Hajime Iwaizumi
Mitzunex3
Nachdem er uns ein wenig bei der Hausarbeit geholfen hatte, entschied Tooru sich hinzulegen. Es gefiel mir nicht, dass er bei körperlicher Arbeit half, da er schnell erschöpft war und viele Pausen brauchte. Ich bezweifelte, ob das so gut für das Baby war, aber er setzte seinen Sturkopf gerne durch. Jetzt zog ich definitiv einen Schlussstrich.
"Kann ich dich etwas fragen, Hajime?", fragte Mutter mich plötzlich. Ich nickte auf ihre Frage. "Was hält dich nachts wach, dass du ständig durch die Hütte läufst?"
Ich verschluckte mich an meinem Wasser und hustete, bis ich mich wieder beruhigt hatte. Meine Mutter schnitt unbeirrt das Gemüse weiter, aber ihr scharfer Blick ließ mich unwohl fühlen, also wich ich ihm aus.
Hajime, denk dir eine gute Ausrede aus!
Innerlich fluchte ich und suchte fieberhaft nach einer plausiblen Lüge, aber es war schwierig, meine Mutter anzulügen. Ich tat es ungern, da es respektlos war und wenn ich es doch tat, bemerkte sie es meistens sofort. Sie sah mich erwartungsvoll an und mein Herzschlag erhöhte sich vor Nervosität. Vielleicht würde ihr eine Halbwahrheit genügen. Ich starrte auf meine Hände, die das Glas hielten, und begann zu erklären: "Ich schlafe immer noch schlecht, mir geht viel durch den Kopf." Doch das genügte ihr nicht, denn sie sah mich abwartend an, also überlegte ich und sprach weiter. "Ich mache mir große Sorgen um Tooru und das Kind, sodass ich keine Ruhe finde. Außerdem sind wir vorerst sicher, aber das könnte sich plötzlich ändern." Jede Nacht fragte ich mich, wie es weitergehen sollte. Ich wollte auf keinen Fall, dass mein Kind in Angst aufwuchs und ständig flüchten musste. Früher oder später würden sie uns hier finden und dann könnte ich uns nicht mehr beschützen, deshalb musste ich handeln. Daher überlegte ich mir einen Plan, um Ushijima zu stürzen. Aber alleine würde es schwierig sein, gegen die Ritter anzukommen, vor allem gegen diejenigen, die mehr Erfahrung hatten als ich. Doch mein Alpha verlangte nach Rache, denn Ushijima hatte unserem Omega schlimme Dinge angetan. Solange er noch lebte, würden wir keine Ruhe finden, weder mein Alpha noch ich.
"Du machst dir Sorgen, aber es geht beiden gut. Toorus Zustand verbessert sich jeden Tag und euer Baby ist ein Kämpfer. Und ich bin sicher, dass ihr hier für eine lange Zeit sicher sein werdet. Konzentriere dich auf Tooru, er wird jede Unterstützung brauchen", sagte meine Mutter ruhig und mitfühlend zu mir, während sie vorerst das Messer beiseite legte. Ich wusste, dass meine Mutter recht hatte und ich mich jetzt um Kawa kümmern sollte, aber... Ushijima ließ mir keine Ruhe. Sie nahm mein Gesicht in ihre Hände und sah mich an.
"Warum zweifelst du an eurer Sicherheit? Du warst doch so sicher, dass euch hier niemand finden würde?", fragte sie nachdrücklich. Ich legte meine Hände auf ihre, um sie von meinem Gesicht wegzunehmen und Abstand zwischen uns zu schaffen.
"Weil Ushijima nicht aufgeben wird, solange er lebt. Und wenn er uns findet, wird er uns sofort hinrichten lassen. Deshalb muss ich mich darum kümmern. Ich will mein Kind und Tooru in Sicherheit wissen und nicht mein Leben lang versteckt oder auf der Flucht sein müssen", erklärte ich mit einer tiefen und bedrohlichen Stimme, und ihr Blick veränderte sich sofort zu Fassungslosigkeit. Ab diesem Moment merkte ich, dass ich zu viel erzählt hatte.
Die Atmosphäre änderte sich plötzlich und es kam zu einer Auseinandersetzung.
"Halt, halt, halt! Habe ich dich richtig verstanden? Du willst Ushijima stürzen? Hajime spinnst du?", wurde sie immer lauter und es hallte durch die gesamte Hütte. Natürlich verstand sie mich nicht!
"Ja, du hast es erfasst! Jemand muss es ja tun!"
"Aber nicht du! Hajime, du bist ganz alleine, hast du den Verstand verloren?", schrie sie aufgebracht und funkelte mich wütend an. Ich schwieg und sah weg. Zu meinem Pech stand plötzlich Oikawa neben mir, der genauso wenig begeistert war und mich ebenfalls wütend anfunkelte.
"Haji! Ich habe mich wohl verhört!", schnaubte er, während er mir tief in die Augen sah. Wut loderte in seinen Augen und das rehbraun wirkte dunkler als sonst.
"Warum denkst du immer noch an Ushijima? Vergiss ihn und konzentriere dich auf uns, anstatt auf diesen abscheulichen König!", begann er mich anzuschreien und hielt mir eine Predigt. Meine Mutter nickte ab und an, schrie mich ebenfalls an. Sie stand wohl voll und ganz hinter Kawa, was mir einen Stich in die Brust versetzte. Ich tat es für sie, für Tooru und das Kind, aber ich wurde nicht verstanden, was mich verletzte und wütend machte. Außerdem wollte ich endlich die Bindung zwischen Ushijima und Kawa lösen.
Nach einer Weile hörte ich den beiden überhaupt nicht mehr zu. Ich fühlte mich wie ein kleines Kind, das Ärger von seinen Eltern bekam. Trotz der Standpauke würde ich es durchziehen! Sie konnten mich mal! Ich wollte nur das Beste für meine Familie, dass wir ohne Sorgen oder Ängste leben konnten, warum verstanden sie das nicht? Leider stieß ich auf taube Ohren.
"Hajime, hörst du uns überhaupt zu?", schimpfte meine Mutter.
"Nein, warum sollte ich? Ich kann mich ja nicht einmal erklären."
"Es gibt nichts zu erklären, Haji!", sagte Oikawa und ich sah ernüchtert zu ihm. Ein Schnauben entkam mir. "Ich dachte, ich könnte auf eure Unterstützung zählen, aber da habe ich mich wohl geirrt!"
"Was soll das bitte heißen? Sollen wir etwa dein Selbstmordkommando gutheißen? Wie wäre es, wenn du dich lieber auf deine Familie konzentrierst? Wir bekommen in wenigen Monaten ein Baby, Haji!", sagte Kawa fassungslos.
"Tue ich doch."
"Tust du nicht!", widersprach er sofort, was mich seufzen ließ. "Ich bin enttäuscht von dir, Iwa", mein Blick wurde in dem Moment wütend. Ich fuhr ihn grober an als beabsichtigt.
"Wie bitte? Du bist enttäuscht von mir? Ich mache mir Gedanken um unsere Zukunft, verdammt noch-", ein lautes Klatschen unterbrach mich und ich spürte daraufhin ein Brennen an meiner Wange. Geschockt weiteten sich meine Augen und ich sah entsetzt zu Tooru, der mir eine Ohrfeige verpasst hatte. Als ihm bewusst wurde, was er getan hatte, sah er mich ängstlich an und seine Stimme zitterte vor Schock: "Haji, ich... es... es tut mir leid! Das wollte ich nicht...", er versuchte, mir über die Wange zu streichen, aber ich schlug seine Hand weg.
Aus der Wut heraus sagte ich enttäuscht: "Vielleicht war es von Anfang an ein Fehler mit uns... Ich tue all das für uns und als Dank schlägst du mich? Auf einen Partner wie dich kann ich gut und gerne verzichten!", resigniert sah ich ihn an. Gewalt in einer Beziehung konnte ich nicht ertragen, generell hielt ich nichts davon. Das sagte ausgerechnet ich, der Ushijima stürzen wollte, aber er hatte es verdient! Er hatte meinem Omega geschadet, wollte mich hinrichten und meine Familie war seitdem in Gefahr. Und da machte ich eine Ausnahme! Doch was die Ohrfeige von Tooru anging, diese sorgte für einen tiefen Riss in unserem Vertrauensverhältnis. Und wie sollte ich wissen, dass ihm nicht noch einmal die Hand ausrutschte? Obwohl ich fest daran glaubte, dass es wirklich ein Einzelfall war und es nie wieder vorkam.
Mein Blick wurde düster und leer. Enttäuscht und wütend stand ich abrupt auf und verließ die Küche. Hinter mir hörte ich meine Mutter und Kawa nach mir rufen, aber ich ignorierte es. Ich musste hier weg, aus der Hütte raus, einfach weg, wo ich meine Ruhe hatte.
Erst spät in der Nacht kam ich zurück und hoffte, dass beide schliefen, aber zu meinem Bedauern brannte Licht. In den letzten Stunden hatte ich viel nachgedacht und war fest entschlossen, was meinen Plan betraf. Natürlich hatte ich nicht vor, alleine ins Königreich Shiratorizawa einzudringen. Ich würde sicher Unterstützung bekommen und wenn ich Mattsun und Makki um Hilfe bat.
Leise betrat ich die Hütte, zog meine Schuhe aus, die ich einfach in die Ecke trat. Als meine Ankunft wohl bemerkt wurde und ich Schritte hörte.
"Haji! Du bist endlich zurück, ich habe mir Sorgen um dich gemacht!", schluchzte er mit geröteten Augen, aber das berührte mich im Moment einfach nicht.
"Lass mich in Ruhe", antwortete ich trocken, ohne jegliches Gefühl in meiner Stimme und ging einfach an ihm vorbei die Treppe hoch. Ich betrat das Zimmer, in dem meine Mutter schlief, denn dort standen zwei Einzelbetten. Neben Tooru wollte ich erstmal nicht schlafen, das hatte er sich selbst zuzuschreiben.
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Im Schatten des Thrones
FanfictionAls schwacher Omega und Prinz hat Oikawa keine große Wahl und wird wegen einer Vereinbarung seines Vaters und dem König Shiratorizawas mit diesem zwangsverheiratet. Wenig begeistert von seiner Situation, hat Oikawa scheinbar keine große Wahl. Doch d...
