Jeder meiner Schritte hallte im Stiegenhaus nach, jeder von ihnen klang wie eine tickende Zeitbombe, die jeden Moment explodieren würde und doch konnte ich mich nicht dazu überwinden langsamer zu laufen und keinen Lärm mehr zu veranstalten.
Zu wissen, dass Lucca so nah bei mir war, war umfassbar, nicht zu glauben. Ich wollte ihn wieder sehen und ich wollte ihn zuerst alleine begrüßen, sodass die Blicke der anderen nicht auf uns kleben würden. Nur deshalb war ich vor gerannt. Ich wollte alleine mit ihm sprechen.
Im dritten Stock erreichte ich mein Ziel, blieb keuchend vor einer weißen Türe stehen und betrachtete sie. Außer seinem Nachnamen war sie völlig leer. Von außen hatte sich rein gar nicht verändert. Etwas positives, was mich Lächeln ließ, diese Tatsache gab mir ein wenig Hoffnung zurück.
Mein Zeigefinger platzierte ich auf der Klingel und lächelte leicht benommen. Er wusste nicht das ich hier war. Er wusste es nicht, weil die Haustüre noch nie zugeschlossen war. Weil es niemand hier kümmerte. Weil ich ohne einen Alarm auszulösen den Wohnblock betreten konnte. Innerlich hörte ich schon jetzt seine Stimme, die mich anbrüllte, weil es schon nach 4 Uhr war. Ich hörte seine Frage an mich wie spät es sei, die voller Sarkasmus und Wut steckte, aber anders wollte ich mir das auch gar nicht. Denn so war der Lucca, den ich hier vor Jahren zurückgelassen hatte. Er war so und würde wahrscheinlich erst viel später bemerken, dass ich vor ihm stand, die ach so kleine Alaska. Erst wenn er mich fertig angebrüllt hatte und dann würde er Lächeln.
Und genau deswegen, wegen seinem Lächeln betätigte ich die Klingel einige Male, bis die Tür aufgerissen wurde. Hastig wendete ich meinen Blick zu Boden und hörte seiner Stimme zu wie sie mich anbrüllte. Wie sie mich wirklich fragte wie spät es sei und wie sie mir anschuldigen an den Kopf warf. Bis sie mich schließlich ein wenig weicher fragte was ich denn wolle. Vorsichtig wendete ich meinen Kopf zu ihm hoch, schenkte ihm ein Lächeln und beteuerte mit angeschlagener Stimme "Ich wollte Skatboard fahren, aber irgendwie liegt meines noch zuhause. Ich darf doch sicher deines haben oder?" Er brauchte einige Momente, um zu realisieren, dass ich vor ihm stand. Seine Augen folgten meinem Körper bis sie an meinem Gesicht angelangt waren. Ungläubig betrachtete er es. Sekunden blieb er mit offenen Mund vor mir stehen. Sein Blick wendete er kurz zurück. Ihm fehlte die Luft zum Atmen. "Johanna", stotterte er benommen und deutete in seine Wohnung, dort wo sie wohl gerade war. "Sie gehört zu dir?" Ich nickte während ich mir durch die Haare fuhr. Mein Mund war trocken und ich musste mich konzentrieren nicht umzufallen. Es war so verrückt. Wir hatten so viel zusammen durchgemacht und dann waren wir plötzlich unsere eigenen Wege gegangen und nun stand er vor mir. Tränen spiegelten sich in seinen Augen wieder. Sie glänzten und waren so schön. "Fuck", murmelte er und dann wieder "Fuck." Meine Mutter hätte diese Ausdrucksweise wahrscheinlich nicht so gut gefunden, aber was soll ich sagen? Es stimmte. Es war auf eine sarkastische Weise wirklich das was dieses 'Fuck' aussagte. "Wenn das ein Traum ist, dann sag mir das bitte", gab er lächelnd von sich, sodass es beinahe absurd klang, dass er jemals eine Träne in den Augen gehabt hatte und legte seinen Kopf schief. "Und wenn es einer ist darfst du mich aber nicht aufwecken", meinte er anschließend und lehnte sich in den Rahmen der Türe. "Tut mir leid. Aber Luc das ist n' Traum", meinte ich und wollte dann eigentlich weg gehen doch stattdessen streckte ich meine Hand nach ihm aus und sah wie er mir auch seine entgegen streckte. Ich konnte mit ihm einfach nicht spielen. Ich konnte es den anderen nicht nachmachen.
Dann berührten sich unsere Hände und er verschränkte unsere Finger miteinander, zog mich zu sich, um Zentimeter von mir entfernt zu sein und mich schließlich in den Arm zu kneifen. Vor Schmerz schrie ich auf, entfernte mich von ihm ein bisschen und hörte anschließend sein Lachen. Wieder zog er mich näher zu sich worauf ich ihm in die Seite pikste und er lachend aufschrie, sich jedoch keinen Zentimeter bewegte. Sein Kopf kam meinem immer näher, bis er auf meiner Schulter lag und er mir ins Ohr flüsterte, dass es wohl doch kein Traum sei, dass ich wohl tatsächlich hier stand. Nickend stimmte ich ihm zu. Kein Traum, keine Halluzination, sondern Realität.
Immer noch hielt er meine Hand fest und zog mich in seine Wohnung, die Wohnungstür wurde von ihm geschlossen und als wir dann endlich zu zweit da standen, ich in seiner Wohnung war, ließ er meine Hand los und aus seinem flüstern wurde ein Schrei. "Fuck." Er stellte sich in die Mitte des Wohnzimmers, drehte sich im Kreis und schrie. Er schrie, als wären wir alleine auf der Welt und anstatt das ich ihn dazu brachte damit aufzuhören, stellte ich mich vor ihn hin. Ich wartete bis er damit aufhörte, breitete meine Arme aus und drehte mich so schnell ich konnte im Kreis. Ich schloss meine Augen und fing an zu lachen, schrie ebenfalls in die Luft und fühlte mich so, als wäre keine einzige Sekunde vergangen seitdem wir uns das letzte mal gesehen hatten. Es war so wunderschön, atemberaubend. Schließlich zerbrach jedoch der schöne Schein und so sackte ich auf den Boden zusammen und mir war dermaßen schlecht, dass ich mich nie wieder aufstellen wollte. Vor meinen Augen verschwamm alles, während es sich drehte, nur er mit seiner Stimme war scharf. Der Typ der sich zu mir hinunter bückte und mir seine Hand reichte, er war scharf, hingegen zu seiner Umgebung. "Dass du es immer übertreiben musst", ließ er mich wissen und zog mich hoch. Ich lachte weiterhin, und ließ mich schlussendlich auf der Couch nieder. Ich fühlte mich lebendig und das war toll auch wenn mir schlecht war. Das wollte Ben doch und Lucca hatte geschafft das ich mich so fühlte. "Hab fast vergessen wie sich das anhört", ertönte auf einmal eine tiefe Stimme im Raum. Sodass ich es zuerst nicht wirklich realisierte. Ich sah wie Lucca vor mir stand und dann hörte ich die Stimme doch von hinten. "Was denn?", fragte ich und hob meinem Tonfall, während ich nicht aufhören wollte zu lachen. Es war zwar nur noch leise, doch das Gefühl blieb gleich. "Dein Lachen." Leicht blickte ich über meine Schulter zurück, direkt in seine Augen. "Solltest du behalten", meinte er grinsend und meine Welt blieb stehen. Wie erstarrt sah ich auf die Stelle an die er gestanden hatte, obwohl er schon lange auf den Weg zu Lucca war, genauso wie Leo auch. Ich dachte an Carlos Worte und schüttelte meinen Kopf, während ich mich versuchte auf das Geschehen zu konzentrieren. Dennoch alles an was ich denken konnte war er. "Seit wann ist sie denn schon wieder da?", fragte Lucca, während er Ben brüderlich umarmte und das gleiche später er auch bei Leo tat. "Seit einem Tag", beteuerte Leo und ließ sich neben mich auf die Couch fallen, schloss seine Augen und gähnte. Die Uhr über seinem Fernseher tickte und verriet, dass nun schon nach 5 Uhr morgens war. Wir alle waren schon viel zu lange wach. Naja, eigentlich. "Und wann hattet ihr mir vor etwas davon zu sagen?", fragte Lucca und fuhr sich durch die Haare. Wut spiegelte sich in seinen Worten wieder. "Wir wollten, dass sie es dir persönlich sagt und tada sie hat es getan. Jetzt chillin." Ben, dem es scheinbar mehr als nur egal war, was Lucca von sich gab, ließ sich schließlich neben mir nieder und schlang seinen Arm um meine Schulter um mich näher zu sich zu ziehen. Ich atmete seinen bekannten Geruch ein und auf einmal war selbst mir alles egal, solange ich hier sitzen konnte.
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Der Maskenball (Cro Ff)
Romansa"Wenn du aufhören würdest daran zu denken, würde es nicht mehr so schmerzen." "Das geht aber nicht. Ich kann nicht." . Ich hielt an der Vergangenheit fest, weil ich Angst vor der Zukunft hatte und die Mas...
