Kapitel 9

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"Mr Rockford, haben Sie die Dame eben nicht gehört? Sie möchte das nicht und ich bitte Sie darum, ihrer Bitte nachzugehen und augenblicklich aufzuhören." Mr. Lancaster hat sich vor Tyler aufgebaut und schaut ihn bedrohlich an, während er nach wie vor seine Hand festhält. Er presst den Kiefer aufeinander und drückt seine Hand noch etwas mehr.
"Sorry, Mr. Lancaster. Ich wusste nicht, dass Sie jetzt der Schlampenbeauftragte sind", lacht Tyler, lässt aber mein Bein los.
"Noch so ein Verhalten und es wird Konsequenzen geben, Mr Rockford. Sie dürfen gehen." Mr. Lancaster nickt in Richtung der Mensatür, durch die Tyler im nächsten Moment verschwindet. Ich kann die Tränen nicht länger zurückhalten und beginne, zu schluchzen.
Mr. Lancaster steht etwas hilflos vor mir und sieht mir zu, wie ich weine. "Kann ich Ihnen irgendwie helfen, Ms Almond?", fragt er nervös. Ich schüttle nur den Kopf. "Sie haben mir schon genug geholfen. Danke, Mr. Lancaster." Meine Stimme zittert und ich stehe mit dem Kopf nach hinten gelehnt an einem der Spinde. Wieso sieht ausgerechnet er mich in so einem Moment?
"Sind Sie sicher, dass ich Sie nicht zur Krankenschwester bringen soll? Sie sehen etwas bleich aus."
"Nein, schon gut. Vielen Dank." Ich kann mich nicht bewegen und mir wird etwas schwummrig, bis ich schließlich nichts mehr sehe außer Dunkelheit.

Als ich wieder zu mir komme, wache ich im Schwesternzimmer auf und starre an die weiße Decke über mir. Langsam setze ich mich auf und die Krankenschwester kommt auf mich zugeeilt. "Langsam, Ms. Sie waren gerade ohnmächtig und es könnte sein, dass Sie erneut umkippen", sagt sie in einem lieben Tonfall.
Ich lege mich langsam wieder hin und blicke in Richtung der Krankenschwester. "Was ist passiert", frage ich leise. "Sie sind zusammengebrochen und Mr. Lancaster hat Sie sofort hierher getragen." Mr. Lancaster hat mich getragen? Sofort wird mein Gesicht rot und ich denke an seine starken Arme, die meinen zierlichen Körper umgeben und tragen. "Ich habe Ihre Eltern benachrichtigt. Sie sollten jeden Moment hier sein und Sie abholen."
"Vielen Dank."

Ich höre die Stimme meiner Mutter, die sich aufgeregt draußen auf dem Gang unterhält. Mit wem redet sie nur?
Ich beschließe, langsam aufzustehen und in Richtung der Tür zu gehen.
Als ich die Tür öffne, erkenne ich sofort meine Mutter und neben ihr Mr. Lancaster. Er sieht etwas besorgt aus. Doch sein Gesichtsausdruck wird freundlicher, als er sieht, dass es mir wieder gut geht. "Vielen Dank, Mr. Lancaster", gebe ich kleinlaut von mir. "Das ist selbstverständlich, Ms Almond", entgegnet er mir mit einem kleinen Schmunzeln. Ich erwidere dieses Schmunzeln und wir schauen uns ein paar Sekunden nur in die Augen.
Meine Mutter räuspert sich und sofort bin ich wieder in der Realität angekommen. "Können wir gehen, Spatz?"
"Klar. Ich muss mich nur noch im Sekretariat befreien für die restlichen Stunden."
"Das hat Josh bereits erledigt", sagt sie und lächelt Mr. Lancaster oder besser gesagt Josh freundlich an. Ich nicke nur und meine Mutter legt mir einen Arm um die Taille, als wir in Richtung Ausgang gehen.
Kurz vor der Tür drehe ich mich erneut um und sehe Mr. Lancaster nach wie vor dort stehen. Ein kleines Lächeln umspielt meine Lippen und zu meiner Überraschung erwidert es, bevor er sich zum Gehen wendet.

Josh. Was ein passender Name für einen so attraktiven Mann. Josh Lancaster. Ich habe das Gefühl, dass mich dieser Name noch länger verfolgen wird.

Schweigsames VerlangenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt