Langsam fand die Maske ihren Platz in meinem Gesicht und sie passte so perfekt dahin, als wäre sie für mich gemacht. "Und was wirst du ihnen sagen?", fragte mich seine tiefe Stimme, während er sich im Rahmen der Türe anlehnte. Versteinert sah ich auf mein Spiegelbild. Mein Mund blieb zu. "Die Wahrheit?", er war es der diese Behauptung in den Raum stellte und er ließ sie wie eine Frage klingen. Doch ich reagierte nicht und blieb stehen, schloss meine Augen und fühlte Sekunden später seine Hände um meinen Bauch. Er drückte mich fest an sich heran und legte seinen Kopf auf den meinigen. "Was wäre gewesen, wenn Carlo nicht da gewesen wäre? Wenn er nicht verhindert hätte, dass wir uns Jahre lang nicht sehen?" Er stellte eine Frage, die ich mir die letzten Jahre so oft gestellt hatte. Was wäre gewesen, wenn Ben nicht gegangen wäre? Wenn er bei mir geblieben wäre?
Ich hatte sie mir so oft gestellt. Bis ich Tatsachen begriff. Denn er war eben nicht geblieben. Er hatte sich gegen mich gestellt und damals hatte er in meinen Augen keinen Grund dazu gehabt und vielleicht war auch das einer der Gründe wieso ich so wütend auf ihn gewesen war, als er mich letztens wieder entdeckt hatte.
Nachdem ich beinahe gesprungen wäre, waren sie noch einige Tage da. Er und Stella, sie waren noch da und ich dachte ich könnte mich auf sie verlassen. Dann aber kam Vanessa und sie waren verschwunden. Ich war nicht bereit zurück zu ihnen zu gehen und sie konnten nicht kommen. Zuerst hatte ich sie absichtlich von mir gestoßen, dann waren sie jedoch da gewesen als ich sie gebraucht hatte, ich hatte mich an den Gedanken gewöhnt nicht alleine da durch zu müssen und später waren sie doch weg. Ich war enttäuscht und verwirrt gleichzeitig. Das alles war nur wegen diesem verdammten Blog gewesen und wegen Carlos Bitten. Aber daran konnten wir nichts ändern. Diese Fragen brachten nichts, den die Vergangenheit konnten wir beide nicht ändern. "Vielleicht wäre dann alles anders." Langsam öffnete ich meine Augen und sah ihm durch den Spiegel in seine. Bisher hatte ich noch kein Wort zu ihm gesagt. Dazu war ich nicht fähig. Im Endeffekt hätte es aber auch nichts gebracht. Denn schließlich sprach er die ganze Zeit. "Ich vermisse dieses wir, dass es nicht mehr gibt." Vorsichtig entfernte ich seine Hände von meinem Bauch und drehte mich zu ihm um. Wir sahen uns lange Zeit in die Augen zu lange um einfach nur Freunde zu sein. Zumindest von Bens Seite aus. "Was willst du mir damit sagen?" Tief holte er Luft. Stimmen von der Küche drangen zu uns durch. Sie stritten um etwas und dann lachten sie trotzdem. So seltsam. "Wenn du nur einmal genauer hingesehen hättest, hättest du gesehen wie verliebt ich in dich war, immer noch bin." Ich nahm sein Gesicht zwischen meine Hände fuhr seinem Dreitagebart entlang und fixierte seine Lippen so als wären sie das wichtigste auf dieser Welt. "Du würdest sehen wie ich für jedes deiner Worte lebe, dass ich vor Aufregung sterbe wenn du mich auch nur berührst. Du würdest hören wie Laut mein Herz schlägt, wenn du mich auch nur ansiehst. Du würdest verstehen, dass ich in meinem Gedanken nur Platz für dich ist." Ich hatte die Zeichen gesehen, ich hatte sie bemerkt, aber in meinem Kopf war immer nur Carlo. Für seinen Bruder war kein Platz frei. Außerdem hatte er Nadine. Möglicherweise hätte ich ähnlich gefühlt, wenn ich es zugelassen hätte, das tat ich aber nicht. "Ben", flüsterte ich ihm entgegen und fühlte mich so unendlich schlecht. Ich wollte ihn küssen, nur einmal noch, ich sollte ihn küssen. Aber ich hatte schon Leo letztens ein letztes Mal geküsst und Markus hatte ich auch einmal geküsst. Ich konnte doch nicht jeden Typen der kam küssen. Meine Hände entfernten sich von seinen Wangen. Dazu war ich nicht bereit ich konnte das nicht. Wir waren doch Freunde. Oder etwa nicht? Aber irgendwas waren wir und das wollte ich nicht zerstören ich wollte dass es so blieb wie es war. "Wir müssen jetzt gehen." Ich trat einen Schritt von ihm zurück und fiel beinahe über mein langes Kleid nach hinten. In seinen Augen war etwas kaltes, etwas verletztes. Er wollte hören, dass ich genau das gleiche fühlte. Lügen konnte ich aber nicht. Nicht damit er sich besser fühlte, um wieder verletzt zu werden. Ich drehte mich schon Richtung Türe, als seine Stimme erneut ertönte und mich zum Stillstand kommen ließ.
"Laska, egal was du ihnen erzählst, ich werde nicht mehr gehen. Egal wie es nach dem hier aussehen wird, ich werde bei dir bleiben." Und ich wollte ihm vertrauen, ich wollte es so gerne tun. Aber ich zweifelte an seinen Worten. An jedem von ihnen.Leo, Lucca und Johanna sahen mich wissend an, als ich zu Ihnen in die Küche trat.
"Bitte, lasst uns gehen. Ich muss es hinter mich bringen. Danach müsst ihr mich auch nie wieder sehen." Über das hier zu sprechen, dazu hatte ich keine Lust und kein einzigen Nerv frei.
Lucca stand sofort auf und auch die anderen gingen richtig Flur um sich ihre Schuhe anzuziehen. Nicht weil sie mich nie wieder sehen wollten, jedoch hatte niemand Lust mich auf das Thema 'Ben' anzusprechen.
Außer mir, so bemerkte ich bald, hatte sich niemand Gedanken um sein Aussehen gemacht. Wie immer hatten sie sich angezogen, während ich in einem langen türkisen Kleid ging. Dennoch war auch ich die Einzige die eine Rede halten musste. Ich musste eine Rede halten nicht die anderen. "Bist du bereit?", fragte mich Lucca und hielt mir die Türe auf. "Ich werde niemals bereit sein, Luc. Aber ich muss es jetzt tun." Kurz blickte ich zu Leo hinüber der mich aufmunternd ansah, dann ging ich die Stufen bis zur Haustüre hinunter. Alle meine einstigen Freunde und sogar Vanessa würden meine Rede mitverfolgen. Das wusste ich nur von Lucca, der schlussendlich mit meinem Handy auch Vanessa geschrieben hatte. Sie sollten mich alle wieder sehen. Mit einem Kleid das der Ex von Ben gehörte mit der er jedoch noch befreundet war. Bei dem Gedanken wurde mir übel. Ben hatte mir einst gesagt, dass außer mir niemand aus der Gang gegangen sei. Dabei wusste ich von Anfang dass er log, wegen Carlo. Denn er war ja ganz sicher kein Bestandteil der Gang mehr, aber sonst hatte er recht behalten. Der Rest der Gang war noch da. All meine Freunde und eben Nadine das Model, das mich heute in den Arm geschlossen hatte und dann flüchtig verschwunden war. "Willst du das ich dir alle Türen offen halte?", fragte Lucca belustigend nach, als er mich Nichtstuend vor der Tür stehend sah. "Nein, aber. Ich weiß nicht." Das ich überfordert mit allem war konnte mir wohl keiner übel nehmen. Sie wussten was ich durch machte und doch war ich diejenige, die mich für dieses Verhalten verurteilte.
"Laska, alles ist gut. Das zwischen dir und Ben wird schon gut ausgehen. Denn heute wirst du endlich deine Vergangenheit hinter dir lassen."
Und ich war so aufgeregt, so unglaublich aufgeregt. Denn auch wenn ich daran nicht glaubte. Lucca hatte recht.
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Der Maskenball (Cro Ff)
Romance"Wenn du aufhören würdest daran zu denken, würde es nicht mehr so schmerzen." "Das geht aber nicht. Ich kann nicht." . Ich hielt an der Vergangenheit fest, weil ich Angst vor der Zukunft hatte und die Mas...