Kapitel 41

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Tooru Oikawa
Lexichanx3

Panisch blickte ich auf den Pfeil, der in meinem Oberschenkel steckte, als Iwa ihn plötzlich umgriff. Er hatte doch nicht-! Ich zischte vor Schmerz, als er ihn ohne zu zögern rauszog. Es tat höllisch weh. Das hätte er ja wohl etwas sanfter machen können!
Sein Blick haftete auf der Pfeilspitze, woraufhin seine Augen sich ängstlich weiteten und seine Stimmung änderte sich von jetzt auf gleich schlagartig. Er wirkte noch aufgebrachter, das spürte ich deutlich. Was war nur los? Als er dann Kiyoshis Tempo erhöhte, wurde ich etwas unruhig. Warum sagte er mir nicht, was los war? Wenn es wegen des Pfeils war, ging es mir doch gut? Es schmerzte ein wenig, aber das würde bald nachlassen. Ich war einfach nur froh, dass wir endlich zusammen von hier wegkamen. Nichts würde uns mehr trennen!

Einen halben Tagesritt später spürte ich, wie ich immer schwächer wurde. Etwas stimmte überhaupt nicht. Es wurde immer schwieriger, meine Augen offen zu halten, und ich hatte das Gefühl, kaum Luft zu bekommen. Ich konnte nicht einmal mehr Iwa ansprechen, mir fehlte die Kraft dazu. Als ich auf meinen Oberschenkel sah, bemerkte ich, dass der Leinenstoff der Hose um die Stelle, an der der Pfeil steckte, rötlich verfärbt war, aber ich litt nicht unter starkem Blutverlust. Was hatte Hajime an der Pfeilspitze so erschreckt?

Erschöpft lehnte ich mich an die Schulter des Knappen und beobachtete die verschwommene Landschaft, während ich verzweifelt versuchte, meine Augen offen zu halten.
"I...wa...", flüsterte ich so leise, dass er es nicht einmal hörte. Ich konnte nicht mehr und nahm nur noch wahr, dass mein Hajime mit jemandem laut sprach, aber ich verstand nicht, was sie sagten. Alles klang, als ob mir Watte in die Ohren gestopft worden oder ich unter Wasser wäre. Die Gassen, durch die wir anschließend ritten, verschwammen immer mehr. Kiyoshi hielt an, als meine Augen schließlich zufielen und ich spürte, wie ich seitlich vom Pferd rutschte.

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Flatternd öffneten sich meine Augen und ich keuchte geschwächt. Vor mir konnte ich eine verschwommene Gestalt erkennen, die langsam klarer wurde. Hajime? Nein, Moment mal... dieses rotbraune Haar und die braunen Augen kamen mir bekannt vor... Makki?
Ein erleichtertes Lächeln zierte sein Gesicht, als er rief: "Jungs! Oikawa, er... er ist wach!", hörte ich seine Stimme leise. Dann tauchten zwei weitere Köpfe über mir auf, Mattsun und mein Iwalein. Als ich den Dunkelhaarigen sah, fühlte ich eine Erleichterung in mir aufsteigen. Er war hier... bei mir. Genau wie... meine Freunde. Ich wollte vor Freude lächeln, konnte es aber nicht. Waren wir jetzt sicher? Würde man uns hier im Königreich nicht finden?

"Tooru, ich bin so erleichtert!", sagte Iwa und zog mich sanft in seine Arme. Meine Arme hingen schlaff herunter, sonst hätte ich die Umarmung gerne erwidert.
"Iwaizumi! Er ist noch lange nicht über den Berg! Wenn wir Glück haben, können die Kräuter gerade mal die Ausbreitung des Giftes stoppen", schimpfte Makki mit ihm, und ich wurde wieder auf die Matratze gelegt. Gift? Ich... wurde vergiftet? Der Pfeil! Deshalb hatte er die Pfeilspitze ängstlich betrachtet, was auch die Unruhe erklärte, die ich beim Knappen spürte. Besorgt wanderte meine Hand zu meinem Bauch. War das Baby in Gefahr? Natürlich war es das! Seit einem Tag breitete sich ein Gift in mir aus. Stumm liefen mir die Tränen über die Wange, denn ich brachte kein Wort heraus. Ich wollte ihnen sagen, dass ich um mein Baby besorgt war. Ich wollte fragen, ob es eine Chance gab, dass ich es in ein paar Monaten in meinen Armen halten konnte.

