Kapitel 17

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Als ich nach Hause fahre, mache ich noch einen kleinen Zwischenstopp bei Starbucks. Ich habe total Lust auf einen Iced Coffee und den brauche ich auch nach dem Schock mit Josh.
Ich muss mir echt abgewöhnen, ihn Josh zu nennen, sonst rutscht mir das noch aus Versehen in der Schule raus oder vor ihm. Ich glaube nicht, dass er davon allzu begeistert wäre, weil er ja immer jeden Schüler so förmlich anredet. Ich verstehe den Kerl nicht. Er ist zwar der jüngste Lehrer an der Schule, aber bemüht sich immer, förmlich mit allen zu reden.
Dank dem ganzen Trubel mit Josh, äh Mr. Lancaster, bin ich in Mathe total hinterher. Ich verstehe gar nichts mehr.
Ich hoffe, dass Cleo mir weiterhelfen kann, nicht, dass ich den Anschluss komplett verliere.

Meine Mom und mein Dad stehen vor der Tür und winken, als sie meinen weißen BMW um die Ecke biegen sehen. Ich winke ihnen zurück und parke das Auto direkt vor der Haustür. Das kann ich später immer noch in die Garage fahren. "Hey, Flo. Wie war dein Schultag?", strahlt mich meine Mom an, während mein Dad den Wagen aus der Garage fährt. "Wie immer würde ich sagen. Ich muss jetzt unbedingt mit Cleo telefonieren. Irgendwie hänge ich derzeit in Mathe etwas hinterher und das kann ich mir auf keinen Fall erlauben, wenn ich auf ein gutes College gehen will."
Ich befinde mich schon auf dem Weg nach innen. Da höre ich meinen Dad hinter mir. "Josh ist doch dein Mathelehrer. Vielleicht solltest du ihn fragen, ob er dir Nachhilfe geben kann. Immerhin weiß er am besten, was du wissen und können musst", lächelt mein Dad. Ich weiß, dass er es nur gut meint, aber Privatnachhilfe mit Mr. Lancaster? Das kann nicht gut enden. Davon bin ich überzeugt.
Ich schüttle den Kopf. "Ich frage erstmal Cleo. Sie nehmen ja schließlich den gleichen Stoff durch wie wir."
"Dein Vater hat schon recht. Josh ist schließlich dein Mathelehrer. Frag ihn am besten morgen in der Schule gleich mal", schaltet sich jetzt meine Mom ein. Na toll. Aus der Sache komme ich wohl nicht so schnell wieder raus. Ich hätte auch einfach mal meinen Mund halten können.
Ich nicke resigniert und schlurfe ins Haus.

Da meine Eltern weg sind, lade ich Cleo und die anderen Mädels zu mir ein. Ich brauche dringend einen Mädelsabend.
Als es an der Tür klingelt, springe ich die Stufen hinunter und öffne sie. Cleo, Ashley und die Anderen strahlen mich an. "Hey, bitch", ruft Cleo und fühlt sich schon wie zuhause. Sie zieht die Schuhe aus und geht direkt ins Wohnzimmer, um den Fernseher anzuschalten.
Die anderen Mädels lachen nur. "Echt cool, dass wir vorbeikommen konnten, Flo", umarmt mich Ashley. Sie ist zwar nicht so eine enge Freundin wie Cleo für mich, aber dennoch habe ich sie jetzt schon sehr gerne.
Wir unterhalten uns ein wenig und beschließen dann, Wahrheit oder Pflicht zu spielen. "Ich habe dieses Spiel das letzte Mal vor zwei Jahren gespielt. Ist das nicht eher was für Kinder?", lache ich und nehme einen Schluck aus meinem Wasserglas.
"Dann hast du sicherlich noch nicht mit uns gespielt, Flo." Mir gefällt der Tonfall in Cleos Stimme nicht, aber ich willige dennoch ein. Mal schauen, was mich jetzt wohl erwartet.
"Wahrheit oder Pflicht", fragt Ashley und schaut mich direkt an. Ich bin jetzt schon überfordert. "Wahrheit, schätze ich." Ich zucke mit den Schultern. Cleo schnaubt. "Du Spaßbremseeee." Ich gebe ihr einen leichten Stoß gegen die Schulter und sie lacht. "Mit wie vielen Typen hast du schon geschlafen?" Ich hasse diese Frage. Ich kann ehrlich gesagt, nicht mal zählen, mit wie vielen Typen ich schon Sex hatte. Irgendwann habe ich den Überblick verloren.
"Vielleicht fünfzehn", gebe ich geschlagen zu. Alle schnauben nach Luft und starren mich mit offenem Mund an. "Schaut mich nicht so an. Meine Jugend war etwas wild", lache ich. Damit habe ich den Moment des Erstarren gelockert und alle steigen mit ein.

Die nächsten Runden waren relativ unspektakulär. Cleo musste mit Ashley rumhauen und Elle musste ihre peinlichste betrunkene Geschichte erzählen.
Schon wieder bin ich an der Reihe. "Pflicht." Mittlerweile bin ich etwas lockerer geworden und habe keine Angst mehr vor den Aufgaben. "Rufe deinen derzeitigen Schwarm an und treffe dich mich ihm. Muss nicht heute sein, aber du kannst dir die Pflicht ja auch für morgen aufheben. Wir vergessen das auf jeden Fall nicht, oder Mädels?" Alle Mädchen nicken. Okay vor dieser Aufgabe habe ich Angst. "Ich habe momentan keinen Crush. Sorry Mädels", sage ich und schaue auf den Boden. Ich hoffe echt, dass sie mir das abkaufen. Naja, eigentlich ist es ja keine Lüge, denn ich habe keinen Schwarm. Oder?
Sofort taucht das Bild von Mr. Lancaster in meinem Kopf auf und ich schüttle mich.
Die Mädels geben sich mit der Antwort zufrieden und ich muss als Strafe für meine unerfüllte Pflicht, einen Shot Wodka trinken. Das nehme ich auf jeden Fall in Kauf dafür.

Es ist bereits 22 Uhr, als meine Freunde endlich gehen und ich falle erschöpft in mein Bett.
Ich habe keine Lust auf Morgen. Ich will Mr. Lancaster nicht fragen wegen der Nachhilfe, aber ich glaube ich habe keine andere Wahl, denn meine Eltern werden damit definitiv nicht locker lassen. Vor allem wenn es um meine Zensuren geht. Schließlich schlafe ich ein.

Schweigsames VerlangenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt