Flashback
Es war eine Woche vor seinem Tod gewesen, eine Woche vor seinem Tod war er alleine in unser Zimmer gegangen und hatte Telefoniert. Vom Wohnzimmer aus hatte man seine tiefe Stimme gehört, welches immer wieder pausierte. Was er jedoch sagte war unklar. Damals hatte ich gedacht dass er mit jemand sprechen würden. Jedenfalls hatte es genau so geklungen. Aber er sprach nicht mitvjemanden sondern auf einen Anrufbeantworter. Waren dafür diese Pausen gedacht, damit ich keinen Verdacht schöpfte? Hatte er wirklich daran gedacht?
Nachdem er Minuten lang verschwunden gewesen war, hatte er sich neben mich gesetzt und mich lächelnd angesehen. "Titanic?", hatte er mich dann schmunzelmd gefragt und einen Arm um mich geschlungen. Beleidigt probierte ich ihn von mir wegzustoßen, dennoch war der Mann neben mir zu stark für mich. Laut schnaufte ich aus, ergab mich somit und lehnte mich an seiner Brust an. Sein Herzschlag schlug gleichmäßig und irgendwie erleichtere mich diese Gewissheit. Die Ärzte hatten gemeint, dass er den Krebs zwar nicht besiegen, aber dennoch einige Jahre gewinnen könnte. Vielleicht wäre er ja wirklich 26 geworden, vielleicht hätten wir noch glücklich weiterleben können, hätte er es selbst nicht verhindert. "Normal Spoiler ich nicht, aber das Schiff wird untergehen und die Olle wird überleben, weil sie dem armen Kerl keinen Platz auf dem Eis lässt", flüsterte er mir ins Ohr, worauf ich ein Kissen schnappte und es ihm direkt ins Gesicht schleuderte. "Mach dich ruhig lustig, aber ich werde diesen Film so lange ansehen, bis jemand von uns stirbt, also noch ewig." Seine Augen verloren den Glanz bei diesen Worten und trotzdem lächelte er, nur damit ich mich nicht schlecht fühlte, damit ich im Glauben blieb, wir hätten noch Zeit. Damit ich dachte alles wäre gut.
Einige Zentimeter entfernte ich mich von ihm, um dann doch zu ihm hin zu rutschen, meine Hände auf seinen Wangen zu platzieren und ihn zu küssen. Er hatte immernoch die selben Augen, das selbe Lächeln und die gleiche Stimme aber er war schon lange nicht mehr derselbe Mensch. Immer mehr entfernte er sich von mir. Aber diese eine Woche schenkte er mir noch. Er ließ mich so nah an ihn ran wie nur selten zuvor, nur weil er sterben wollte. Weil er einen Plan hatte, der mich zerstörte.
Flashback EndeSeine große Hand griff nach meiner. Sie war so warm und die Gefühle und die in mir hochkamen waren es auch. "Ist ziemlich kalt", beschwerte er sich nach einer Weile der Stille worauf ich nur lächelnd nickte. Der Regen der zuvor aufgehört hatte auf den Boden zu prasseln, hatte inzwischen wieder damit begonnen und die Kälte war mit ihm mitgekommen. "Ben," hauchte ich in die Ruhe. "Ich vermisse ihn." Der Griff um meine Hand wurde fester. Er war immer für mich da, auch jetzt wo ich ihm gesagt hatte er solle nicht kommen und irgendwie war es süß von ihm auch wenn ich ihn eigentlich nicht sehen wollte. Ich hatte Leo erklärt, dass ich noch Zeit brauchte, um alles zu verarbeiten und doch stand Ben jetzt neben mir und hielt meine Hand fest. "Du vermisst ihn nicht." Meine Augen glitten zu. "Doch Ben, ich vermisse ihn so unglaublich." Innerlich sah ich uns auf der Couch liegen. Ich sah wie er mich an sich zog und dann obwohl er geschworen hatte diesen Film nie wieder anzusehen, das Ende mit mir angesehen hatte und dann hatte er sich gefreut wie ein kleines Kind, weil sie Olle wirklich überlebt hatte, während ich neben ihm weinte. "Nein, Laska du hällst nur an etwas fest was schon längst vorbei ist." Ich holte tief Luft und sah Carlo vor mir stehen, wie er mit mir auf dem Krankenhausdach getanzt hatte. Wie er seine Hände an meine Taille legte und leise vor sich her sang. "Wenn du aufhören würdest daran zu denken, würde es nicht mehr so schmerzen."
Ich öffnete meine Augen langsam wieder und sah Ben in seine dunkelbraunen Augen. Mein Hals war wie ausgetrocknet. "Das geht aber nicht. Meine Träume kann ich nicht kontrollieren." Stillschweigend sah er mich an. Mitleid hing an seinem Blick, denn er wusste ebenso wenig wie ich was er jetzt tun sollte. Wie konnte mir überhaupt jemand helfen? Wie? Es klang so leicht zu sagen, dass man aufhören sollte an jemanden zu denken. Aber es war so schwer das auch zu tun."Kann ich was für dich tun?" "Nimm mich einfach nur in den Arm." Und ehe ich mich versah, hatte er seine Arme um mich geschlungen. Dennoch war genau das der Fehler. Denn dadurch kamen nur noch mehr Erinnerungen hoch. Erinnerungen, die ich vergessen wollte. Erinnerungen, die mich zittern ließen und ich sank weiter.Flashback
Man kann nicht immer sozial sein, man kann nicht immer glücklich sein, manchmal muss man lügen, um jemand anderes zu schützen und an anderen Tagen muss man sich eine Maske aufsetzen damit ein Plan funktionieren kann.
"Laska!", rief mir Ben von weiten zu und lief schnellen Schrittes in meine Richtung. Ein Lächeln umspielte mein Gesicht. Nicht unbedingt wegen Ben der beinahe vor mir stand, sondern eher weil gerade alles Bergauf ging. Meine kaputte Welt wäre bald wieder komplett gewesen. Meinen Kummer hatte ich zwar schon, als ich Carlo kennengelernt hatte abgelegt, allerdings war nun auch meine Maske an der Reihe zu fallen. So lange hatte ich sie in meinem Gesicht getragen und nun war ich so kurz davor wieder die Alaska zu werden, die man hätte mögen können. Die Alaska, mit der man reden konnte, die den Menschen zuhörte. Aber eben war ich nur kurz davor gewesen. Noch hatte ich nichts erreicht gehabt und ich wäre nie so weit gekommen. "Benniboy!", schrie ich ebenfalls durch die Gegend und breitete meine Arme aus. Sekunden später spürte ich Bens Wärme um mich, atmete seinen Duft ein und legte meinen Kopf auf seine Brust. Es war unser letzter Tag, bevor er wieder nach Hause ging, der letzte Tag an dem er mich von der Arbeit abholte. Der letzte Tag an dem wir noch Freunde waren, der eine Tag an dem es noch ein wir gab und er endete so unglaublich schnell. "Und alles gut?", fragte er leise während er seinen Kopf in meinen Haaren vergrub und so stehen blieb. "Ja, zurzeit schon." Hörbar schluckte er und sein Herz fing dabei an schneller zu schlagen. Bum Bum. Bum Bum. Bum Bum. "Was ist jetzt mit Carlo?" Und als ich mich daraufhin von ihm löste und sagte, dass alles schien gut zu sein, es keine negativen Veränderungen gab, sah ich den Kummer in seinen Augen. Ich sah seine Schuldgefühle, aber damals dachte ich noch es wäre weil Carlo eben Krebs hatte und wir kein normales Leben führten. Weil es ihm besser ging. Ich dacht er hätte Schuldgefühle ,weil er als sein Bruder ihn nicht beschützen konnte und ihm zusehen musste wie er starb, während es ihm so gut ging. Mensch ich war so naiv. Ich hätte alles verhindern können. Vielleicht wäre er dann noch hier. "Hey, alles gut ,uns geht's gut", hatte ich genau deshalb gemeint und ihm auf die Schulter geklopft, dann waren wir los gelaufen, haben über das eine oder andere geredet wie immer. Zwischendurch jedoch hatte er mehrmals auf sein Handy gesehen und anschließend nervös zu mir geblickt. Normalerweise war er nicht so. Sein Handy stand nie über mir. Irgendwas war definitiv anders, aber dennoch konnte ich nicht sagen was mit ihm los war. Dann hat er neben mir eine Zigarette aus seiner Jackentasche gezogen und wollte sie anzünden. Etwas was er nie getan hätte, nicht in meiner Gegenwart wenn es keinen ernsthaften Grund gegeben hätte. "Ben, was ist los?" Langsam senkte er die Zigarette in seiner Hand und sah zu mir auf. "Wollen wir nicht rein gehen?" Ich schüttelte meinen Kopf. Obwohl wir vor meiner Wohnung angekommen waren. Nur damit wir Carlo mit einem Lächeln entgegensehen konnten. Leicht lehnte ich mich an der braunen Türe an und sah Ben in seine Augen. Zuerst wirkte er unentschlossen, nicht sicher ob er wirklich ansetzen sollte zu reden und dann platzierte er seine Hände doch links und rechts von meinem Kopf und kam mir näher. So selbstsicher wie selten zuvor. Sein Atem streifte meine Haut, während sich alles in meiner Bauchgegend begann zu drehen. Er war toll. Er hatte ein schönes Lachen. Er war hübsch, nett und süß aber er war eben nicht der Junge den ich liebte. Er war nur sein Bruder. "Was wird das?", fragte ich und stoß ihn vorsichtig von mir weg. Ben kniff seine Augen zusammen, schien sich fangen zu müssen, öffnete sie wieder und schloss mich in den Arm. "Bitte, hass mich dafür nicht", flüsterte er und nachdem er diese Worte gesagt hatte ließ er mich endgültig los, ließ seine Hand gegen die Türe knallen und sah mir dann wieder in die Augen. Er wirkte verloren, hilflos, nicht wie mein Ben. "Laska, ich li..ebe dich", brach er stockend hervor. Mein Atem wurde flacher und ich wollte nach hinten gehen, doch dort war nur die Tür. Seine Hand platzierte er auf meiner Wange und dann küsste er mich, ließ ein Gefühlschaos in mir zurück und zerstörte so scheinbar meine perfekte Beziehung. Ben drückte mich während des Kusses gegen die Türe, bis diese geöffnet wurde und ich vor Carlos Füße landete. Carlos Blick war entsetzt und wütend zugleich. Er war so ein guter Schauspieler. Sein Blick wanderte zwischen mir und Ben mehrmals hin und her, dann stürmte er aus der Wohnung und ließ uns alleine zurück. Ich wollte ihm, der Liebe meines Lebens, hinterher rennen, doch Ben zog mich am Arm zurück und in diesem Moment kapierte ich, dass er nur mit mir gespielt hatte, ich ihm nichts bedeutete und ich fing an zu schreien. "Du kannst ihn doch nicht einfach so sterben lassen! Ben, er ist dein Bruder!"
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Der Maskenball (Cro Ff)
Romance"Wenn du aufhören würdest daran zu denken, würde es nicht mehr so schmerzen." "Das geht aber nicht. Ich kann nicht." . Ich hielt an der Vergangenheit fest, weil ich Angst vor der Zukunft hatte und die Mas...