-Cassie-
Mit schwerem Atem rannte ich die steilen Stufen der Kellertreppe hinunter. Ein falscher Schritt und ich würde das letzte Stück hinabstürzen und im schlimmsten Fall meinen Kopf an der steinernen Kante aufschlagen. Für Vorsicht fehlte uns gerade aber die Zeit. Zögerlich hatten Delia und ich das unscheinbare Bauernhaus betreten und uns erst einmal versucht zurechtzufinden. Die Kellertreppe war bald gefunden und damit auch der Zugang zu jener Hölle, in der sich Bella gerade befand.
Ein irrer Dämon, der überall als der Sammler bekannt war, hielt sie hier in seinem Keller gefangen. Er plante, Bellas Dämonenkräfte zu stehlen, was tödliche Folgen für sie hätte. Ich musste nicht erklären, dass ich das auf keinen Fall zulassen würde! Delia und ich waren gekommen, um Bella zu retten und das würden wir auch! Obwohl Delia mich zur Vorsicht ermahnt hatte, war jegliches Zögern vergessen gewesen, als ich Bellas Schrei gehört hatte.
Bis hierhin war ihr schriller, angsterfüllter Schrei gedrungen und in dieser Sekunde hatte es für mich kein Halten mehr gegeben. Delia voraus war ich die Kellertreppe hinabgestürzt, bisher zum Glück, ohne mir den Schädel aufzuschlagen. Ich wusste nicht, was ich zu tun gedachte, wenn ich unten angekommen war, aber das war gerade zweitrangig. Vielleicht konnte ich es nicht mit den kampferprobten Dämonen aufnehmen, aber ich musste dringend zu Bella! Hoffentlich kamen wir nicht zu spät…
Endlich war ich am unteren Ende der Treppe angekommen und übersprang geschickt die letzten Stufen. Nur noch eine Tür trennte mich von Bella und ich war bereit, sie mit vollem Körpereinsatz einzurennen, falls sie verschlossen war. Doch das war gar nicht nötig. Die Klinke ließ sich herunterdrücken und ohne abzubremsen öffnete ich sie schwungvoll und fiel quasi in den Raum dahinter. Der Anblick überforderte mich haltlos.
Auch nach mehreren Sekunden wilden Herumschauens konnte ich nicht begreifen, was ich soeben sah. Als sich meine Augen an die dämmrigen Lichtverhältnisse gewöhnt hatten, fiel mein Blick sofort auf den reglosen Körper am Boden. Erschrocken sog ich die Luft ein, als ich den schwarzen Haarschopf erblickte, und war für eine grauenhafte Sekunde überzeugt davon, zu spät gekommen zu sein.
Dann erst fielen mir die Unstimmigkeiten auf. Die schwarzen Haare waren nicht lang genug, um Bella zu gehören, und auch die Kleidung und Statur passte nicht. Erneuter Schock ging durch meinen Körper, als ich erkannte, wer stattdessen dort, in einer immer größer werdenden Blutlache, lag. Ryan! Die Erkenntnis durchzuckte mich, als ich Ryan nun zweifellos identifizierte. War er…war er…tot…
Ich wagte es kaum, diesen Gedanken ernsthaft an mich heranzulassen. Nicht, dass ich Ryan sonderlich gemocht hätte. Ich hatte ihn nie wirklich leiden können und nach seinem Verrat müsste ich ihm den Tod eigentlich sogar wünschen. Dennoch war ich immer noch ein Mensch und ein rechtschaffender noch dazu. Ryan musste bestraft werden für seine Taten, das hatte er verdient, aber den Tod? Dieser Ausgang war selbst mir zu extrem.
Allerdings ließen seine Bewegungslosigkeit und die Menge an Blut keinen Zweifel zu. Ein weiteres Detail überzeugte mich dann restlos von seinem Tod. Nicht weit von Ryan lag ein undefinierbares Stück Fleisch auf dem Boden. Ich wollte gar nicht erst zu genau hinsehen, doch es war wie bei einem Autounfall: Man konnte nicht wegsehen. Also erkannte ich das Herz als das, was es war, und hatte damit die Bestätigung, dass Ryan tot war. Zumindest nahm ich an, dass Dämonen genauso wie Menschen mit herausgerissenem Herz nicht weiterleben konnten.
Ryan war tot und ich wusste nicht so recht, was das mit mir machte. Betrauerte ich ihn, oder war mir sein Ableben im Grunde gleichgültig? Vor allem verwirrte es mich, ihn hier tot liegen zu sehen. Wie hatte das passieren können? War Ryan nicht der geschätzte Diener von diesem Irren gewesen? Mir fehlte jedoch die Zeit, mich mit diesen Ungereimtheiten zu befassen.
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Verflucht - Der Todespakt
FantasyIn einer Welt, in der Menschen und Monster gleichermaßen leben, scheint es keinen Zweifel an der Zuordnung von "gut" und "böse" zu geben. Durch eine feste Grenze getrennt, führen Menschen und Dämonen eine weitestgehend friedliche Koexistenz, doch de...
