Kapitel 5

92 7 0
                                        

Tooru Oikawa
Lexichanx3

Die Kutsche kam zum Stillstand und die Menschenmenge um uns herum wurde plötzlich ruhig. Obwohl ich wirklich umwerfend aussah, was ich den beiden Dienstmädchen Yachi und Shimizu zu verdanken hatte, war meine Freude begrenzt. Was ich natürlich hinter einer lächelnden Fassade versteckte. Um ehrlich zu sein, hatte ich das Bedürfnis zu weinen. Ich hatte eine sehr schlechte Nacht gehabt und wollte König Ushijima auch heute nicht heiraten. Das würde sich nie ändern, aber ich hatte keine Wahl. Mein Vater und er hatten es so beschlossen, ich hatte kein Mitspracherecht.

Kyotani öffnete die Tür der Kutsche und reichte mir seine Hand. "Sind Sie bereit?" Ich nickte. "Ja, ich bin bereit.” Daraufhin ergriff ich seine Hand und ließ mir heraus helfen. Während ich in Richtung Kirche ging, folgte er mir mit einigem Abstand. Er gab mir Sicherheit, denn es war nicht ausgeschlossen, dass jemand aus der Menge auf mich stürmte und mich angriff. Aus welchem Grund auch immer. Weiter vorne erkannte ich auf der linken Seite, wie sich jemand durch die Menge kämpfte. Wurde ich etwa wirklich angegriffen? Etwas besorgt verlangsamte ich meine Schritte und wartete ab. Dadurch kam die blonde Leibwache näher und ich fühlte mich sicherer.

Ich konnte den Blick von der Person nicht abwenden, die plötzlich mit einem selbstbewussten Grinsen stehen blieb und in meine Richtung sah. Seine grünen Augen trafen auf meine braunen. Aus unerklärlichen Gründen begann mein Herz zu flattern und ein angenehmes Gefühl breitete sich in meinem Bauch aus. Wow...
Kopfschüttelnd brach ich den Blickkontakt ab. Ich war gerade auf dem Weg zu meiner Hochzeit und hatte nichts Besseres zu tun, als einen gutaussehenden jungen Mann anzustarren? Was würden die Leute denken, wenn sie es mitbekommen würden?

Meine Schritte wurden schneller und schon stand ich in der Kirche, kurz vor Ushijima. Er stand in einem prächtigen schwarzen Gewand mit violetten Akzenten vor dem Altar. Langsam streckte er die Hand nach mir aus und ich legte meine Hand in seine. Die zwei Stufen stieg ich hinauf und automatisch nahm er meine andere Hand.
Der Priester hielt seine Rede und fragte uns einzeln, ob wir den anderen als Ehepartner annehmen wollten. Nachdem wir zugestimmt hatten, tauschten wir die Ringe aus und gaben uns vor den Augen des Volkes einen kleinen Kuss. Später musste ich mir gründlich den Mund waschen!
Mein Titel wurde vom Prinzen zum König geändert, aber Ushijima würde weiterhin alleine die wichtigsten Entscheidungen treffen. Das hatte ich auch nicht anders erwartet. So hatten wir die Trauung hinter uns gebracht und nun würde die Hochzeit ausgiebig im Schloss gefeiert werden.

⊱ ━━━━.⋅ ♚ ⋅.━━━━ ⊰

Im Festsaal saß ich neben König Ushijima auf dem Thron. Es war aufregend, endlich hier zu sitzen, aber andererseits... Ich warf einen Blick auf den olivbraunhaarigen Mann neben mir. Andererseits hätte ich lieber alleine oder mit einem Mann, den ich liebte, hier oben gesessen und auf das glückliche Volk hinabgeschaut.

Immer wieder hörte man den Bediensteten, der weitere Gäste beider Königreiche von seiner Liste aufrief und sie betraten daraufhin den Saal. Ob der junge Mann von vorhin auch hier sein würde? Ich wusste nicht warum, aber... ich wollte ihn wiedersehen. Sein dunkelbraunes, fast schwarzes Haar stach zwischen all den blondhaarigen Adligen, unter denen er stand, hervor. Und dann diese grünen Augen, allein der kurze Augenkontakt ließ mein Herz rasen. Ich wollte ihn nicht nur wiedersehen, ich musste ihn wiedersehen! Dieses Gefühl, als sich unsere Blicke vor der Kirche trafen, wollte ich noch einmal spüren. Es fühlte sich... unglaublich überwältigend an.

Nachdem alle Gäste angekommen waren, hielt Ushijima eine kurze Rede, die ich ignorierte, da ich lieber in der Menge nach dem Mann suchte. Ich konnte ihn jedoch nirgends entdecken, auch seinen auffälligen königsblauen Mantel nicht. Enttäuscht lehnte ich mich an die Rückenlehne des Thrones zurück. In der Menge würde ich ihn sicher nicht finden oder... er war vielleicht gar nicht hier. Plötzlich hörte ich die singende Stimme des Beraters: "Suchst du jemand Bestimmtes~?" Ich erschrak unerwartet und fühlte mich ertappt.
"N-Nein!" antwortete ich.
"Ach ja~?" sagte der Berater. "Dann solltest du lieber die Hand des Königs ergreifen, anstatt zu träumen." Verwundert sah ich zu meinem... zum König und seine wütende Präsenz überwältigte mich fast. Wie lange hatte er mir seine Hand schon entgegengestreckt? Sein Gesichtsausdruck verriet mir, dass es bereits viel zu lange war.

Sanft legte ich meine Hand in seine, er packte etwas fester zu und führte mich vom kleinen Podest in die Mitte der Tanzfläche. Als er seinen Arm um meine Taille legte, empfand ich sofortige Abneigung. Es war wie ein Magnet, der ihn am liebsten von mir wegstoßen wollte.
Tooru, denk daran, du tust das alles hier für die Völker beider Königreiche. Deine Gefühle haben hier keinen Platz.
Die Musiker begannen, ihre Instrumente zu spielen, die im ganzen Saal laut genug zu hören waren. Für eine Weile tanzten wir eng aneinander und dass ich mich noch nicht übergeben hatte, zeigte, wie viel Selbstbeherrschung ich besaß. Erleichterung breitete sich in mir aus, als auch die Gäste auf die Tanzfläche gingen und wir immer wieder die Partner wechselten. Wie erwartet zog sich Ushijima zurück und sofort lehnte sich Tendou zu ihm, um ihm etwas ins Ohr zu flüstern.

Ich konzentrierte mich wieder auf meine Tanzpartnerin und als die Musik wechselte, führten wir den üblichen höflichen Knicks aus. Dies war ein Ausdruck von Respekt und Höflichkeit.
Ich wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, aber durch die Fenster konnte ich sehen, wie langsam die Sonne unterging. Ich hatte noch nicht genug vom Tanzen, dachte, es würde mich etwas ablenken, doch bekam ich den jungen Mann einfach nicht aus meinen Kopf. Ich hatte ihn immer noch nicht entdeckt und das sagte mir, dass er gar nicht hier war. Betrübt wollte ich von der Tanzfläche verschwinden, als jemand meinen Arm packte und mich an eine starke Brust zog. Überrascht schaute ich auf und konnte kein Wort herausbringen, denn er legte seinen Arm mit einem kleinen verschmitzten Lächeln um meine Taille und bat mich um diesen Tanz.











Im Schatten des ThronesWo Geschichten leben. Entdecke jetzt