Mein Hajime setzte sich auf den Bettrand und wischte mir die Tränen aus dem Gesicht.
"Ich verspreche, dass dir und unserem ungeborenen Kind nichts passieren wird. Makki und Mattsun werden herausfinden, um welches Gift es sich handelt und dir eine Kräutermischung zubereiten, die dir helfen wird!", sagte er sanft, strich über meine Wange und küsste meine Lippen zärtlich. "Wir werden auch bald aufbrechen, denn hinter den Mauern des Königreichs Seijoh sind wir nicht sicher. Ushijima wird sicherlich nach uns suchen lassen." Ich versuchte zu fragen, wohin wir gehen würden, aber es kam nur ein angestrengtes Keuchen heraus. Der Knappe küsste meine Hand und legte sie dann auf seine Wange. Die Berührung fühlte sich seltsam an, als wären meine Finger taub. Das Gift setzte mich nach und nach immer mehr außer Gefecht.
"Makki und Mattsun kennen einen perfekten Ort, an dem wir sicher sein werden, Tooru. Eine große Hütte, tief im Wald - gut versteckt. Dort wird uns niemand finden", antwortete er auf meine unausgesprochene Frage. Ich nickte leicht, um ihm zu zeigen, dass ich verstand. Ich hoffte, dass wir in dieser Hütte wirklich so unentdeckt bleiben würden, wie Hajime glaubte.

Noch in der Nacht wurde ich geweckt, als Mattsun seine Arme unter meine Kniekehlen und den Rücken legte, um mich hochzuheben. Er trug mich nach draußen und mit Hilfe von Makki und Iwa hievten sie mich aufs Pferd. Es war schwer für mich, mich aufrecht zu halten, aber Hajime half mir, indem er einen Arm um mich legte und meinen Kopf an seine Halsbeuge legte.
"Takahiro, du bleibst hier, ich werde ihnen die Hütte zeigen und komme sofort zurück", sagte Mattsun, bevor er ihn küsste. Ich war überrascht, da ich wusste, dass sie sich schon lange kannten, aber nie gedacht hätte, dass sie mehr als freundschaftliche Gefühle füreinander hegten. Trotzdem freute ich mich für sie und fand, dass sie gut zusammenpassten.

Von unserer kleinen Reise habe ich nicht viel mitbekommen. Das erste, was ich von der Hütte sah, war die hölzerne Decke, die sich in meinem Blickfeld befand, als ich am frühen Morgen müde meine Augen öffnete. Langsam drehte ich meinen Kopf und sah die spartanische Einrichtung, bestehend aus einem großen Bett, einer Kommode und einem Spiegel. Etwas anderes hatte ich gar nicht erwartet in einer Waldhütte.
Erst jetzt bemerkte ich das leichte Gewicht auf meinem Bauch und erkannte den Haarschopf meines Partners. Eine angenehme Wärme durchströmte meinen Körper, als ich Hajimes leise Stimme hörte. Ich verstand nur einzelne Wörter, aber sie rührten mich zu Tränen, denn ich wusste genau, was sie bedeuteten.
Papa beschützt dich und Mama. Niemals wieder werde ich zulassen, dass euch nur ein kleiner Hauch zustößt. Das jemand euch etwas Böses oder euch weh tut. Ich verspreche es mit meinem Leben, Kleines.










Im Schatten des ThronesWo Geschichten leben. Entdecke jetzt