Tooru Oikawa
Lexichanx3
Frustriert setzte ich mich im Bett auf, was ohne Iwaleins Hilfe und aufgrund meines geschwächten Körpers länger dauerte. Übrigens, Iwalein wollte sich zu mir legen. Wo trieb er sich herum?
Plötzlich klopfte es zaghaft an der Zimmertür, warum Hajime klopfte, war mir ein Rätsel, aber ich freute mich trotzdem, dass er jetzt da war. Der Dunkelhaarige blieb an der Tür stehen und anstatt sie zu schließen, winkte er jemanden herein. Meine innere Ruhe wurde plötzlich wie von einem Sturm weggeblasen und Wut durchströmte meinen Körper, als ich sah, dass mein Bruder den Raum betrat. Was tat er hier? Woher wusste er wo wir waren? Aber eher fragte ich mich, wieso Hajime Takanori in die Hütte ließ. Hatte er den Verstand verloren? Er würde es meinen Eltern erzählen und sie wiederum Ushijima!
"Tooru!", jammerte Takanori und warf sich in meine Arme. Sein bitterliches Schluchzen verursachte eine feine Gänsehaut auf meinem Rücken, aber ich wusste, dass er es nicht ernst meinte. Er hatte sich nie für mich interessiert. Er hatte nie versucht, mich zu beschützen, wenn Vater oder Mutter auf mir herumhackten. Er sprach nie mit mir, sondern sah mich schweigend an, mit einem Blick, den ich nicht deuten konnte. Wenn er in meiner Situation gewesen wäre, hätte ich alles anders gemacht und meinen Bruder nicht von mir gedrängt, egal ob älter oder jünger.
Mit meinen schwachen Armen drückte ich den Blondhaarigen irgendwie von mir weg und schrie: "Verschwinde! Hajime... wie kannst du es... wagen? Er... wird uns verraten!", hustete ich zwischendurch, da mein Hals extrem trocken war. Takanori reichte mir den Becher mit Wasser, der auf dem Nachttisch stand, aber ich schlug ihn ihm direkt aus der Hand. Hajimes Geduld war am Ende und nun war er es, der mich zusammenstauchte.
"Tooru, spinnst du! Er ist dein kleiner Bruder, gib ihm doch endlich eine Chance! Du benimmst dich wie ein Kleinkind!"
Wie bitte? Wie ein Kleinkind? Wusste er, dass er unser Leben hier aufs Spiel setzte? Takanori hatte ihn um den Finger gewickelt und sich eingeschmeichelt. Iwa fiel auf seine billigen Tricks herein, aber ich nicht!
"Er soll... verschwinden! Und wenn er es wagt... jemandem von der Waldhütte zu erzählen... drehe ich ihm... den Hals um!", ich bekam kaum Luft vor lauter Husten und Wutausbruch. Ein Hustenanfall überkam mich und ich brauchte Wasser. Genau das, was ich zuvor aus der Hand meines Bruders geschlagen hatte.
Hajime mischte sich nicht ein, während Takanori meinen Becher mit Wasser füllte und mir reichte. Ich trank es in einem Zug aus und stellte den Becher zurück auf den Nachttisch. Mein Hals fühlte sich besser an und das Sprechen sollte nun leichter fallen.
"Tooru, als ich gehört habe, dass du vergiftet wurdest, wollte ich sofort zu dir kommen."
"Wow, ziemlich spät, findest du nicht?"
"Tooru!", zischte der Dunkelhaarige warnend und setzte sich an den Rand des Bettes. Ich rollte genervt die Augen. Was denn? Ich sagte doch die Wahrheit. Wenn ich ihm nur ein bisschen wichtig wäre, wäre er nicht erst nach fast fünf Wochen hier aufgetaucht.
"Ich wusste doch nicht, wo du bist! Bis ich Mattsun fragte und die erste Gelegenheit nutzte, mich aus dem Schloss zu schleichen. Ich... wurde das erste Mal erwischt und musste ein paar Tage warten, bevor ich einen weiteren Versuch wagte. Deshalb bin ich erst jetzt hier..." Eine Ausrede nach der anderen. Er und sich aus dem Schloss schleichen? Vater hatte ihn beauftragt, mich zu finden, er sollte es einfach zugeben.
"Hör auf mit deinen Lügen! Du verabscheust mich genauso sehr wie unsere Eltern! Geh jetzt, ich brauche meine Ruhe!" Ich drehte mich weg und kuschelte mich wieder unter die Decke, die ich mir bis über die Ohren zog.
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Der Abendhimmel wurde von roten und orangefarbenen Wolken durchzogen, während ich den Sonnenuntergang vom Bett aus beobachtete. Mein Hajime war wieder nicht hier und da ich mich noch nicht traute, alleine das Bett zu verlassen, saß ich hier und langweilte mich. Ich wollte hinuntergehen und ihn zur Rede stellen, aber er unterhielt sich sicherlich prächtig mit diesem Verräter! Sonst war mein Knappe doch auch vorsichtig und bei meinem Bruder nicht? Er war doch beim selben Familienessen wie ich gewesen, oder? Hatte er mitbekommen, wie meine Familie zu mir stand? Dass ich als Omega eine Schande für sie war? Nein. Das hatte er wohl alles vergessen und Takanori hielt dasselbe von mir!
"Ist mein Prinzesschen immer noch eingeschnappt?", kam es von Hajime der am Türrahmen lehnte.
