Kapitel 46

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Als ich die Treppe nach unten gehe, warten Mom und Dad in der Küche auf mich.
Ich komme lächelnd rein und setze mich an die Kücheninsel. Ich blicke zwischen den beiden hin und her. Irgendwie sind sie heute echt komisch. "Wir müssen für drei Wochen nach Washington, da ich dort ein Projekt von meiner Firma habe und das kann ich mir auf jeden Fall nicht entgehen lassen", sagt mein Dad, während er nach wie vor in der Zeitung blättert.
Mein Dad und seine Zeitung sind einfach unzertrennlich.
"Das ist doch kein Problem", sage ich und beiße in einen Apfel.
"Dann wärst du aber drei ganze Wochen alleine zuhause. Denkst du, das klappt?", fragt mich meine Mutter.
Ich nicke. "Klar, ich meine, ich kann ja ab und zu Olivia fragen, ob sie hier schläft. Dann bin ich nicht die ganze Zeit alleine. Macht euch bitte wegen mir keinen Stress", lächle ich. Oder ich schlafe einfach bei Josh. Ich habe mich eh schon in sein Haus verliebt, wenn ich ehrlich bin.
Sie strahlen mich beide an und nicken dann. "Wie war eigentlich dein Abend gestern? Du hast gar nicht zuhause geschlafen, oder?", fragt mein Dad und schaut neugierig von seiner Zeitung auf.
Ich zucke mit den Schultern. "Der Abend war echt richtig richtig schön", sage ich beiläufig und versuche, die Gedanken an Josh und mein Autoabenteuer zu verdrängen. Ich werde rot und meine Mom sieht mich wissend an.
"Du wirst ja ganz schön rot. Hat das etwas mit einem Jungen zu tun? Hast du jemanden kennengelernt?", fragt sie an mich gewandt.
Ich lächle in mich hinein. "Könnte sein", gebe ich zu und bete, dass sie keine weiteren Fragen stellen, denn ich muss erstmal selbst wissen, was das mit Josh ist, bevor ich es meinen Eltern erklären kann.
"Na, ich hoffe, dass wir den jungen Mann mal kennenlernen. Vielleicht wenn wir wieder da sind?" Ich kann ihr das einfach nicht abschlagen, nicht wenn sie so schaut.
Ich nicke und hoffe, dass die drei Wochen sich ein bisschen länger ziehen und sie es bis dahin wieder vergessen haben.

Als ich wieder oben in meinem Zimmer bin, hole ich mein Handy aus der Tasche und sehe eine neue Nachricht von Josh.

Wir gehen heute Abend essen. Hast du Lust mitzukommen? Ich glaube, deine Freundin Olivia ist auch dabei.

Ich tippe schnell meine Antwort ein. Natürlich habe ich Lust auf ein Date mit diesem Adonis.
Ich habe so lange mit meinen Eltern geredet, dass ich jetzt gerade einmal noch eine Stunde Zeit habe, um mich fertig zu machen.
Josh steht pünktlich um 18 Uhr vor meiner Haustür und begrüßt mich mit einem Kuss.
Als wir zum Auto laufen, dreht er sich kurz zu mir um und lächelt mich einfach an.
Ich nehme im Auto auf dem Beifahrersitz Platz und erschrecke, als mich eine Hand von hinten berührt. Ich drehe mich ruckartig um und sehe Olivia. "Oh mein Gott", fasse ich mir ans Herz und lache. "Also irgendwann bekomme ich nochmal einen Herzinfarkt wegen dir."
"Dafür bin ich bekannt", lacht sie.
Neben ihr sitzt Jack und sieht zwischen uns beiden hin und her. Er winkt mir kurz und nimmt dann Olivias Hand. Ich muss lächeln und drehe mich um.
Als Josh einsteigt, werfe ich ihm einen 'Okay, damit habe ich nicht gerechnet'-Blick zu und er lacht schulterzuckend in sich hinein.
Auf dem Weg unterhalten wir vier uns über alles Mögliche und ich genieße die Zeit in dieser Konstellation echt sehr.
Hin und wieder legt Josh seine Hand auf mein Bein, als ich heiter mit Jack und Olivia quatsche. Es könnte gerade nicht besser sein.

