Hajime Iwaizumi
Mitzunex3
Semi und ich standen am Rande, nahe der Tür und hielten Wache, für den Fall, dass jemand versuchen würde, hier einzudringen und die Könige anzugreifen. Sehr unwahrscheinlich, aber dennoch möglich.
Ich beobachtete das Geschehen eher gelangweilt, bis Toorus Vater anfing, schlecht über ihn zu reden und sogar das niedere Volk zu beleidigen. Fassungslos presste ich meine Lippen zusammen, bevor ich auf die Idee kam, etwas zu sagen. Wie konnte man nur so über den eigenen Sohn sprechen? Nur weil er kein Alpha, sondern ein Omega war? Das ließ mein Blut kochen und ich wollte Tooru am liebsten in meine Arme ziehen und verteidigen. Semi bemerkte meinen inneren Kampf, stieß mich leicht an und schüttelte warnend den Kopf.
Tief durchatmen, Hajime.
Es funktionierte eher schlecht als recht, aber ich musste mich zusammenreißen.
Plötzlich erhob sich Tooru und wollte gehen, wandte sich jedoch noch einmal an seine Familie. Mit einem lauten Knall schlug er auf einen Teller, der zerbrach, und verteidigte sich und andere Omegas. Besorgniserregend verzog er das Gesicht und hielt sich den Bauch. Das Baby! Es war zu viel.
Er floh dann aus dem Speisesaal und mein Impuls war es, ihm zu folgen, aber Semi hielt mich zurück.
"Iwaizumi, was soll das werden? Du bleibst hier!", zischte er leise zu mir. Wütend funkelte ich ihn an und riss mich aus seinem Griff, um Tooru hinterherzulaufen. Mir war wirklich alles egal, auch die seltsamen Blicke, die mich verfolgten. Sollten sie doch denken, was sie wollten! In meiner Wut auf den Vater und Sorge um Tooru bemerkte ich nicht, dass mich jemand verfolgte.
Meine Suche führte mich zu seinem Zimmer. Ich klopfte an, aber er antwortete nicht. Dennoch spürte ich, dass er da war, also öffnete ich die Tür und trat ein. Tooru lag zusammengerollt im Bett und hatte die Decke über sich gezogen, um sich von der Außenwelt abzuschotten. Es tat mir im Herzen weh, ihn so am Boden zu sehen. Ich ging zu ihm und setzte mich an den Bettrand. Vorsichtig zog ich die Decke weg und sah einen schluchzenden Tooru. Und ich Idiot hatte versucht, ihn wegen seiner Familie aufzumuntern, ohne zu ahnen, wie schrecklich sie wirklich waren.
"Tooru... es tut mir leid, was ich gesagt habe. Ich konnte nicht wissen, wie schlimm es wirklich ist. Verzeih mir", entschuldigte ich mich und zog ihn an meine Brust, mein Gesicht in seinem Haar vergraben. Er schniefte leise.
"Schon gut... dich trifft keine Schuld. Ich bin es gewohnt. Es tut natürlich weh, aber du konntest es nicht wissen", flüsterte er leise und setzte sich aufrecht hin, um mir in die Augen sehen zu können. Seine Augen waren von Tränen benetzt, doch der Schmerz und die tiefe Trauer wurden langsam weniger.
Es war schmerzhaft, ihn so zu sehen und zu spüren, wie es ihm ging. Moment mal! Ich senkte blitzartig meinen Kopf und schaute auf seinen Babybauch, auf den ich schützend und sanft meine Hände legte und darüber strich.
"Sind die Schmerzen immer noch da?", fragte ich besorgt und sah zu ihm auf.
"Nein, sie haben sich wieder gelegt", beruhigte er mich und legte seine Hände auf meine. Seine Hand schien von dem Schlag auf den Teller soweit unversehrt zu sein, dass ich mich nicht darum sorgen brauchte. Erleichtert seufzte ich tief, bis mir etwas einfiel. Er sollte von hier weg und sich von diesem schrecklichen Abend erholen. Und ich wusste den perfekten Ort dafür.
"Komm, lass uns zum See im Wald reiten. Du musst hier raus und könntest etwas Ruhe gebrauchen", sagte ich entschlossen. Kawa dachte kurz darüber nach, bis er zart lächelnd einwilligte. Er zog sich also etwas Bequemes an. Ich war erstaunt, als er sein Oberteil auszog und ich einen Blick auf den Babybauch werfen durfte. Stolze Vatergefühle überkamen mich sofort und ein warmes Prickeln durchströmte meinen ganzen Körper. Ich hinderte ihn daran, sich wieder anzuziehen, indem ich mich vor ihm hinkniete und meine Hände sanft auf die kleine Kugel legte. Es war erstaunlich, dass darin ein neues Leben heranwuchs. Ich fand es faszinierend.
Verträumt strich ich über den Bauch und gab ihm einen Kuss auf die Kugel. Tooru beobachtete es mit einem liebevollen Lächeln und ließ mich.
"Du bist wunderschön, Kawa, und ich bin so glücklich", verteilte ich sanfte Küsse und er strich mir sanft durchs Haar. Als er frustriert seufzte: "Hajime, wie kannst du mich schön finden? Ich werde immer dicker und unattraktiver!", zog er mich jammernd nach oben, was mich zum leisen Lachen brachte. Er blickte natürlich beleidigt drein.
"Tooru, du bist immer wunderschön und attraktiv, auch mit einem Babybauch. Ich liebe dich so, wie du bist. Und... ich liebe unser ungeborenes Kind", brummte ich ehrlich und stahl mir einen Kuss, was ihm die Röte ins Gesicht trieb.
Er zog sich um und wir schlichen leise und vorsichtig durch das Schloss zum Schlossgarten und dann in Richtung Stall. Ich sattelte Kiyoshi und führte ihn durch den hinteren Ausgang, damit wir nicht entdeckt wurden. Tooru wartete auf mich, bis wir nacheinander auf das Pferd stiegen und in den Wald ritten.
Auf dem Weg dorthin schwiegen wir. Es beunruhigte mich, dass er so ruhig war. Ich wünschte mir, dass er sich auskotzte und nicht alles still für sich selbst verarbeitete. Die Vorwürfe von seinem Vater waren hart und gott verdammt hätte ich ihm am liebsten an den Kopf geworfen was für ein furchtbarer Vater er doch war. Hätte ihm gerne gesagt, was für einen liebevollen, herzlichen und wundervollen Sohn er hatte. Aber... damit hätte ich mir wohl ziemlich große Schwierigkeiten eingehandelt, wenn ich es nicht schon mit meiner unüberlegten Aktion tat, Tooru zu folgen.
Es dauerte nicht lange, bis wir den See erreichten und vom Pferd abstiegen, wobei ich meinem König half.
"Komm schon Tooru", sagte ich und nahm sein Handgelenk. Ich zog ihn näher zu mir und hinunter auf die Wiese. Wir legten uns ins Gras und schauten in den Sternenhimmel. Einen Arm legte ich hinter meinen Kopf und den anderen legte ich um Kawas Schulter. "Versuche das Abendessen zu vergessen. Sich zu ärgern und aufzuregen tut dir und dem Baby nicht gut." Liebevoll küsste ich seinen Haarschopf und wir genossen den Moment. Doch bemerkte ich Toorus innere Anspannung. Es beschäftigte ihn sehr. Verständlicherweise. Dennoch wollte ich, dass er herunterkam, sich entspannte und diesen schrecklichen Vorfall vergaß. Zum Wohle des Babys.
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Im Schatten des Thrones
FanfictionAls schwacher Omega und Prinz hat Oikawa keine große Wahl und wird wegen einer Vereinbarung seines Vaters und dem König Shiratorizawas mit diesem zwangsverheiratet. Wenig begeistert von seiner Situation, hat Oikawa scheinbar keine große Wahl. Doch d...
