Der Rest von meinem Sonntag verläuft relativ entspannt und ich telefoniere nur mal kurz mit Cleo und anschließend mit James, der es natürlich schafft, mich sofort wieder zum Lachen zu bringen.
Dennoch habe ich ein schlechtes Gewissen, da ich ihn fast betrogen habe, naja beziehungsweise habe ich ihn ja eigentlich schon betrogen. Verdammt. Ich bin kein bisschen besser als die Typen, die ich so verabscheue. Ich muss mir ein für alle Male Mr. Lancaster aus dem Kopf schlagen.
Vor dem Einschlafen denke ich nur an James und das beruhigt mich etwas, bis ich schließlich friedlich einschlafe.
Mein Wecker bringt mich um. Ich drücke schnell auf die Schlummertaste und döse noch ein paar Minuten weiter, bevor ich aufstehe und mir mühsam meine Schuluniform anziehe.
Apropos Schuluniform, von der habe ich übrigens auch echt die Schnauze voll. "Wer hat sich diese Scheiße nur ausgedacht?", fluche ich in mich hinein.
Ich bemerke nicht, dass meine Mutter in meinem Türrahmen steht und erschrecke, als sie sich räuspert. "Oh man, Mom. Du hast mich erschreckt", fasse ich mir ans Herz und sie lacht.
Sie kommt zu mir herübergelaufen und stellt sich neben mich vor den Spiegel. "Also ich finde ja, du siehst mit dieser Uniform zum Anbeißen aus", sagt sie fröhlich und ich stoße ihr als Antwort leicht lachend gegen ihre Hüfte.
Ich liebe meine Mom, denn sie weiß immer genau, wann sie was sagen soll, und das schätze ich sehr an ihr.
Ich verzichte auf das Frühstück und fahre direkt in die Schule. Zu meinem Glück biegt genau hinter mir eine schwarze E-Klasse auf den Schulparkplatz ein und er stellt sich neben mich, da genau noch zwei Parkplätze frei sind.
Hatte er heute wirklich keiner Lust, Schule zu schwänzen? Genervt steige ich aus meinem Auto, ohne nach links und rechts zu schauen.
Mr. Lancaster sagt nichts zu mir und folgt mir nur in das Gebäude hinein. Ich spüre seine Präsenz, als er hinter mir die Treppe hinaufgeht, und das sendet ein Kribbeln durch meinen ganzen Körper, obwohl ich nicht mal sein Gesicht sehe.
Plötzlich spüre ich starke Arme, die um mich herum geschwungen werden. "Hey, Baby", holt mich James aus meiner Schockstarre und ich lächle ihn an, ohne etwas zu sagen. Mr. Lancaster geht an uns vorbei, ohne sich nochmal nach uns umzudrehen, und verschwindet direkt in unserem Mathezimmer.
"Wie lange hast du heute Unterricht?", fragt James mich.
"Ich habe heute tatsächlich mal nur sechs Stunden und du?", lächle ich ihn breit an.
"Ich auch. Die letzten beiden Stunden fallen aus, weil der Sportlehrer auf irgendeiner Fortbildung ist", sagt er. Als ich nicht antworte, fügt er noch etwas hinzu. "Wollen wir heute Nachmittag was unternehmen? Wir könnten schwimmen gehen oder so?"
Ich nicke. "Ja klar, das wäre toll. Wir treffen uns nach der Schule draußen?" James nickt und drückt mir einen Kuss auf den Mund und geht dann die Treppen nach unten ins Erdgeschoss.
Ich habe noch genau fünf Minuten, bis ich bei Mr. Lancaster sein muss.
Also beschließe ich, noch schnell auf die Toilette zu gehen und mich auf den Schock, der mich sicherlich gleich erwartet, vorzubereiten.
Als ich aus der Toilette komme, sehe ich schon wieder Joshs Hand am Türgriff und ich renne auf ihn zu. "Warten Sie", rufe ich und lege noch einen Gang zu. Er schaut aus der Tür und rollt wie so oft mit seinen Augen.
Heute bekomme ich tatsächlich nicht mal einen dummen Kommentar ab und auch im Unterricht behandelt er mich, als wäre ich Luft. Aus irgendeinem Grund nervt es mich und ich denke die ganzen zwei Stunden darüber nach, warum er so ist, wie er gerade ist.
Die Schulglocke klingelt und ich packe langsam und träge meine Sachen zusammen.
Als ich wieder nach oben schaue, erwarte ich, dass alle schon aus dem Klassenzimmer raus sind, aber zu meiner Überraschung sehe ich nur Mr. Lancaster, der vor seinem Pult steht und die Arme verschränkt hat.
Ich blicke zur Tür, die bereits geschlossen ist. Ich habe keine Ahnung, was er von mir will.
Also setze ich mich in Bewegung und gehe an ihm vorbei, bis er mich, wie so oft schon, am Arm packt und mich zu sich herumwirbelt.
Diesmal wehre ich mich nicht dagegen, denn ich brauche keine weitere Aufmerksamkeit von anderen Schülern.
"Findest du das eigentlich witzig?", unterbricht er meine Gedanken und schaut mich finster an. Ich weiß nicht, was er meint und schaue ihn nur ratlos an. "Was meinen Sie?"
Er deutet mit seinem Kopf in Richtung der Tür. Ich verstehe nur Bahnhof und zucke mit den Schultern. "Deine kleine Show mit James vor mir. Du wirst es nicht schaffen, mich damit eifersüchtig zu machen", presst er zwischen den Zähnen hervor. Jetzt bin ich langsam genervt. "Das ist keine Show, Mr. Lancaster. Das ist mein Freund und ich bin zufällig in einer glücklichen Beziehung", gebe ich trotzig zurück. Was bildet sich dieser Idiot überhaupt ein, sich ein Urteil über mich und meine Beziehung zu fällen?
Sofort lässt er meinen Arm los. Doch er geht nicht weg wie beim letzten Mal, eher im Gegenteil, er baut sich vor mir auf und starrt mich wütend an.
DU LIEST GERADE
Schweigsames Verlangen
RomanceFlorence genießt in ihrem Leben und auch an ihrer neuen Schule eine Menge Aufmerksamkeit vor allem von Seiten der Jungs. Sie war noch nie wirklich interessiert an irgendwelchen Bekanntschaften. Doch dann trifft sie diesen einen Typen, der sie zum Sc...