"Erstens bin ich nicht dein Prinzesschen und zweitens bin ich nicht eingeschnappt!", sagte ich die Arme verschränkend. "Ich hoffe für dich, dass mein Bruder-" - "Tooru?", unterbrach genau dieser mich. Er war also immer noch hier. "Ich gehe erst, wenn du mich ausreden lässt...", beharrte er hartnäckig, woraufhin ich ihm einen verächtlichen Blick zuwarf.
"Dann musst du wohl oder übel hier versauern!"
Iwa kam auf mich zu und drückte meine Wangen mit seinen Fingern zusammen. Er schnaubte verbittert: "Ist dir klar, dass man nach ihm suchen wird? Und dann werden wir hier auch nicht mehr sicher sein! Rede mit ihm, oder ich werde euch beide euren Eltern übergeben!", sagte er und verließ das Zimmer, ließ mich alleine mit Takanori zurück. Mein Iwalein würde mir so etwas niemals antun! Aber er hatte Recht, was die Suche nach meinem Bruder betraf. Schließlich war er ihr Lieblingskind und er war verschwunden. Natürlich würden sie sämtliche Ritter und Kyotani, seine Leibwache, aussenden, um ihn zu finden.
"Na gut... dann sag schon, was willst du?", sagte ich genervt und lehnte mich zurück, um ihm die Chance zu geben, sich auszusprechen. Ich würde auch nicht dazwischenfunken, desto schneller wäre ich ihn los.
"Tooru, ich... wollte immer so sein wie du. Du hast immer den Kranken und Armen geholfen, und ich habe dich früher gerne dabei beobachtet. Das ehrliche Lächeln auf deinen Lippen, wenn du ihnen eine Freude machen konntest. Ich... ich möchte ihnen auch helfen!", sagte er zuversichtlich. Damit hatte er meine volle Aufmerksamkeit. Meinte er das ernst? An seinem achtzehnten Geburtstag würde er zum König gekrönt werden und er hätte die Möglichkeit, die mir verwehrt blieb. Doch bevor ich darauf reagierte, hörte ich ihn bis zum Ende zu. "Aber Mutter und Vater sind der Meinung, dass es falsch ist. Dass du mir diesen Mist eingeredet hättest und seitdem sollte ich mich von dir fernhalten. Sie sagten, ich dürfte mich nicht mit einem schwachen Omega abgeben, dabei bist du so... verdammt stark. Du hast viel mit unseren Eltern durchgemacht und ich habe mich nie getraut, etwas zu sagen. Es tut mir unendlich leid, Tooru. Du... bist mein Bruder und... ich... ich hab dich doch lieb Tooru."
Verdächtigt zitterte seine Unterlippe und er wischte sich über die Augen. Sein Körper bebte, als er laut schluchzte. Der Anblick lastete wie ein schwerer Stein in meinem Magen und ließ mich unwohl fühlen. Takanori hatte all die Jahre viel durchgemacht und weil ich ihn von mir gestoßen hatte, hatte er niemanden, dem er sich anvertrauen konnte. Immerhin hatte ich Makki und Mattsun, mit denen ich über alles redete und nicht alles in mich hineinfressen musste.
Verdammt nochmal, ich hatte ihn doch genauso lieb! Ich hatte ihn für etwas verurteilt, wofür er nichts konnte. Ich dachte die ganzen Jahre, dass er mich wegen meines zweiten Geschlechts verabscheute. Meine Augen brannten und ich spielte nervös mit meinen Fingern. Ein furchtbarer großer Bruder war ich...
"Als wir Kinder waren, waren wir unzertrennlich, hast du das alles vergessen?", fragte er. Nein, vergessen hatte ich es nicht, nur verdrängt. Damals war alles noch perfekt und meine Eltern liebten mich. Dann stellte sich heraus, dass ich ein Omega war. Während meine Eltern unzufrieden aussahen und den Arzt für unfähig erklärten, hielt Takanori stolz meine Hand, lächelte mich breit an und sagte, dass er es toll fand, dass ich ein Omega war. Zu diesem Zeitpunkt war er etwa sechs Jahre alt und wusste nicht, was es für unsere Eltern bedeutete. Gewaltsam wurde Takanori daraufhin von mir weggerissen. In diesem Moment brach mein Herz in tausend Stücke und ich sah nie wieder einen Funken Liebe in den Augen meiner Eltern, zumindest nicht, wenn es mich betraf. Verständlicherweise wurde mein Bruder verwöhnt, besonders als herauskam, dass er ein Alpha war.
"Es... tut mir leid...", flüsterte ich und vergrub mein Gesicht in meinen Händen. Ich weinte bitterlich und fühlte mich unendlich schlecht. Zwei Arme legten sich um mich und ich erwiderte Takanoris Umarmung zögerlich.
"Ich möchte, dass du weißt, dass ich ab jetzt immer für dich da bin. So oft wie möglich werde ich dich hier besuchen kommen, schließlich möchte ich meine Nichte oder meinen Neffen kennenlernen", lächelte er mit geröteten Augen und ich nickte nur.
"Danke Nori..."
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Im Schatten des Thrones
Fiksi PenggemarAls schwacher Omega und Prinz hat Oikawa keine große Wahl und wird wegen einer Vereinbarung seines Vaters und dem König Shiratorizawas mit diesem zwangsverheiratet. Wenig begeistert von seiner Situation, hat Oikawa scheinbar keine große Wahl. Doch d...
