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Kapitel 42

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Einen kurzen Moment sah sie etwas in seinen Augen aufblitzen -
Verwundbarkeit, Überraschung angesichts ihrer Bitte-, doch dann schlang er
die Arme um sie und zog sie an sich.
Suchend schaute sie in sein Gesicht. In einer anderen Welt, in einer anderen Zeit 
lächelte ein Bruder sie über eine Wiese hinweg an, mit Augen so grün wie Frühlingsgras.
"Jetzt, Clary", drängte er und Clary reckte sich und berührte sein Gesicht mit ihren Lippen.
Sie spürte wie sein Körper bebte, als sie ihm etwas ins Ohr wisperte.
"Sei gegrüßt, Meister", flüsterte sie und sah, wie sich seine Augen weiteten,
während sie im selben Moment Eosphoros zückte, in leuchtendem Bogen hochriss
und ihm die Klinge in den Brustkorb stieß, mitten ins Herz.
~City of Heavenly Fire~



Müde nickte ich und lauschte Simons Worten. Er erzählte mir viel und trotzdem war es mehr seine Vergangenheit als meine. Aber das war alles was er mir geben konnte und es war nicht so merkwürdig, wie ich vielleicht gedacht hätte. Es schien alles einen Sinn zu ergeben und trotzdem hätte es auch von jemand anderen die Geschichte sein können. Zum Schluss schob er noch meinen Ärmel hoch und entblößte die Rune, die mir Clary gezeichnet hatte. Sie war schön und sie verblasste langsam zu einer braunen Linie. Ich würde eine Narbe zurück behalten, das wäre normal, so meinte Simon mindestens. Also war ich nun eine Schattenjägerin und was noch viel ausschlaggebender war, dass ich scheinbar nicht mehr krank war. Ich hatte eine Herzschwäche gehabt und hätte mir Simon nicht erklärt, was dies war, hätte ich es ebenfalls nicht gewusst. 
Mir blieb nichts anderes übrig, als zuzuhören und zu nicken, aber die von den beiden erhoffte Erkenntnis traf nicht ein. Je öfter Jonathans Name fiel, desto öfters bildete ich mir ein, dass er etwas  in meinen Inneren auslöste. Ein Kribbeln oder eine Art Wärme vielleicht, aber ich könnte niemals sagen, ob ich das nur fühlte, weil ich es fühlen wollte oder ob es wirklich so war. Magnus Gesichtsausdruck jedenfalls wurde immer verschlossener und nachdenklicher. Während Simon langsamer erzählte und irgendwann zum Schluss kam. 
Dann blickten sie mich beide schweigend an.

„Vielleicht muss sie Clary sehen? Schließlich hat Clary sie zu einer Schattenjägerin gemacht“, gab Simon irgendwann zu und schaute zu Magnus. „Möglich. Nur, dass das nicht klappen wird“, meinte er und lehnte sich gegen den riesigen Schreibtisch aus Massivholz. „Wo sind sie denn? Also Clary und Jonathan?“, fragte ich. Die Worte verließen nur etwas holprig meinen Mund. „Im Kerker“, kam es trocken von Magnus. „Und wenn wir nicht bald irgendetwas machen, kommt dieser Typ zurück und darauf  kann ich echt verzichten.“ „Zumal ich nicht hier sein dürfte“, setzte Simon hinzu und erntete ein knappes Nicken. „Na ja dann steht der Plan oder?“ Magnus zögerte kurz, ehe er ergeben seufzte. „Ja, lass es uns versuchen.“ Ich richtete mich verwirrt auf. „Moment, ähm, was genau machen wir jetzt?“ „Wir brechen in die Kerker ein.“ „Wir besuchen Clary und Jonathan.“ Beides sagten sie gleichzeitig. „Okay... “, murmelte ich und schlug die Bettdecke zurück. Plötzlich lag ein Kleidungsstapel neben mir auf dem Bett und ich schaute verwirrt auf. Magnus grinste und schnippte abermals mit dem Finger, sodass blaue Funken stoben und eine Trennwand im Zimmer auftauchte. „Praktisch“, murmelte Simon und erhob sich ebenfalls, blieb sicherheitshalber neben mir stehen, um mich eventuell zu stützen.
Aber er brauchte das gar nicht, denn mein Körper hatte absolut keine Probleme aufzustehen. Eher im Gegenteil, ich wäre am liebsten gerannt und gesprungen, so fit fühlte ich mich.  


Clary

Ruckartig fuhr ich hoch, als ich das Quietschen der Gittertür vernahm. Ich entdeckte Jonathans hellen Haarschopf und atmete erleichtert auf. Doch als ich bemerkte, dass er mehr getragen wurde, als dass er selbstständig lief, überfiel mich wieder diese eiskalte Wut. Ich stand auf, was mir einen warnenden Blick von einen der Wärter einhandelte, aber das war mir in diesem Moment egal. Sie luden ihn lieblos an der Bank ab und hätte ich nicht schnell nach seinen Schultern gegriffen, wäre er einfach vornüber gekippt. Ich hörte, wie er leise murmelte und meine Hände abschütteln wollte, doch ihm fehlte die Kraft dazu. Ich schluckte den Kloß herunter und drehte ihn auf der Bank. Sein Blick war leer und ich hatte das Gefühl, dass er mich nicht richtig fokussieren konnte. „Leg dich hin“, flüsterte ich und brach damit endlich das elende Schweigen. „Nein“, entgegnete er leise, konnte sich aber nicht gegen meinen Griff wehren. Ich drückte ihn auf die Bank und hockte mich neben ihn hin, sodass wir auf einer Augenhöhe waren. 
Er starrte mich an und setzte mehrmals an etwas zu sagen, doch ich schüttelte den Kopf. „Nein, lass es.“ Wusste ich doch, was er wollte. Dass er sich abermals entschuldigen wollte. Doch das hier war nicht seine Schuld. Ich hatte ihn damals zurückgeholt und wegen mir saßen wir jetzt schlussendlich hier. „Du gibt‘s dir die Schuld, dabei sollte ich sie allein tragen“, murmelte er. Die Anderen schwiegen, doch ich konnte ihre Blicke in meinem Rücken spüren. „Niemand kann allein die Schuld dafür tragen, Jonathan, außer vielleicht Valentine.“ „Hm.“ Seine Augen fielen erschöpft zu und er atmete schwer. „Aber ohne ihn wärt ihr Beide nicht in der Lage gewesen so viel Großes zu leisten.“ „Du aber auch“, antwortete ich und hielt seine Hand fest. „Wenn es auch nicht wirklich gut war...“ Vermutlich hätte er mich ungläubig angeschaut, doch er schnaubte nur abfällig und drückte meine Hand als Antwort.

Das zweite GesichtGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt