Kapitel 42

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Hajime Iwaizumi
Mitzunex3

Ich lag ruhig und entspannt neben Tooru und streichelte sanft über seinen runden Bauch, während er schlief. Er schlief viel, denn sein Körper kämpfte gegen das Gift an. Es ging ihm wirklich nicht gut und es zehrte stark an seinen Kräften. Ich war die ganze Zeit besorgt, nicht nur um Tooru, sondern auch um das Kleine. Es war schutzlos und konnte sich nicht selbst verteidigen, aber ich spürte innerlich, dass es genauso stark war wie seine Mutter. Ich war jedoch erleichtert, dass Makki und Mattsun mit ihren Kräutern das Gift zumindest daran hindern konnten, sich weiter auszubreiten. Alle zwei, drei Tage kam einer von ihnen und brachte uns Medizin, dennoch brauchte Kawas Körper sehr lange, um das Gift abzubauen. Die beiden Apotheker taten ihr Bestes und suchten seit Wochen nach einem Mittel, um seinen Körper dabei zu unterstützen, aber es stellte sich als nicht so einfach heraus.

Sanft fuhren meine Finger über die Kugel, um darauf Tooru mehr an mich zu ziehen. Er seufzte und genoss es, dass ich mit ihm kuschelte. Ich befand mich in einem halbwachen Zustand und konnte mich nicht vollständig fallen lassen, obwohl wir in Sicherheit waren. Doch diese ständige Aufmerksamkeit, ob jemand kommen könnte, saß tief in meinen Knochen. Deshalb schreckte ich hoch und sprang halb aus dem Bett, als plötzlich die Zimmertür geöffnet wurde. Mein Alpha knurrte tief und war bereit, die Person anzugreifen. Ein rotbrauner Haarschopf erschien im Türrahmen und sofort beruhigte ich mich. Es war nur Makki. Warum hatte er nicht-?
"Makki! Warum hast du nicht geklopft?", warf ich ihm vorwurfsvoll entgegen.
"Habe ich. Mache ich doch immer, ich habe mich selbst vorher angekündigt?", sagte er, als er auf uns zukam. Hatte er? Verflucht... meine Müdigkeit war alles andere als hilfreich.
"Du siehst müde aus, Iwaizumi. Ging es Tooru in der Nacht wieder schlechter?", deutete er auf meine leichten Augenringe und fühlte nebenbei an Toorus Stirn. Ich hatte schon lange nicht mehr gut geschlafen. Ich kümmerte mich liebevoll Tag und Nacht, jede freie Minute um ihn und wich ihm selten von seiner Seite. Es gab Nächte, in denen mein Partner sehr stark fieberte und das hielt mich wach. Er schwitzte jedes Mal stark und ich hatte ihn immer frisch gewaschen und umgezogen. Mit dem Kleidervorrat, den Mattsun uns einen Tag nach unserer Ankunft brachte, kamen wir kaum aus.
"Nein, seit zwei Tagen scheint das Fieber überstanden zu sein. Tooru schläft viel und wird meistens nur für seine Bedürfnisse wach", erzählte ich dem Apotheker, der verständnisvoll nickte.
"Er wird wahrscheinlich nicht viel essen oder trinken, aber behalte es im Auge. Und Schlaf ist gut, es hilft dem Körper enorm beim Abbau des Giftes."

Wir setzten unser Gespräch in der unteren Etage der Waldhütte fort, wo wir uns normal unterhalten konnten, ohne den Brünetten zu wecken. In der Küche, die gleich rechts von der Treppe war, übergab mir Makki zwei kleine Fläschchen mit Kräuterelixier: "Hier. Mattsun und ich hoffen, dass die neue Mischung den Abbau des Giftes beschleunigt."
"Danke, das... hoffe ich auch", sagte ich in Richtung Treppe sehend.
"Er wird schon wieder. Kümmer dich weiterhin gut um Tooru und sag mir bitte bescheid, wenn die Medizin nun besser wirkt, ja?", klopfte er mir zuversichtlich auf die Schulter, woraufhin ich zustimmend nickte. Makki blieb noch eine Weile und wir unterhielten uns, während ich mich um die Wäsche und den Haushalt kümmerte.

