Kapitel 28;2 - Letzte Worte blinder Richter

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Sobald Rhun das Haus wieder verließ, fühlte sich alles unecht an.

Die Monster hockten auf den spitzen Dächern, versammelten sich auf den Straßen, schienen zu warten — eins lehnte sich sogar von einem Balkon herab, wie eine alte Frau, die über Kinder schimpfte.

»Kannst du?« Unüblich-besorgt wandte sich Harding zu Kenga um.

Der Nachtschwärmer nickte.
Beide tauschten noch einige kurze Sätze aus, doch diese waren irrelevant. Niemand schien zu verstehen, was gerade um sie herum geschah.

Glühende Panik explodierte in Rhuns Brust. Er setzte sich als erster in Bewegung. Verde blieb dicht neben ihm. Seine Schwerter waren mit gewundenen Lichtern versehen, die nicht ansatzweise stark genug waren, um sich in der Nacht zuerchtzufinden.

Der silberne Mond warf seine Strahlen über die Dächer — doch sie schienen nicht auf dem Boden anzukommen. Brus war selbst für die nächtlichen Stunden zu dunkel.

Rhun konnte seinen Blick nicht von den Dächern abwenden, wo die Monster darauf warteten, in einem verwundbaren Moment auf sie zu springen und zu töten. Jedes Mal, wenn er Dolunay, oder Oryn aus dem Augenwinkel sah, zuckte er heftig zusammen. Keine Monster, musste er sich erinnern.

Anders als die Aart kündigten die Wesen sich nicht an. Sie warteten lediglich und verfolgten ihren Spaziergang durch das nächtliche Brus prüfend.

»Versammeln die sich und warten?«, fragte Chase.

»Also dann überleben wir es ganz sicher nicht«, stellte einer der Leibwächter des Priesters fest. »Verfügem diese Viecher über so viel Verstand?«

Rhun antwortete schnell, während er sich vom Verlauf der Straße treiben ließ: »Sie können nicht moralisch denken. Aber scheinbar verfügen sie über eine ausgeprägte Jagdtaktik.«

Harding grummelte als Reaktion. »Die wollen warten, bis sie uns alle gleichzeitig angreifen«, wiederholte er. »Weil wir auf dem breitesten Weg laufen.«

Darauf hatte der Cruor keine Antwort. Er drehte sich nur um — und eine stumme Vereinbarung muss zwischen ihm und Chase beim Blickkontakt gefallen sein.

Als der Mörder in eine Seitengasse einbog, wo drei Monster warteten, folgte Rhun ihm, ohne es zu hinterfragen.

Zwei Wesen krachten vom Dach herab. Rhun erleuchtete ihre fehlenden Gesichter mit dem Leuchtstab, schlug im selben Moment mit dem Schwert zu. Eins der Geschöpfe schrie und seine Gliedmaßen zuckten, während es sich auf dem Boden zusammenrollte.

Die drei vorderen Monster brüllten im Protest, als sie um sich schlugen. Ein weißer Arm begrub sich in der Wand neben ihm.

Rhun schlug auf ein anderes Wesen ein, doch wurde nach vorn gestoßen. Etwas zischte hinter ihm. Der Cruor drehte sich auf den Hacken um.

Einer der Leibwächter wurde von drei Monster zerfleischt. Seine grauenvollen, verzogenen Gesichtszüge brannten sich in Rhuns Gedächtnis ein.
Seine Schreie echoten zwischen den engen Hauswänden, während Rhun sich vorwärtsbewegte.

Auf einem engen Weg machten sie sich angreifbar — war alles, das er denken konnte.

Chase schimpfte leise, während er über eine Hürde kletterte und sich auf eine Mauer hievte. Problemlos balancierte er auf dem Ziegelstein — lief einfach darüber, wie eine Katze.

Hinter ihnen verwandelte sich der Leibwächter in ein Monster. Sein Kopf verzerrte sich in einem Bid des Horrors... Und Rhun erinnerte sich schmerzlich an das junge Mädchen, das im letzten Herbst vor seinen Augen auf die gleiche Art dahingerafft war.

Seele eines CruorsGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt