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Die Tür knallte ins Schloss, meine Schritte halten im Flur nach und doch wusste ich dass es niemand interessierte, wie laut ich war, solange ich es nicht lange war. War doch allen egal was ich gerade durchmachte, oder wie es mir ging. Ich durfte sie nur nicht stören. Dann war alles in Ordnung. Es waren ja meine Probleme und nicht ihre. Das verstand ich auch. Niemand von ihnen kannte mich und ich kannte sie nicht, mir zu helfen war nicht ihre Pflicht und trotzdem hätte ich gerne eine Hand an meiner Schulter gehabt, jemand der mir aufhalf und mir die Maske vom Kopf riss. Ich brauchte Aufmerksamkeit und eine Person die mich so sein ließ wie ich war.

Aber die einzige Person, die mir diesen Wunsch erfüllt hatte war tot.

Carlo warum nur? Warum musste es so kommen? Ich war doch noch nicht bereit für deinen tot. Immer noch nicht.

Der Schmerz saß zu tief.

Die Wut die sich in mir aufgestaut hatte, nachdem ich Leos Stimme gehört hatte, wurde nach jedem Schritt den ich ging kleiner. Dafür wurde die Enttäuschung immer größer. Manchmal in meinem Leben hatte ich wirklich gedacht, dass mich jemand mögen würde. Jetzt aber wusste ich, dass ich niemanden auch nur etwas bedeutete. Nein, ich war lediglich eine Person mit der man spielen konnte. Eine Person die man verletzen konnte, weil mich eben niemand wirklich mochte. Ich ballte meine Hand zu einer Faust und blieb mitten auf der Treppe stehen. Mein ganzer Körper war angespannt. Mein Blick glitt nach oben zu der Wohnungstüre. Wollte ich überhaupt die Wahrheit wissen? Ich hätte ja auch einfach verschwinden können. Die Arme ausbreiten und fliegen. Frei sein. "Alaska?" Ich drehte meinen Kopf in seine Richtung und lächelte ihm krampfhaft entgegen. Dabei war die Tatsache, dass ich ihn wirklich gemocht hatte, unerträglich. Und ja, Ich hatte Stella belogen. Er war in meinen Augen nicht nur eine Notlösung, ich habe so viel mehr in ihm gesehen und ich hatte so gehofft, er würde auch nur wenig von dem was ich in ihm sah in mir sehen. Aber ich hatte Angst vor etwas neuem, weil ich noch nicht los gelassen hatte. Ich hatte Angst, dass es schief gehen würde und nun wusste ich dass ich einen guten Grund dazu hatte.  "Lass uns gehen", meinte er dann und streckte mir die Hand entgegen, die ich jedoch nicht annehmen konnte. In meinem Kopf herrschte ein viel zu großes Chaos dafür. Ich war so durcheinander und mein Herz wusste in diesem Moment auch nicht mehr was es fühlen sollte. Aber eines war sicher. Einmal wollte ich noch seine Lippen auf meinen spüren. Nur noch einmal, dann wollte ich ihn vergessen. Diesen Leonardo Mudrack.
Gesenkten Kopfes ging ich auf ihn zu und blieb genau vor ihm stehen. Seine Hand griff nach meiner, sein Atem streifte mein Gesicht und er wollte mich mit sich ziehen, ging schon die ersten Schritte vor, als ich ihn davon abhielt, zurück zu mir zog, zu ihm hochsah, meine Arme um seinen Hals schlang und ihn küsste. Zuerst wirkte er überfordert später aber ließ er sich völlig darauf ein. Er schlang seine Arme um meine Hüfte. Immer wieder fuhr ich ihm durch seine Haare, bis ich meine Hände schließlich auf seiner Brust niederließ und ihn vorsichtig von mir wegstieß. Seine Augen waren so matt, als ich nach dem Kuss in sie sah. "Ich hatte recht", flüsterte ich in sein Ohr, während ich meine Hände um seinen Bauch schlang und meinen Kopf auf seiner Schulter nieder ließ. "Mit was?", fragte er mich ebenfalls flüsternd zurück. "Ich bereue es. Ich bereue es dich an mich ran gelassen zu haben. Ich bereue alles was ich mit dir erlebt habe." Tief atmete ich seinen Geruch ein, während er einfach nur nickte. "Ich bereue nichts von all dem. Gar nichts", beteuerte er dann worauf ich nur auflachte. Ich war mit der Situation einfach grundlos überfordert. Am liebsten hätte ich wieder geweint, aber anscheinend hatte ich keine Tränen mehr übrig, weshalb ich eben lachen musste. Wenn das eine nicht ging musste wohl das andere funktionieren. "Aber du liebst mich nicht", stellte ich fest. "Nein." In meinem Leben hatte ich viel erlebt. Ich musste viel aushalten und ich musste viel einstecken. Mit Tränen in den Augen hatte ich gekämpft, hatte mich gegen so viel gewehrt. Ich war abgesackt, aber ich hatte weitergemacht. Auch wenn dies manchmal ziemlich schwer war.