Ein Teil der Aufgaben war erledigt und Makki, der Mattsun in der Apotheke helfen musste, verabschiedete sich. Ich konnte für einen Moment durchatmen und in dieser Zeit wollte ich Tooru die Medizin geben.
Ich ging die Treppe wieder hoch, öffnete die Tür und war leicht überrascht, als ich zum Bett sah. Tooru hatte die Augen geöffnet und schien nach mir zu suchen, also ging ich zu ihm.
"Ich bin hier. Alles ist gut", beruhigte ich ihn und setzte mich neben ihn. Sein Kopf neigte sich zu mir und ein erleichtertes Lächeln huschte über sein noch müdes Gesicht, was mich ebenfalls zum Lächeln brachte.
"Wie geht es dir, Schatz?", fragte ich vorsichtig und half ihm, sich etwas aufzusetzen, während ich es mir im Schneidersitz neben ihm bequem machte. Seine rehbraunen, erschöpften Augen ruhten auf mir. Das Gift machte ihm stark zu schaffen und unsere Sorge um das Baby war nicht unbegründet. Es hatte sich seit Wochen nicht mehr bewegt, kein Tritt, nichts. Deshalb plante ich, meine Mutter hierher in die Waldhütte zu holen, damit sie für Tooru und das Kind da sein konnte.

"Es könnte... besser sein. Ich fühl mich... schwach", er machte eine kurze Pause, bevor er weitersprach "Mein Kopf brummt und... ruhig schlafen... geht nur... wenn du bei mir bist", flüsterte er und nahm meine freie Hand.
"Es wird dir bald besser gehen, versprochen. Die beiden haben eine neue Mischung, sie hoffen, dass sie besser wirkt als die vorherige", berichtete ich ihm, dass Makki da gewesen war. Während ich erzählte, reichte ich ihm vorsichtig die Schale, die er nahm und leicht angewidert hineinsah. Ein Schmunzeln entkam mir, weil er sich wie ein Mimöschen benahm und jedes Mal murrte, dass es total bitter schmeckte, aber er musste es einnehmen. Er hatte keine Wahl. Tooru seufzte wie immer und trank es in einem Zug aus, dabei verzog er das Gesicht.
"Gut gemacht", lobte ich ihn aufrichtig und gab ihm einen sanften Kuss auf die Stirn.
"Iwa? Kommst du... wieder unter die Decke?", klimperte er süß mit den Augen, was mein Herz schmelzen ließ. Ich konnte ihm nichts abschlagen, aber bevor ich es tat, musste ich noch etwas Wichtiges erledigen.
"Gleich. Ich muss nochmal kurz runter, aber danach komme ich", versprach ich lächelnd, was ihn kurz schmollen ließ, aber dann gähnte er müde und legte sich hin. Tooru zog die Decke bis zur Schulter und kuschelte sich darunter. Müde schloss der Brünette die Augen und murmelte leise: "Beeil dich..."

Ich setzte mich unten an den Tisch und griff nach Pergament und Feder, um einen Brief an meine Eltern zu schreiben. Ich fasste alles zusammen und schrieb auf, dass wir in Sicherheit waren und ich sie gerne hierher holen würde. Zumindest meine Mutter. Ich... nein, Tooru und ich brauchten Gewissheit. Ich konnte sehen, dass er besorgt war. Vielleicht lag es daran, dass sein Körper durch das Gift geschwächt war oder... er wollte mir einfach keine Sorgen machen.
Ich las den Brief noch einmal durch, um sicherzugehen, dass ich nichts Wichtiges vergessen hatte, und versiegelte ihn anschließend. Daraufhin ging ich nach draußen und pfiff. Die Brieftaube von Makki und Mattsun kam angeflogen und landete auf meinem Arm. Den Brief befestigte ich an ihrem Bein und ließ sie losfliegen.

Ich sah ihr ein Weilchen hinterher und wollte ins Haus zurückkehren, als ich eine Stimme hinter mir hörte. Reflexartig zog ich meinen Dolch und griff nach der Person, die uns gefunden hatte.
"N-Nicht! I-Ich bin es, Iwaizumi!", sagte die Person panisch. Oikawas kleiner Bruder Takanori stand vor mir. Er war in einen schwarzen Umhang gehüllt und hatte die Kapuze über dem Kopf. Ich hatte ihn im ersten Moment überhaupt nicht erkannt.
"Takanori?", fragte ich verwirrt, fasste mich aber schnell. "Bist du lebensmüde? Ich hätte dich schwer verletzen können! Was... was machst du überhaupt hier und woher weißt du von diesem Ort?", fragte ich ihn und ließ von ihm ab. Er nahm die Kapuze ab und ich sah, dass seine Augen leicht gerötet waren.
"Ich will zu Tooru! Mattsun hat mir gesagt, wo ich euch finden kann. Mir ist auch niemand gefolgt, versprochen! Bitte... lass mich zu ihm!", bettelte er mit weinerlicher Stimme. Seine Stimme klang verdammt ähnlich wie die seines Bruders. Ich seufzte schwer und wandte mich ab: "Dann komm."
Damit ging ich gefolgt von dem jüngeren zurück ins Haus und führte ihn ins obere Stockwerk.











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