Kapitel 39

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Tooru Oikawa
Lexichanx3

Amisa und ich saßen auf Heuballen im Hof und tranken Tee, beobachteten nebenbei Hajime und Shizuma bei ihrer Arbeit. Obwohl ich ungern untätig war, brauchte ich nach gestern eine Pause. Außerdem würde keiner der drei zulassen, dass ich auch nur einen Finger rührte, besonders mein Iwalein nicht.
Nachdem ich meine Tasse beiseite gestellt hatte, stand ich auf und wollte ein wenig herumlaufen. Amisa begleitete mich und erzählte mir einige Kindergeschichten über Hajime. Von seinen ersten Schritten, bis hin zum ersten Mal reiten. Er sollte nur kurze Zeit später in eine riesige Matschpfütze gefallen sein.
Von wegen noch nie vom Pferd gefallen!
"Hajime war schon immer ein sehr aufgewecktes Kind. Weißt du, wie oft er sich hinter die Mauern des Schlosses schlich? Er hat uns viele Nerven gekostet und dennoch ist aus ihm ein wundervoller Junge geworden. Ich bin stolz auf ihn", lobte sie ihren Sohn in den höchsten Tönen. Das Glänzen in ihren Augen, wenn sie von Hajime sprach, gefiel mir. Das hatte ich bei meinen eigenen Eltern vermisst. Meine Mutter hatte nur Takanori so angesehen wie Amisa Hajime ansah. Voller Liebe und Stolz auf ihr Kind. Und ich? Ich wurde für sie zur Last, sie hatten mir von jetzt auf gleich keine Liebe mehr geschenkt.

"Ich hoffe, du wirst nicht so frech wie dein Vater", kicherte ich und streichelte meinen Bauch, als ich abrupt stehen blieb. Meine Unterlippe zitterte und Freudentränen schossen mir in die Augen. Hajimes Mutter sah mich besorgt an: "Was ist los? Hast du Schmerzen?"
"N-Nein. E-Es hat getreten!", lachte ich freudig, während ich mir die Tränen von der Wange wischte. Es war ein unglaublich schönes Gefühl, ein Lebenszeichen vom Baby. Unsere Ärzte hatten nicht wirklich eine Möglichkeit das kleine Lebewesen in mir zu untersuchen oder dessen Herzschlag festzustellen, deswegen beruhigte mich dieser kleine Tritt ungemein und ich wusste, dass es den ganzen Stress bis jetzt überstanden hatte.
"Hajime!", rief ich quer über den Hof. Wir waren nicht weit von ihnen entfernt, daher reagierte der Dunkelhaarige sofort. Er kam zu uns gelaufen und als er mir in die Augen sah, legte er sofort einen besorgten Ausdruck auf.
"Was ist passiert?", erkundigte er sich. Doch ich antwortete nicht, stattdessen nahm ich seine Hände und hielt sie an meinen Bauch. Er verstand nicht, als plötzlich wieder ein Tritt folgte und er breit lächelte.
"Wahnsinn...", hauchte er und zog mich anschließend in seine Arme. "Ich freue mich so sehr, wenn wir das Kleine in unseren Armen halten können, Tooru."
Oh, darauf freute ich mich auch. Und wie. Aber am meisten freute ich mich darauf, unser Kind aufwachsen zu sehen. Nicht in einem Schloss, sondern auf dem Land! Umgeben von der wunderschönen Natur und verschiedenen Tieren wie Kühen, Schafen und Pferden. Das Leben hier gefiel mir so viel besser.

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Ich beobachtete Iwalein, wie er Kiyoshi sattelte und sich dann von seinen Eltern verabschiedete, was ich auch daraufhin tat. Weder der Knappe noch ich wollten zurück, aber wir durften nicht entdeckt werden, deshalb mussten wir leider aufbrechen. Es war schon riskant genug, über Nacht wegzubleiben, denn König Ushijima hatte mich schon einmal gesucht und zum Glück hat er mich an den Toren vor der Mauer gefunden und nicht im Dorf oder noch schlimmer bei den Iwaizumis. Der Hof war sehr abgelegen, selbst zum Dorf brauchte man eine Weile, also war die Wahrscheinlichkeit gering, dass man uns hier finden würde. Ich hoffte, dass wenn wir eines Tages fliehen würden, sie diesen Ort nicht finden und dass Iwaizumis Eltern nicht wegen mir in Gefahr geraten würden. Das könnte ich mir niemals verzeihen.

"Tooru, pass auf dich und das Kind auf, okay?", bat mich Amisa noch einmal und ich nickte zur Bestätigung: "Ich werde es versuchen." Daraufhin ritten wir los und der Hof verschwand immer weiter in der Ferne. Ich wollte es ihr versprechen, aber im Schloss war ich dem Stress ausgesetzt. Sobald ich nur Ushijima oder Tendou sah, reagierte mein Körper mit negativen Emotionen wie Wut und Angst. Wut allein wegen Ushijimas Anblick, wie er mich behandelte und was er mir bereits angetan hatte. Angst davor, was er mir noch antun könnte. Aber am meisten Angst hatte ich vor Tendou, denn er wusste zu viel und konnte es jederzeit dem König verraten. Und was tat ich? Ich riskierte immer wieder Hajimes Leben. So ein unverantwortungsvoller König war ich, dabei sollte ich ihn schützen und nicht er mich. Ich war König und es frustete mich immer wieder, wie nutzlos ich wirklich war. Vielleicht hatte Vater ja doch Recht mit seinen ganzen Vorwürfen.

"Hajime? Was ich dich noch fragen wollte... mein Bruder hatte dich bei dem Abendessen oft angesehen. Warum?"
Als ich an Vaters Worte dachte, kam mir plötzlich Takanoris Blick in den Sinn und ich wollte Antworten. Und wehe dir Takanori, du hattest mit meinem Iwalein geflirtet!
"Er lief wütend umher und ich habe gefragt, was los ist. An seiner Krone konnte ich erkennen, dass er wohl zu deiner Familie gehört."
"Aha. Und was hat er für Lügen erzählt?", schnaufte ich verärgert. Ich hielt genauso wenig von meinem Bruder wie von meinen Eltern. Das konnte er ihnen verdanken. Während sie mich vernachlässigen, lobten sie ihn für jede Kleinigkeit und schenkten ihm ihre volle Aufmerksamkeit.
"Dass er in dir ein Vorbild sieht, aber du ihm nicht einmal die Chance gibst, sich zu erklären. Ich weiß mittlerweile, wie schrecklich deine Eltern sind, aber was kann dein kleiner Bruder dafür?", wollte er wissen. Ein Vorbild? Lustig, Takanori.
Ich wollte nicht weiter darüber sprechen und deshalb antwortete ich nicht, sondern schmiegte mich an seinen Rücken und sah den Rest des Weges in die Ferne.

Vor dem Schlupfloch in der Mauer half er mir vom Pferd, küsste mich zärtlich und versprach mir morgen wieder regelmäßig durch mein Fenster zu steigen. Wie er es immer tat, bevor Ushijima nach mir verlangte. Während ich mich durch das Loch zwängte, was mit meinem Bauch nicht mehr so einfach war, ritt Iwa los. Wir konnten uns nicht gemeinsam an der Mauer zeigen. Glücklicherweise waren an dem Tag des Abendessens alle Ritter bis auf einen im Schloss oder auf dem Trainingsplatz. Dieser eine Ritter hatte sich gemütlich die Füße hochgelegt und geschlafen, er erfüllte seine Pflicht nicht. Das gab uns die Chance, unbemerkt durch die Tore zu kommen.

"Wen haben wir denn da~?", hörte ich die vertraute Singsang-Stimme des Beraters und erstarrte, als ich meine Kleidung abklopfen wollte.
Verdammter Mist!
"Ein König, der Hochverrat begeht."
"Was? Nur weil ich abgehauen bin, weil ich genug von diesem Mist hatte? Das hat nichts mit Hochverrat zu tun!", verteidigte ich mich, aber es interessierte ihn nicht und er gab ein Zeichen, woraufhin zwei Ritter auf mich zukamen und grob packten. Vergeblich versuchte ich mich aus ihrem Griff zu befreien und schimpfte: "Hey! Was soll das werden!"
Der teuflisch grinsende Berater griff nach meinem Kinn.
"Sie bringen dich zum König, wo auch dein Bauernjunge hingebracht wird und ihr könnt euch von euren hübschen Köpfen verabschieden", lachte er diabolisch, bevor man mich ins Innere des Schlosses zerrte. Nein... nicht Hajime! Sie sollten ihn in Frieden lassen, wenn jemand eine Strafe verdient hätte, dann ich! Gott, warum hatte ich es immer wieder riskiert? Warum hatte ich mich nicht von ihm ferngehalten, um Iwa zu schützen! Wegen mir würde er sterben...

Im Thronsaal wurde ich dem König übergeben, sein Blick allein könnte Menschen töten und ich ahnte Schlimmes. Sehr Schlimmes. Was wusste er alles? Nur dass Hajime und ich Zeit zusammen verbracht hatten? Oder mehr? Dass wir miteinander geschlafen hatten? Er konnte nicht viel wissen, oder? Hatte Tendou uns ständig verfolgt? Oh bitte, nicht...
"Lasst mich gefälligst los!" Hajime! Panisch wandte ich meinen Blick sofort zu ihm und wollte losrennen, um ihn aus dem Griff von Semi und Shirabu zu befreien. Doch Ushijima hinderte mich mit einem festen Griff um meinen Arm daran. Die Leibwache Ushijimas drückte den Knappen auf die Knie und hielt ihm das Schwert seitlich an den Hals, damit er nicht auf dumme Gedanken kam.
"Lasst ihn in Ruhe! E-Er hat nichts getan, wenn jemand Schuld ist, dann ich! Bitte!", flehte ich vergebens und verkniff mir ein Schluchzen.

Der König zerrte mich grob an sich heran und brummte gefährlich das es jeder im Saal hören konnte: "Dass du dich heimlich davongeschlichen und dem armen Volk geholfen hast, war schon genug. Aber dass du mich betrügst und von diesem Bauernjungen schwanger bist, überschreitet jegliche Grenzen, Oikawa!" Ich schwankte zur Seite, als er mich von sich stieß und fiel zu Boden.
"Ich werde deinen Hajime hier und jetzt persönlich hinrichten!"
Nein! Das... Das konnte er mir nicht antun! Nicht mein Iwalein... Ich konnte meine Tränen nicht mehr zurückhalten, schluchzte und schrie verzweifelt, als sich alles in Zeitlupe abspielte. Ushijima nahm einem der Ritter das Schwert aus der Hand und näherte sich dem Knappen. Nicht! Nimm mir nicht meinen Hajime...












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