Kapitel 47

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Tooru Oikawa
Lexichanx3

Vielleicht war es von Anfang an ein Fehler mit uns...
Worte, die schmerzhaft in meinen Kopf eingebrannt waren und mir starke Bauch- und Kopfschmerzen bereiteten. Nur weil ich vor Wut die Kontrolle verloren hatte und ihm eine Ohrfeige gegeben hatte, wollte er mich verlassen? Das war nicht meine Absicht gewesen! Ich hatte mich doch entschuldigt! Als Hajime eilig die Hütte verließ, verschwand meine Wut wie durch ein Fingerschnippen. Stattdessen breiteten sich Angst und Sorge aus. Seit seiner Rückkehr ignorierte er mich und wir schliefen in getrennten Zimmern, was mir das Herz buchstäblich brach. In dieser Nacht weinte ich mich am Esstisch in den Schlaf, Amisa strich beruhigend über meinen Rücken und blieb still. Doch innerlich brodelte es in ihr, sie war wütend, das spürte ich deutlich.

Einige Tage vergingen, in denen er kein einziges Wort mit mir sprach. Nicht einmal, wenn er mir etwas reichte, weil ich nicht herankam. Meistens drückte er es mir fest gegen die Brust, sodass ich einen Schritt nach hinten stolperte. Mit seiner Mutter hingegen sprach er teilweise, sie hatte am nächsten Morgen eine Diskussion mit ihm geführt, bei der sie ihm ordentlich die Meinung sagte. Trotzdem ignorierte er weiterhin meine Versuche, ein Gespräch mit ihm anzufangen. Seit der Ohrfeige fühlte ich mich schrecklich und konnte nicht gut schlafen, was täglich mehr an meinen Kräften zehrte.

Ich stand erschöpft an der Küchenzeile gelehnt und schnaufte. Egal was ich tat, es war unglaublich anstrengend. Die Schwangerschaft trug dazu bei, aber hauptsächlich war es meine Müdigkeit.
"Tooru, leg dich hin, ich mache den Rest", sagte Amisa liebevoll und zugleich besorgt, während sie mir sanft über die Wange strich. Doch ich schüttelte nur den Kopf und wollte den Tisch abwischen, danach wäre die Küche fertig. Plötzlich wurde mir das Leinentuch aus der Hand genommen und ich wurde zur Seite geschoben. Verwirrt sah ich Hajime an, der meine Aufgabe übernahm und mich dann kalt ansah: "Du hast meine Mutter gehört." Seine kalte Art verletzte mich, aber es erleichterte mich auch, dass er überhaupt mit mir sprach. Das war ein Anfang und vielleicht würde er mir jetzt zuhören.
"Haji-" - "Nein, Oikawa!"
O-Oikawa? Er nannte mich wieder bei meinem Nachnamen? Das traf mein Herz schwer. Aber vorerst drängte ich es in den Hintergrund, denn ich wollte hartnäckig bleiben.
"Hör mir gefälligst zu, Hajime!", sagte ich bestimmt, was ihn dazu brachte, mich schnaufend anzusehen.
"Und was ist, wenn nicht? Wirst du mich dann wieder schlagen?"
"Wa-? N-Nein! Wie oft soll ich mich noch dafür entschuldigen?" Ich wusste, dass ich es verdient hatte, dass er mir Vorwürfe machte und deshalb wütend war. Aber ich würde diesen schwerwiegenden Fehler niemals wiederholen.
"Sei deswegen wütend, das ist in Ordnung, aber gib mir die Chance, mich zu erklären", bat ich um Verständnis. Verächtlich lachte er und schüttelte ungläubig den Kopf.
"Oh? Du willst, dass ich dir zuhöre, aber du gibst mir keine Chance, mich zu erklären?"
Was Ushijima betraf, gab es nichts zu erklären! Er wollte ihn alleine stürzen, wie kam man auf so eine dumme Selbstmord-Idee?
"Warum sollte ich mir dein Selbstmordkommando anhören wollen? Wenn ich mit dieser dummen Idee um die Ecke käme, würdest du genauso reagieren!"
"Aber im Gegensatz zu dir könnte ich diesen Gedankengang verstehen! Ushijima wird immer eine Bedrohung für uns sein, solange er lebt!" Warum hielt er so sehr an diesem Abschaum von König fest? Irgendwann würde ihn jemand stürzen, aber nicht mein Iwalein! Vor allem nicht alleine! Egal, welchen Plan er sich ausdachte, ohne eine Armee von Rittern würde er es nicht schaffen. Ich wollte es nicht verstehen, denn es gab wichtigeres!

"Das mag sein, aber denk doch bitte an mich oder wenigstens an dein Kind! Ich... ich...", sagte ich verzweifelt und schluckte den Kloß in meinem Hals hinunter, bevor ein heftiges Schluchzen meine Kehle verließ. "Ich... möchte dich nicht verlieren, Haji...", murmelte ich ängstlich und legte meine Arme um meinen Bauch. Ich brauchte meinen Knappen so sehr...
Ich beendete das Gespräch, indem ich die Hütte verließ und mich auf einer der Treppenstufen niederließ. Es war einfach zu viel, meine Erschöpfung machte mir zu schaffen und die plötzliche unangenehme Spannung in meinem Bauch machte es noch unerträglicher. Ein paar Mal atmete ich tief ein und aus, das half nicht viel, aber es beruhigte mich ein wenig.

Ich verbrachte eine lange Zeit vor der Hütte, hatte Kiyoshi gefüttert und mich beruhigend an ihn geschmiegt.
"Kannst du Hajime nicht davon abbringen? Du willst doch sicherlich auch nicht, dass ihm etwas passiert, oder?", sprach ich mit dem Pferd. Es schüttelte schnaubend den Kopf, als hätte es jedes Wort genau verstanden. Anfangs fühlte es sich ein wenig seltsam an, sich mit einem Pferd zu unterhalten, aber es half mir wiederum. "Eines muss ich dir lassen, Kiyoshi, du bist ein guter Zuhörer", schmunzelte ich, als ich ein Murmeln aus der Ferne hörte. Plötzlich sah ich in die Richtung, aus der die Stimmen kamen, und meine Augen weiteten sich ängstlich. Nein, das war unmöglich! Man hatte uns gefunden! Panisch eilte ich so schnell wie möglich in die Hütte.

Ich hielt mir außer Atem den Rücken, der mittlerweile auch Schmerzen verursachte.
"H-Haji...", schnaufte ich erschöpft. Seine Mutter und er selbst kamen besorgt auf mich zu. "Sie... sie sind...", keuchte ich und konnte keinen vernünftigen Satz formulieren. Dabei war es verdammt dringend!
"Was ist los, Tooru?"
"Lass ihn erstmal durchatmen, er ist völlig außer Atem", legte Amisa eine Hand auf meine Schulter, bevor ich mich aufrichtete, nachdem ich ihrem Rat nachkam.
"Semi und... Shirabu. Sie... sie sind hier!", zitterte meine Stimme und ich warf mich dabei in die Arme meines Knappen. Allerdings handelte er instinktiv und drückte mich von sich, als er mit einer Hand nahe seines Dolchs die Hütte verließ.

"Was... tut er?"
"Er beschützt uns! Wir sollten uns verstecken, Tooru!", sagte sie nun auch mit einem Hauch von Panik in der Stimme. Beschützen? Mit einem mickrigen Dolch? Sie waren zu zweit oder sogar mehr und er wollte sich mit einem Dolch verteidigen?
Moment! Sein Schwert! Es kam mir sofort in den Sinn, da er es im Schlafzimmer im Schrank aufbewahrt hatte. Amisa und ich eilten nach oben, aber anstatt mich zu verstecken, ging ich zum Schrank und holte das Schwert heraus und zog es aus der Scheide. Ich schluckte schwer, als meine Hände anfingen zu zittern. Dafür hatte ich jetzt wirklich keine Zeit! Die Bilder, die sich in den Vordergrund drängen wollten, ignorierte ich und auch Amisas Worte gingen an mir vorbei. Ich musste Hajime sein Schwert bringen. Mit dem Schwert in beiden Händen und nach vorne gerichtet, lief ich mit zitterndem Körper nach draußen. Die beiden Ritter hatten uns bereits erreicht und Hajime stand am oberen Ende der Treppe bereit anzugreifen, falls sie eine falsche Bewegung machten.
"V-Verschwindet!", brüllte ich stotternd. Ich kämpfte weiterhin gegen die Panikattacke an, aber durch meinen Schlafmangel und meine Erschöpfung war es mir unmöglich. Ihre Worte verstand ich schon nicht mehr, als meine Sicht plötzlich verschwamm und alles schwarz vor meinen Augen wurde.












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