Kapitel 35

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Tooru Oikawa
Lexichanx3

Mir graute es vor dem Abendessen. Ich war nicht bereit, meine Eltern, die vor einer Weile eintrafen, wiederzusehen oder mich von Vater runtermachen zu lassen. Mein Bauchgefühl sagte mir, es würde eine Katastrophe werden, aber das wusste ich auch so. Und dann würden auch noch Iwa und sein Ausbilder dabei sein, so sagte er mir. Obwohl er nicht mit anhören sollte, wie meine Eltern von mir dachten. Wie sehr sie einen Omega im Königshaus oder generell verachteten.
In meinem weißen prachtvollen Gewand stand ich vor dem Spiegel und mein Blick blieb frustriert auf meinem Babybauch haften. Er war gut gewachsen und er würde sicherlich noch größer werden, worauf ich mich ehrlich gesagt nicht freute. Ich fühlte mich jetzt schon total unattraktiv, obwohl ich jeden Tag wunderschön für meinen Iwalein aussehen wollte.

Leise wurde an der Tür geklopft. Wieder einer der Bediensteten, die mir mitteilen wollten, dass meine Eltern da waren? Schön für sie, ich war zufrieden damit, sie erst beim Essen in ein paar Stunden zu sehen. Trotzdem bat ich ihn herein und drehte mich in verschiedenen Positionen, aber das verbesserte mein Aussehen auch nicht.
"Hallo Tooru", hörte ich eine sehr vertraute Stimme. Nicht die eines Angestellten des Königs, sondern Takanori, mein kleiner Bruder. Der Dunkelblondhaarige lugte durch den Türspalt, unsicher ob er wirklich eintreten durfte.
"Was willst du?", fragte ich ihn unfreundlich und schenkte ihm kaum Beachtung. Dieses verwöhnte Balg bekam schon genug Aufmerksamkeit!
"Tooru, sei nicht so. Ich wollte meinen... großen Bruder... wiedersehen", sagte er stockend und seine Augen blieben an meinem Bauch hängen. "Du... du bist schwanger?", lächelte er freudig, was ich mit einem Augenrollen kommentierte. Das sah man doch!

"Natürlich! Woher denkst du kommt der Bauch sonst? Aber... genug geredet, würdest du mich bitte entschuldigen, ich bin schwer beschäftigt!", sagte ich beiläufig und deutete mit einer Hand an, dass er gehen sollte.
"Womit? Deinen Bauch zu verstecken? Du weißt, dass das nicht klappt, oder?"
Ach was? Danke Schlaumeier!
"Es muss klappen! Ich sehe furchtbar aus!", seufzte ich frustriert. Vater würde sicher rummäkeln, wie unfähig ich sei, das mir selbst das nicht gelang. Aber ich wusste nun mal, dass es unmöglich war, und trotzdem gab ich nicht auf.
"Wenn es jemanden gibt, der niemals schrecklich aussieht, dann bist du das, Tooru."
"Takanori, hör auf! Hast du nichts Besseres zu tun? Wie zum Beispiel von Mutter und Vater verwöhnt werden?", fuhr ich den zukünftigen König Seijohs an. Er brauchte nicht plötzlich den liebevollen kleinen Bruder spielen! Schleimen brachte bei mir erst recht nichts. Aber anstatt meinen Raum zu verlassen, wie angeordnet, setzte er sich dreisterweise auf mein Bett.
Meinte er das ernst? Er sollte gehen!
"Was soll das? Geh! Ich will dich nicht hier haben, Takanori!"
"Aber-"
"VERSCHWINDE!", brüllte ich und er eilte aus dem Raum.
Elende Nervensäge!

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Spanferkel, Pasteten, Wurzelgemüse und vieles mehr wurde auf dem länglichen Tisch im Speisesaal angerichtet. Drumherum König Ushijima, meine Familie und ich. Takanori hatte mir bei meinem Eintreffen einen kurzen, traurigen, dennoch hoffnungsvollen Blick zugeworfen, den ich ignorierte. Das mochte bei meinen Eltern funktionieren, aber sicher nicht bei mir! Was mich jedoch mehr nervte, war, dass er Iwa immer undefinierbare Blicke zuwarf. Er gehörte mir! Er sollte mir nicht auch noch meinen Hajime wegnehmen, es reichte schon, dass er die Liebe unserer Eltern für sich allein beanspruchte.

"Ihr erwartet also ein Kind, ja? Das... freut uns zu hören", gab Mutter von sich. Es war keine Freude oder Begeisterung in ihrem Gesicht zu sehen. Ich hatte bereits vermutet, dass ihnen ihr Enkelkind völlig egal war. Sie hatten auch keine Lust hier zu sein, und mir ging es genauso! Lieber würde ich meine Zeit mit sinnvolleren Dingen verbringen. Aber... das musste warten.
"Nun ja, zumindest schafft er es, Nachkommen in die Welt zu setzen, für alles andere kann man den Jungen vergessen." Da fing es auch schon an. Mein Vater hatte noch kein gutes Wort über mich verloren. Er liebte es, mich vor anderen bloßzustellen. Ihnen zu erzählen, wie nutzlos ich sei. "Wie läuft es denn sonst so? Macht er sich gut?"
"Ich würde ihm kein Königreich überlassen wollen", mischte sich Ushijima ein und mein Vater lachte abfällig.
"Ja, das hätte ich auch nicht erwartet. Omegas gehören nicht ins Königshaus, Tooru ist eine Schande für die ganze Familie!"

Ihnen war bewusst, dass ich hier auch noch saß, oder? Sie würdigten mich keines Blickes und Ushijima und Vater amüsierten sich prächtig! Widerliches Pack!
"Er sperrt sich tagelang ein, weigert sich ein Gemach mit mir zu teilen, schleicht sich aus dem Schloss um dem niederträchtigen Volk zu helfen und ein guter Ehemann davon ist er weit entfernt", fügte der Olivbraunhaarige hinzu und heizte die Situation weiter an. Sofort funkelte mein Vater mich wütend an. Das Thema niederes Volk gefiel ihm überhaupt nicht.
"Verdammt noch mal Tooru, was willst du von diesen Leuten?", fragte er mich und erwartete eine schnelle Antwort, daher zögerte ich nicht lange: "Ihnen helfen."
"Du? Ihnen helfen? Sei doch nicht lächerlich, wie oft habe ich dir verboten, dich mit diesem Pack abzugeben? Sie sterben wie die Fliegen, die tödlichen Krankheiten kümmern sich schon um sie", zischte Vater. "Na hoffentlich setzt du mir einen Alpha in die Welt, Tooru! Dann hättest du einmal in deinem Leben etwas richtig angestellt!", fügte er Kopfschüttelnd hinzu und wandte sich wieder Ushijima zu.

So ging das eine ganze Weile weiter. Sie zogen über mich her, redeten schlecht über mich und machten mich zum Gespött. Und langsam wurde es mir zu viel. Dass ich mir das überhaupt gefallen ließ, aber was hatte ich für eine Wahl?
Aufstehen und gehen!
Und dann? Sie würden nicht aufhören, es amüsierte sie zu sehr.
"Psst! Tooru...", kam es von meinem Bruder. "Hör nicht auf-" - "Takanori!", schimpfte meine Mutter und warf mir einen verächtlichen Blick zu. Ihr ach so heiliger Alpha durfte nicht einmal mit mir reden. Weil ich in ihren Augen Abschaum war. Nicht gut genug für ihren Lieblingssohn.
"Ja, Takanori ist unser ganzer Stolz, er wird ein großartiger König. Nicht wie sein nutzloser Bruder!", ein weiterer verächtlicher Blick. Es... tat weh, auch wenn ich unendlich wütend war. Ich dachte ständig an Iwas Eltern, wie liebevoll sie mit mir umgingen, mich wie einen zweiten Sohn behandelten und nicht wie eine Last.
"Seid ihr endlich fertig? Ich habe es mehr als verstanden!", brummte ich genervt.
"Er beherrscht nicht einmal Anstand! König Ushijima, es tut mir wirklich leid, dass er Ihnen so viel Ärger bereitet!"

Ok, es reicht!

Ich konnte es nicht mehr ertragen und wollte es mir auch nicht mehr antun, deshalb sprang ich auf und schob dabei den Stuhl nach hinten. Alle Augen waren nun auf mich gerichtet, und ich sah ihnen wütend entgegen.
"Den Mist hier höre ich mir nicht länger an! Ich verschwinde!", sagte ich und wollte den Saal verlassen, wurde jedoch aufgehalten.
"Und wieder rennst du weg. Die Wahrheit passt dir nicht! Akzeptiere, dass Omegas nutzlos sind!"
"SIND WIR NICHT!", schlug ich unbedacht auf den Teller vor mir, der zerbrach und die Keramik in meine Haut schnitt. Den Schmerz ignorierte ich vorerst. "ICH bin nicht nutzlos! Ich möchte helfen, aber man lässt mich nicht, weil ich nicht einmal die Chance bekomme, mich zu beweisen! Nein! Stattdessen wurde ich mit einem abscheulichen König verheiratet! Er behandelt mich wie seinen persönlichen Sexsklaven, aber das ist euch ja egal! Seitdem festgestellt wurde, dass ich ein Omega bin, hab ich mich verzweifelt nach eurer Liebe gesehnt! Hab versucht, euch glücklich zu machen und immer habe ich alles falsch gemacht!", ließ ich all den Frust heraus, der mich belastete. Doch ich merkte auch, wie es mir zusetzte, mein Bauch spannte. Ich hielt ihn schmerzvoll und verzog das Gesicht. Es war zu viel, deshalb verließ ich den Speisesaal fluchtartig, ohne ein weiteres Wort.












Im Schatten des ThronesWo Geschichten leben. Entdecke jetzt