Mein Herz schlug gegen meine Brustwand, während ich mich immer noch an ihn drückte. "Ihr ward Freunde oder? Warum kenn ich dich dann nicht?" Während ich diesen Satz sagte, merkte ich wie auch er mich fester an sich drückte und wahrscheinlich unterdrückte selbst Leonardo Mudrack die Tränen.
Jeder Mensch auf dieser Welt will verbergen was ihn bedrückt. Jeder lügt, wenn es um seine Gefühle geht, denn niemand will Schwäche zeigen. Niemand erzählt von der Vergangenheit, aber jeder denkt an sie.
Er hielt sich an mir fest, um Halt zu finden. Wie dumm er war, sich an einer fallenden Person fest zu halten. Er flog ja trotzdem weiter. Aber wenigstens nicht mehr alleine. War es das was er wollte? Wollte er Gesellschaft?  "Wir waren Freunde. Ist schon ewig lang her. Wir waren bis 14 unzertrennlich. Bros for life. Dann bin ich umgezogen und der Kontakt ist abgebrochen. Ende der Geschichte. Da warst du noch nicht auf der Bildfläche." Seine Worte klangen so schroff. Die Sätze verkürzt, so als hätte er einiges ausgelassen. Als wär das noch nicht die ganze Geschichte gewesen. Auch klang sein Tonfall so, als wäre ihm diese Geschichte unangenehm. Ich fuhr mit meinem Finger hinten an seinem Hals kleine Kreise. "Und warum bist du jetzt hier?" Ich hörte seinen Atemzügen zu und starrte gerade aus auf die verschlossene Türe. Aufmachen, zuschlagen, wegrennen. "Wegen dir." Ich kniff meine Augen zusammen und ließ meine Hände auf seiner Brust nieder um mich von ihn zu stoßen, die Augen zu öffnen und ihm in sein Gesicht zu sehen. "Er hat mir gesagt ich soll zu dir kommen, wenn du dabei bist aufzugeben", setzte er seinen unvollständigen Satz fort. "Ben?" Leicht schüttelte Leo seinen Kopf, während er nach unten blickte. "Wer dann?" Ruckartig griff nach er nach meiner Hand und zog mich aus dem Gebäude hinaus. Im dunkeln konnte ich den Ausdruck in seinem Gesicht nicht erkennen und doch erkannte ich an seiner Stimme, dass etwas ganz und gar nicht stimmte. "Das ist unwichtig. Das kann dir Ben erklären." Um alles in der Welt wollte er dieses Thema beenden, aber ich ließ nicht nach. "Wer hat dir das gesagt", fragte ich erneut nach. Sein Griff um meine Hand wurde fester. "Carlo. Carlo hat mich angerufen", platzte es aus Leonardo hinaus. Seine Schritte wurden immer schneller. Rannte er gerade mit mir von der Vergangenheit weg?  "Wann? Was ist passiert?" Plötzlich blieb er stehen und drehte sich zu mir. Das Licht der Laterne erhellte die Dunkelheit und ließ mich die Verzweiflung in seinem Blick erkennen. "Carlo ist ein elendiger Bastard. Weißt du das?" Der Griff um meine Hand wurde gelöst und doch kam er mir so nah, dass ich nach hinten ausweichen musste, bis ich die Laterne mit meinem Rücken berührte.  "Er hat uns alle zurück gelassen. Selbst seine nicht ganz Frau und hat mir eine Aufgabe gegeben, die ich nicht schaffen konnte. Nicht ich habe mit dir gespielt sondern er."

Der Maskenball (Cro Ff)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt