Tooru Oikawa
Lexichanx3
"Mama, ich will spielen!", schaute ich mit Kulleraugen und süßer Schnute zu meiner Mutter hinauf. Mir war langweilig und wollte Beschäftigung.
"Tooru Schatz, Mama hat zutun. Später habe ich ganz viel Zeit für dich und deinen Bruder versprochen", sagte sie und drückte mir einen Kuss auf die Wange. Nun gut, dann musste ich mich in der Zeit alleine beschäftigen, denn Nori machte wie gewöhnlich seinen Mittagsschlaf. Daher tobte ich durch das Schloss, rannte durch die Gänge bis hin in den riesigen Schlossgarten, der sich vor dem Gebäude befand. Freudig winkte ich den Gärtnern und lief weiter bis zu den Mauern, wo ich mich an den Wachen vorbei schlich, um in das nächste Dorf zu gelangen. Ich half gerne den Leuten dort, obwohl meine Eltern es nicht gut fanden. Das ein oder andere Mal wurde ich erwischt und bekam Ärger und dennoch half ich weiterhin den Dorfbewohnern.
Viel zu spät bemerkte ich, dass ich hätte verschwinden sollen, das Dorf war wie leergefegt und ich fragte mich, wo alle hin waren, selbst keines der Kinder spielte draußen.
"Na, wen haben wir denn da?", hörte ich eine tiefe männliche Stimme und so naiv wie ich war, wandte ich mich lächelnd zu ihm und stellte schnell fest, dass es kein Dorfbewohner war. In diesem Augenblick hätte ich rennen müssen, ganz schnell zurück zu den Mauern, wo mich die Ritter schützen könnten. Aber ich blieb wie angewurzelt stehen, begann zu zittern, als der fies grinsende Mann sein Schwert zog.
Darauf passierte alles sehr schnell, einer der Dorfbewohner stellte sich die Arme ausgestreckt vor mich und befahl dem Mann mich zu verschonen, weil ich doch nur ein Kind wäre. Teuflisch lachte er laut, als der ältere Herr vor mir plötzlich in die Knie ging und schmerzerfüllt brüllte.
"Dann muss ich dich zuerst beseitigen, alter Mann!", sagte er und schlug ihm den Kopf ab, das Blut spritzte mir ins Gesicht. Hektisch atmete ich, als der Kopf gegen meine Füße rollte. Und dann rannte ich endlich. Schreiend und weinend lief ich davon, nur war der Mann viel schneller als ich. Am Kragen packte er mich und zog mich hoch. Wild strampelte ich mit meinen Beinen - chancenlos, ihm zu entkommen.
"Es war der Horror, Haji. Ich... ich weinte und flehte um mein Leben, aber er lachte nur. Am Ende verdankte ich meinem Vater mein Leben. Die Standpauke, die ich bekam, als wir zurück im Schloss waren, habe ich gar nicht wahrgenommen. Seitdem... bekomme ich jedes Mal Panik, wenn ich nur ein Schwert in der Hand halte. Bilder schießen in meinen Kopf, als hätte ich unzählige Menschen getötet...", beendete ich meine Erzählung und der Knappe schluckte. Er wollte etwas sagen, brachte jedoch kein Wort über die Lippen. Gesagtes musste erstmal verdaut werden. Allein, dass ich es erzählte, sorgte für ein schweres Gefühl im Bauch. Mir wurde kurzzeitig auch übel, da verstand ich nur zu gut, wie Iwa sich gerade fühlen musste. Hajime entschied sich, nicht viel dazu zusagen, bis auf ein leises "Es tut mir leid, was du durchmachen musstest", aber das reichte mir völlig aus. Dafür kuschelten wir und ich schmiegte mich eng an seine starke Brust, bevor wir beide in das Land der Träume fielen.
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In den nächsten Tagen schlief ich nicht gut, mein Trauma verfolgte mich und dann machte ich mir Sorgen um Haji. Er war nachts lange mit Semi wach und plante, was wieder an seinen Kräften zerrte. Die beiden Ritter hatten uns von dem gefallenen Königreich Karasuno erzählt und dass Ushijima sie im Kerker festhielt. Abgesehen von den beiden Dienstmädchen Shimizu und Yachi, den Köchen Yamaguchi und Hinata und dem Gärtner Sugawara... dem Ehemann von König Sawamura. Deshalb diese stillen Hilfeschreie in ihren Augen. Dieser Abschaum hatte ihre Heimat zerstört und sie gefangen genommen. Er zwang sie, für ihn zu arbeiten oder drohte sonst mit ihrem Tod. Semi und Hajime hatten nun vor, sie zu befreien und mit ihrer Hilfe König Ushijima zu stürzen, doch hatten die Gefangenen überhaupt die Kraft für einen Kampf? Seit mehreren Jahren steckten sie dort im Kerker, bekamen nur das Nötigste zum Überleben.
"Das mag ja schön und gut sein, aber ich möchte nicht, dass mein Kind ohne Vater aufwächst!", mischte ich mich in das Gespräch zwischen Semi und Haji ein. Sie planten den ganzen Tag über und es nervte mich langsam. Schon allein, dass die beiden Ritter überhaupt hier blieben, gefiel mir nicht. Ich traute ihnen keinen Meter.
"Ich sage das ungern, aber Oikawa hat recht. Eita, wenn dir etwas zustößt, muss ich mich alleine um das Kind kümmern und das möchte ich nicht!", stimmte Shirabu mir zu. Wir beide waren schwanger und unsere Partner hatten nichts Besseres zu tun, als an Ushijima zu denken und wie sie ihn zu Fall bringen könnten.
"Wir tun das für euch!", sagten beide gleichzeitig, was mir ein genervtes Seufzen entlockte. Nein, sie taten es für sich selbst, für ihr Gewissen! Nicht dass ich nicht wollte, dass die Könige und die Bediensteten Karasunos befreit werden. Das wollte ich unbedingt, aber warum ausgerechnet mein Iwalein? Sollte Semi alleine gehen! Und seinen Shirabu konnte er gleich mitnehmen!
"Tooru...", sagte der Dunkelhaarige und kam dabei auf mich zu. "Ich weiß, dass es dir nicht gefällt, aber möchtest du nicht auch, dass wir in Frieden leben können? Damit du endlich frei von ihm bist?", sagte er und deutete auf mein Mal im Nacken hin, woraufhin ich mit meinen Fingern über dieses fuhr und schwer seufzte. "Niemand wird sich um Ushijima kümmern, deshalb müssen Semi und ich den Schritt wagen", fügte er liebevoll hinzu und küsste mich. Selbstverständlich wäre ich froh, die Bindung zwischen Ushijima und mir endlich zu kappen, trotzdem war mir ihr Plan zu heikel. Nicht durchdacht. Was war wenn Karasuno nicht kämpfen könnte? Sie hätten niemals eine Chance, aber ich konnte Hajime sowieso nicht umstimmen.
"Na gut. Aber wehe, du hast auch nur einen Kratzer, Hajime! Und du!", er zeigte direkt auf den Aschblonden. "Wenn ihm etwas passiert, tret mir am besten nicht unter die Augen, klar?"
"Du lässt deine königlichen Dreckfinger von meinem Partner! Wenn Eita etwas zustößt, bekommt dein Freund eine weitere Kopfnuss und die wird es in sich haben!" Das sollte er sich trauen! Wir stritten eine ganze Weile, bis es Semi reichte.
"Haltet endlich beide den Mund! Uns wird nichts passieren und wenn dieser Plan ausgearbeitet ist, werden wir ihn umsetzen. Und wir werden unversehrt zurückkommen!", beruhigte er den Braunhaarigen und mich.
Daraufhin gingen wir still auseinander. Ich musste mich hinlegen, denn meine Beine schmerzten vom Gewicht, das ich mit mir herumtrug. Es machte mich glücklich, als der Dunkelhaarige mich begleitete und wir zusammen im Bett saßen. Ich lehnte meinen Kopf an seine Schulter und hielt dabei seine Hand.
"Hajime, versprichst du mir, gut auf dich aufzupassen?", murmelte ich. Das war meine größte Sorge - ihn zu verlieren. Ich wusste genau, wie stark er war und sein Umgang mit Waffen war beeindruckend. Sicher würde er es schaffen, Ushijima niederzustrecken, und irgendwie war ich froh, dass er nicht alleine ging, auch wenn ich Semi noch immer nicht vertrauen wollte. Mit einem Griff um mein Kinn sorgte er dafür, dass ich ihn ansah und legte seine Lippen auf meine.
"Ich werde dich nicht alleine mit dem Kind lassen. Aber... es wird noch eine Weile dauern, bis wir alles durchgeplant haben."
"Bitte überstürzt nichts. Obwohl ich Shirabu genauso wenig mag wie Semi, werden sie auch Eltern und ich wünsche mir für ihn, dass er sein Kind ebenfalls mit dem Vater aufziehen kann. Pass auch auf ihn auf, ja?", bat ich meinen Knappen. Obwohl Semi mehr Erfahrung als Ritter hatte, konnte ihm genauso etwas passieren und das sollte Haji verhindern. Sie sollten einander den Rücken decken.
"Das werde ich. Tooru, wenn deine Bindung zu Ushijima erst einmal getrennt ist, wirst du dich freier fühlen und", er näherte sich wieder meinen Lippen. "sobald du deine nächste Hitze bekommst, gehörst du mir!" Harsch presste er unsere Münder aufeinander und drang mit seiner Zunge in meinen Mund ein, um den Kuss zu vertiefen. Hajime zog ich mit mir auf die Matratze und wir genossen den restlichen Tag, bevor wir spät in der Nacht eng umschlungen und äußerst zufrieden einschliefen.
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Im Schatten des Thrones
FanfictionAls schwacher Omega und Prinz hat Oikawa keine große Wahl und wird wegen einer Vereinbarung seines Vaters und dem König Shiratorizawas mit diesem zwangsverheiratet. Wenig begeistert von seiner Situation, hat Oikawa scheinbar keine große Wahl. Doch d...