Vor dem Restaurant hilft Josh mir und Jack Olivia aus dem Auto.
Olivia und ich gehen zusammen zum Eingang. "Wir haben uns ja echt die perfekten Gentlemen rausgesucht", flüstert sie mir zu und ich nicke schnell.
Innen bestellen wir unser Essen. Josh entscheidet sich für Meeresfrüchte, Olivia nimmt die Lasagne, bei der sich Jack anschließt, und ich nehme Spaghetti Carbonara.
"So, jetzt erzählt doch mal, wie das", zeigt Josh auf Olivia und Jack, "zustande gekommen ist." Ich nicke eifrig und drücke unter dem Tisch Joshs Bein.
Olivia lässt Jack den Vortritt. "Ähm, also ja. Wir haben uns halt irgendwie gut verstanden. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich..", stottert er und Olivias Augen werden groß. "Das ist jetzt total bescheuert, aber ich glaube, dass ich, obwohl wir uns erst seit gestern kennen, in ihr so etwas wie meine Seelenverwandte gefunden habe", den letzte Teil des Satzes flüstert er beinahe.
Olivias Augen strahlen mit jedem Wort, das aus seinem Mund kommt, mehr. Ich gönne es ihr so sehr. Wer hätte das gedacht?
Olivia nimmt Jacks Hand unter dem Tisch und drückt ihm einen Kuss auf die Wange. Ich habe schon die ganze Zeit ein Dauerlächeln auf den Lippen. "Also ich find's cool", schaltet sich jetzt Josh zu meiner Rechten ein und nimmt einen Schluck von seinem Gin Tonic.
Wir haben so ziemlich den gleichen Geschmack bei alkoholischen Getränken. Der einzige Unterschied ist, dass er seine Grenzen kennt und ich immer noch mit meinen zu kämpfen habe. Das Essen schmeckt super und wir trinken noch einen Absacker, bevor wir gehen.

"Wollt ihr noch mit zu mir kommen?", fragt Josh an Olivia und Jack gewandt. Die Beiden schauen sich gegenseitig an und nicken dann lächelnd. "Klar gerne, Josh", sagt Olivia und verzieht das Gesicht. "Also ich muss zugeben, dass es nach wie vor ultra komisch ist, dich Josh zu nennen. Ich meine, diese Woche warst du noch mein Lehrer." Ich lache.
"Ich glaube, dass das für Flo noch viel komischer gewesen sein muss, als sie das erste Mal miteinander bei ihr zuhause auf der Couch rumgemacht haben", lacht Jack und ich verschlucke mich beinahe an meiner eigenen Spucke.
Josh entgeht es selbstverständlich nicht. "Ich habe Jack alles erzählt", blickt mich Josh kurz an und sucht anscheinend nach meinem Einverständnis.
"Das ist kein Problem. Ich dachte nur nicht, dass das so bedeutsam für dich war, dass du es jemandem erzählst", sage ich leise. Außerdem würde ich gerne wissen, wie detailreich er es erzählt haben muss, wenn Jack sogar weiß, dass wir auf der Couch waren.
Jack lacht. "Wenn er mir nur von dir erzählt hätte, wäre das ja okay, aber er hat ja nur von dir geschwärmt die ganze Zeit. Echt anstrengend", sagt Jack und ich lache.
"Danke dafür, Bro. So genau muss sie das auch nicht wissen", rollt Josh mit den Augen.
Das ganze Auto beginnt, zu lachen und ich fühle mich auf einmal unheimlich geborgen in dieser Gesellschaft.

Schweigsames VerlangenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt