Wo der kalte Boden auf meine Haut trifft, ist irgendwie angenehm. Einmal an nichts denken, wenn sogar Gedanken verloren sein. Der Musik lauschen, ohne ein Wort sagen zu müssen. Einfach alleine sein. Ohne diese ganzen falschen Gesichter um dich herum.
Als Jade starb, hab ich aufgehört an die Menschheit zu glauben. Ich habe die Welt mit anderen Augen gesehen. Ich habe gesehen, wie sie wirklich ist. Für mich ist seit ihrem Tod alles grau. Ihr Lächeln, ihre Augen, ihre Umarmungen und Worte. Einfach sie. Als sie ging hat sie einiges mitgenommen. Ich habe schon immer gerne schwarz getragen, aber als Jade starb, bekam die Farbe für mich eine Bedeutung. Trauer und das Gefühl selbst zu sterben. Als würdest du irgendwie, an irgendwas ersticken. Ich bin mir ziemlich sicher, dass viele die Farbe schwarz als Trauer sehen, aber ich glaube nur ein paar, sehen es mit einem weiteren Grund, wie ich. Ich glaube, wenn man jemanden verliert, den man über alles liebt, ist jeder Mensch am Ende. Jeder der jemanden sehr wichtigen verloren hat, weiß, dass man in einem freien Fall ist und dann hart auf dem Boden aufkommt. Sehr hart. Aber bei den meisten vergeht das Gefühl. Glaube ich. Mit der Zeit. Aber ich habe seit Jade's Tod, an dem Tag als ich erfuhr das sie tot sei, das Gefühl selbst zu Sterben. Ich weiß, dass sie ein großen Teil von mir mitnahm. Ich weiß, dass ein Teil von mir mit starb.
Ich finde nicht, dass man unsere Welt als schön bezeichnen kann. Ich verstehe unter schön etwas anderes. Und unsere Gesellschaft ist an allem schuld. Nicht nur, dass sie die Welt und somit sich selbst zerstören, Sondern auch, sobald man mal tief am fallen ist, sieht man wie die Menschen wirklich sind. Sie interessiert es nicht, ob es anderen gut geht. Es gibt nur ein 'sie alleine und nicht mehr'. Ich habe den Spruch 'Erst im dunkeln erkennst du, wie sie wirklich sind' nie verstanden. Jetzt verstehe ich ihn. Früher hab ich meine "Freunde" wirklich als Freunde bezeichnet. Ich konnte mit Ihnen jeden scheiß machen und darüber lachen. Ich hab sie gemocht. Wie meine eigene Familie. Aber jetzt bin ich mir ziemlich sicher, dass meine "Freunde" nicht merken würden, wenn ich jetzt in meinem Zimmer Selbstmort begehen würde.
Ich hab oft an Selbstmord gedacht. Tue es immer noch. Manchmal. Aber ich kann es nicht. Ich hatte oft Schlaftabletten vor mir liegen, oder habe oft so getan, als würde ich von einer Brücke runterschauen. Aber wenn es drauf ankam, hab ich es nie geschafft. Ich schaffe es nicht. Für diesen Moment, hast du dein Leben in der Hand. Für diesen Moment, entscheidest du, was als nächstes kommen wird. Du entscheidest ob du das alles hier beendest oder diesen scheiß hier weiter kämpfst. Dein Leben liegt Wort wörtlich in deinen Händen.
Aber in solchen Momenten, muss ich an meine Mom denken, oder an meinen Vater. Ich kann mir vorstellen, eine Tochter zu verlieren ist schon schwer. Aber dann noch eine zweite und dann auch noch nicht mal an einer Krankheit, sondern, weil sie sich selbst nicht ertragen hat. Oder ich muss an Jade denken. Sie hätte das nicht gewollt. Sie hätte gewollt, dass ich für uns beide lebe. Natürlich ist die Sehnsucht groß, aber ich weiß nicht ob ich das kann. Aber an manchen Tagen ist es dir auch egal. Du bist wirklich kurz davor es zu tun, weil es einen nicht interessiert, ob man anderen damit weh tut oder nicht. Es interessiert dich einfach nicht. Man fühlt sich sowieso alleine gelassen, von allen und jedem. Also willst du auch nicht hören 'warum?' Oder 'lass es'. Dir ist es egal und du wirst von irgendetwas geblendet. Du hast eine Mauer aufgebaut und sie schaffen nicht durch diese Mauer zu gelangen. Sie schaffen es da nicht durch. Egal, wie sehr sie versuchen, diese Mauer zu zerstören. Am Ende bleibst du alleine. Und so fangen sie an dich aufzugeben, und so fängst du selbst irgendwann an, dich aufzugeben.
Ich merke, wie eine Träne aus meinen geschlossenen Augen langsam meine Schläfe entlang, bis quer über mein Ohr läuft, um von dort dann auf dem Boden aufzukommen. Ich habe das Gefühl, das dumpfe Geräusch gehört zu haben, als die Träne auf dem Boden aufkam. Erst eine, dann zwei, dann drei bis ich sie nicht mehr zählen kann. Ich merke wie die Mauer, die man jeden Morgen neu aufstellt, langsam immer mehr bröckelt und fällt. Es ist aber in Ordnung zu weinen. Das weinen hat keine Regeln. Bis auf eine. Man kann weinen wie man will. Man kann sich die Seele aus dem Leib schreien. Man kann leise vor sich hin weinen. Man kann es unterdrücken und keine Ahnung wie man noch weinen kann. Aber eine Regel gibt es: Weine erst, wenn du alleine bist. Das ist die oberste Regel. Bei mir zumindest. Ist bei jedem anders und jeder darf auch wenn Leute dabei sind weinen. Aber man kann die Tränen unterdrücken und zurückhalten, wenn man unter Leuten ist. Es geht, auch wenn es sehr schwer sein kann. Aber es geht. Manche sagen ja auch. 'Vor Leuten weinen zu können, dass ist die ware Stärke'. Aber ich gehe nach dem Motto. 'Es interessiert eh keiner, also ist es unlogisch Schwäche zu zeigen. Weil wenn du Schwäche zeigst, wirst du verletzt.'
Ich öffne meine Augen und es ist dunkel in meinem Zimmer. Hä? Wie lange liege ich denn hier? Ich schaue auf die Uhr und es zeigt 21:57 Uhr an. Momentmal, was? Also schalte ich das Licht an und Setze mich an meinen Schreibtisch, hole meine Hausaufgaben raus und mache mich an die Arbeit.
Als ich fast fertig bin und dabei bin, meinen letzten Satz zu Scheiben, klingelt mein Handy. Unbekannt.... Wer ruft denn bitte so spät noch bei mir an?
Ich gehe mit einem leisen ,,Hallo?" ran. Der Unbekannte fängt an zu reden :,,Guten Abend. Spreche ich mit Hope White?" Jake... :,,Ja Mr. Dunn. Was kann ich für Sie tuen?"
,,Was? Wie konntest du mich so schnell erkennen?" Sagte er, während einem Lachen. ,,Wie konnte ich dich bitte nicht erkennen? Also was gibt's?" Frage ich. ,,Ich komme nicht damit klar, dass du mich sofort erkannt hast." Sagte er wieder, während er leise vor sich hin lacht. ,,Komm auf den Punkt. Warum rufst du an?" Das soll jetzt nicht so kommen, dass ich nicht mit ihm reden will. Aber ich bin langsam müde. ,,Keine Ahnung, um ehrlich zu sein. Ich wollte noch nicht ins Bett gehen, also dachte ich mir, nerv' ich die Liebe Hope ein bisschen." Antwortet er und ich wette, dass er gerade vor sich hin lächelt.
,,Du hast recht. Es war ein Fehler dir meine Nummer zu geben." Sage ich, während ich mir ein Lachen verkneifen muss. ,,Autsch." Kommt es mit gespielt verletzter stimme von ihm. ,,Was machst du?" ,,Meine Hausaufgaben fertig." Er lacht :,,Ich hätte schwören können, dass ich dachte, dass du so eine kleine Streberin wärst, die ihre Hausaufgaben nicht so spät noch macht." :,,Sieht nicht so aus." ,,Willst du denn nicht fragen, was ich gerade mache?" ,,Du langweilst dich." Antworte ich mit einem Grinsen im Gesicht. ,,Kannst du mal aufhören, meinen Part zu sagen?" Kommt es wieder mit einem leisen Lachen von ihm. ,,Nerve ich dich eigentlich echt?" Eine gewisse ernste ist in seiner Stimme zu hören. ,,Soll ich ehrlich sein, oder einen Spaß daraus machen?" Stelle ich die Gegenfrage um ihn noch ein bisschen auf die Folter zu spannen. ,,Ehrlich." Gibt er wieder genauso ernst wie davor zurück. ,,Wäre ich sowieso gewesen." Antworte ich.
,,Und nein. Nein Jakey du nervst mich nicht" :,,Jakey. Gefällt mir. Zwar nennt mich meine Schwester manchmal so. Aber bei dir stört es mich irgendwie nicht so, wie bei ihr." Kommt es jetzt wieder mit einem Lachen von ihm. Das gefällt mir mehr, als seine ernste stimme. ,,Es war witzig mich mit dir zu unterhalten, White, aber ich glaube ich lass dich jetzt deine Hausaufgaben fertig machen und dich dann ins Bett gehen lassen. Du siehst so aus, als könntest du Schlaf gebrauchen." Sagt er und ich habe das Gefühle, sein Lächeln vor mir zu sehen. ,,Ha-ha-ha. Das ich nicht lache. Okay. Bis morgen." Gebe ich von mir. ,,Bis morgen." Höre ich ihn noch etwas leiser, aber sanfter sagen und lege auf.
Ich räume alles wieder in meine Tasche, ziehe mir wieder meine Jogginghose und Shirt an, Speicher Jake ein und stecke mein Handy an das Ladekabel. Danach lasse ich mich erschöpft ins Bett fallen und schließe meine Augen.
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So... Das war das fünfte Kapitel. Hoffe es hat euch gefallen. Ich bedanke mich bei dir, dass du dieses Kapitel gelesen hast. Naja man liest sich :)💗
~Ale.💗
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Let's be Alone together
Teen Fiction[,,Verdammt, ich hab mich in dich verliebt. Ist es das, was du hören musst, damit du mir endlich glaubst? Ich liebe dich und lass dich nicht allein. Also sag nicht, dass du alleine bist, denn es wird nur noch ein alleine zusammen geben."] Hope. Hof...
