halben Stunde ab." Mit diesem Satz beende ich unser Gespräch und lege auf.
Rasch lege ich mir etwas Make-up auf und ziehe mir eine enge Jeans und dazu ein Croptop an.

Cleo steht pünktlich vor der Haustür und ich winke ihr kurz, bevor ich vor ihren Füßen stehen bleibe.
Sie steigt euphorisch ein. "Oh mein Gott. Dieses Auto ist ja der absolute Wahnsinn. Seit wann hast du das?" Cleo fährt mit ihren langen Fingernägeln über das Armaturenbrett. "Ich habe es schon seit ich einen Führerschein habe, aber ich bin bisher echt selten damit gefahren. Bis jetzt, schätze ich", lache ich und biege in den laufenden Verkehr ein.
Wir fahren am London Eye vorbei und endlich sehe ich auch mal etwas von meiner neuen Heimat. Bisher habe ich noch nicht viele Eindrücke von London sammeln können, aber das hole ich jetzt mit Sicherheit nach. Die Bäume blühen wieder und es wird alles langsam grüner und ich bin verdammt froh darüber. Alles ist einfach so viel schöner.

Als wir im Westfield London ankommen, einem riesengroßen Einkaufszentrum mit hunderten von Geschäften, zerrt mich Cleo direkt zu ihrem Lieblingsladen.
Die Kleider sind wahnsinnig teuer, aber gut, dass Geld in meiner Familie keine Rolle spielt. "Probier das mal an", strahlt Cleo mich von der Seite an, während ich durch die Reihe gehe und mir die verschiedensten Kleider anschaue. Cleo hält mir ein kurzes schwarzes Kleid vor die Nase. Es ist wunderschön und hat ein paar Perlen um den Ausschnitt, der ziemlich gewagt ist. "Ich weiß nicht. Denkst du nicht, dass das vielleicht ein bisschen zu viel ist für eine Schulveranstaltung?" Ich schaue sie verwirrt an. Sie schüttelt nur den Kopf. "Wow. Manchmal vergesse ich, dass du noch nicht lange hier lebst. Vertrau mir, du wirst wahrscheinlich noch etwas legeres anhaben im Gegensatz zu den Anderen dort. Und jetzt keine Widerrede und ab in die Umkleidekabine mit dir", zeigt sie hinter sich und setzt ein gespielt böses Gesicht auf. Ich muss lachen und schnappe mir das kurze Schwarze und laufe damit direkt zur Kabine hinüber.

Als ich in den Spiegel schaue, kann ich es nicht fassen, dass das im Spiegel tatsächlich ich bin. Das Kleid passt wie angegossen und meine üppige Brust kommt sehr gut zur Geltung.
Als ich aus der Umkleidekabine heraustrete, schaut Cleo auf ihr Handy. Ich räuspere mich kurz und ihr Blick trifft sofort auf mich. Sie starrt mich an und schlägt die Hand auf ihren Mund. "Gott, Flo. Du siehst mega krass aus. Das Kleid passt perfekt. Ich würde sagen, wir haben es." Sie springt auf und klatscht aufgeregt in die Hände. Ich lache und pose noch ein bisschen, bis ich das Kleid schließlich wieder ausziehe und wir beide zur Kasse gehen. 500 Pound, nicht gerade billig, aber man muss Opfer bringen.

Wir fahren zu Cleo nach Hause und sie schnappt sich ihr Kleid und ihre Schminksachen und fährt dann direkt mit zu mir.
Wir machen uns gegenseitig fertig und helfen uns mit unserem Make-up. Ich bin tatsächlich ein bisschen stolz auf den Lidstrich, den ich Cleo verpasst habe. Aber sie hat definitiv auch gute Arbeit geleistet. Meine Haare fallen in großen Beachwaves über meine Schultern und mein Augenmakeup bringt meine blauen Augen zum Strahlen.
Als wir die Treppe hinunterlaufen strahlen Mom und Dad uns an. "Ihr seht super aus, Mädels", sagt mein Dad und holt sein Handy aus seiner Hosentasche. "Ich mache schnell ein Foto von euch beiden. Das ist schließlich deine erste Party hier." Wir stellen uns nebeneinander und lächeln in die Kamera.
"So wir müssen jetzt aber los. Hab euch lieb", sage ich, während ich Cleo hinter mir herziehe. "Viel Spaß, Spatz. Wir dich auch", rufen uns beide synchron hinterher.

Schweigsames VerlangenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt