Kapitel 50

689 32 19
                                        

Epilog

Dann hob er ihr Gesicht an. 
Sie war zu überrascht, um zu reagieren, als er sich vorbeugte 
und sie erkannte - zu spät erkannte-, was er vorhatte: 
Reflexartig schloss sie die Augen, als seine Lippen sanft über ihre streiften 
und einen Schauer durch ihren Körper jagte.
Ein plötzliches Verlangen erfasste sie - das Verlangen,
festgehalten und auf eine Weise geküsst zu werden, 
die sie alles andere vergessen ließe.
~City Of Glass~

~10 080 Minuten später (1 Woche)~

Mit einem Rums ließ Clary ihre Tasche und ihre Jacke auf den Küchenstuhl fallen. „Oh, man, ich hab immer noch so einen Muskelkater in den Armen. Ich glaube der geht nie wieder weg“, murrte sie und lugte mir neugierig über die Schulter, während sie über ihre Oberarme rieb. „Uh, Spaghetti Carbonare?“ Ich nickte grinsend und meinte, während ich die Soße umrührte: „Dachte wir könnten für nachher eine Trainingsgrundlage gebrauchen.“ „Recht hast du“, antwortete sie lächelnd und tunkte ihren Finger in die Soße, welchen sie sich daraufhin sofort verbrannte. „Wo ist, Si?“, fragte Clary und pustete ihre Fingerspitze an. „Oben, bezieht sein neues Bett“, antwortete ich und hangelte eine Spaghetti aus dem Topf, um sie zu kosten. „5 Minuten, dann können wir essen.“ „Perfekt, dann bleib ich gleich hier unten. Rate mal, wer heute bei uns im Laden war?“ 

Mit Laden, meinte Clary das kleine Café am Platz des Erzengels, welches die beste heiße Schokolade der Welt verkaufte und in welchen sie seit einigen Tagen arbeitete. „Keinen Schimmer“, murmelte ich und lehnte mich mit meinen Po an die Küchentheke. „Ed“, strahlte sie begeistert und klatschte, wie ein kleines Kind freudig in die Hände. Ich konnte ihr nur einen verwirrten Blick schenken, welcher sie aufseufzen ließ. „Der Pizzabäcker? Sag mir nicht, dass du ihm nicht geschrieben hast? Er hat dir doch seine Nummer gegeben?!“ Ich verdrehte genervt die Augen und antwortete: „Ja, aber warum sollte ich ihm schreiben?“ „Weil er gut aussah und Interesse hatte?“, fragte sie mit fassungslosem Gesichtsausdruck. Ich zuckte nur mit den Schultern und richtete meine volle Aufmerksamkeit lieber auf unser Abendessen. 

„Er hat auf jeden Fall heute nach dir gefragt.“ Wenn sie es so betonte, klang es als wäre es etwas Besonderes. „Und?“ „Oh, Zoe, wie kannst du nur so unfassbar... kaltherzig sein?!“ In diesem Moment kam Simon grinsend in die Küche geschlendert und holte sich aus dem Kühlschrank eine Flasche Orangensaft. „Zoey und kaltherzig, was hab ich verpasst?“ „Nichts!“ „Alles!“ Kam es von uns Beiden gleichzeitig, was Simon nur ein lautes kurzes Lachen entlockte. „Clary versucht mich nur zu verkuppeln“, murmelte ich, während ich das Wasser der Spaghetti abgoss. „Ja, was ist so schlimm daran? Ich versteh nicht, warum du nicht mal mit Ed ausgehst?“ „Weil ich kein Interesse habe?“, meinte ich, kippte die Nudeln in eine Schale und stellte diese auf den Tisch. Simon ließ sich nur grinsend gegenüber von Clary nieder und trank seinen Orangensaft, während Clary immer noch fassungslos ihren Kopf schüttelte. 

„Ich verstehe das nicht.“

~43 200 Minuten später (1 Monat)~

Müde blinzelte Clary, als ich mit meinem Elbenlicht ins Wohnzimmer trat. „Oh“, murmelte und setzte sich hastig auf. „Wie war‘s bei meinem Bruder?“, fragte sie herzhaft gähnend und griff nach dem Buch, welches auf dem Boden lag. Sie musste wohl beim Lesen eingeschlafen sein und mir tat es sofort Leid, sie geweckt zu haben. Zurzeit war es wirklich stressig, da wir schon die ersten Prüfungen in der Akademie ablegen sollten. Wir brüteten oft zusammen abends über den verschiedenen Lehrbüchern und versuchten den Lernstoff in unsere Köpfe zu prügeln. „Zoe?“, fragte sie, diesmal schon wacher und beobachtete mich haargenau, als könnte ich jeden Moment ohnmächtig werden. Es war süß, wie sie sich um mich sorgte, auch wenn ich es vermutlich niemals offen zugeben würde. 

Das zweite GesichtWo Geschichten leben. Entdecke jetzt