Wir haben unsere Inhaltsrichtlinien aktualisiert.
Sieh dir die neuesten Richtlinien an, um weiterhin sicher Geschichten zu teilen.

Kapitel 23

467 30 0
                                        

"Von mir aus kannst du noch stundenlang von Ehre und Aufrichtigkeit schwafeln
und davon, dass Mundies angeblich weder das eine noch das andere besitzen.
Aber wenn du ehrlich bist, musst du zugeben, dass du nur deshalb einen Wutanfall
bekommen hast, weil du in Jace verliebt bist. Das hat überhaupt nichts mit..."
Alec machte einen Satz nach vorn und im nächsten Moment dröhnte Clary der Schädel.
Er hatte sie mit solcher Wucht an die Wand gestoßen, dass ihr Hinterkopf gegen 
die Holzvertäfelung geprallt war. Sein Gesicht schwebte nur wenige Zentimeter über ihren;
seine Augen wirkten riesig und dunkel.
"Wenn du Jace gegenüber auch nur ein einziges Mal etwas Derartiges erwähnst, 
bring ich dich um", stieß er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. 
"Das schwöre ich beim Erzengel."
~City of Bones~

Ich saß im Fensterbrett und starrte gedankenverloren auf die spärlich beleuchtete Straße. Nur wenige Autos standen hier und noch weniger Menschen waren unterwegs. Trotzdem konnte man immer wieder schemenhafte Gestalten über den gepflasterten Fußweg hetzen sehen, mit der Kapuze tief ins Gesicht gezogen oder einen Regenschirm über sich aufgespannt. Die Regentropfen prasselten beruhigend gegen die Fensterscheibe und veranlassten mich dazu an England zu denken, an London und auch an mein Zuhause. Sie erinnerten mich auch daran, wie ich damals Jonathan begegnet bin und wie dieser Höllenhund vor mir gestanden hatte. 
Manchmal zweifelte ich daran, ob das Ganze überhaupt stimmen konnte. Aber wenn dann Clary vor mir saß und mit leuchtenden Augen und wilden Gesten erzählte, wie sie erst letztens einen Ahiab Dämon oder einen Behemoth Dämon getötet hatte, dann konnte ich kaum noch diese Welt in Frage stellen. 
Nicht nachdem ich stundenlang im Codex oder anderen Büchern gelesen hatte. Ich versuchte so viel wie möglich über die Schattenwelt herauszufinden und gleichzeitig versuchte ich mich krampfhaft abzulenken. 

Jace war jetzt schon seit einigen Tagen hier in New York und die Stimmung war seitdem angespannt. Simon schien immer in einem inneren Zwiespalt zu stecken. Einerseits schien er Jace nicht zu mögen und andererseits schien er immer an etwas Vergangenes zu denken, als würde die Beiden etwas verbinden. Aber das Ganze war weitaus komplizierter und immer, wenn ich mal versuchte nachzuhaken, wimmelten sie mich ab. Sie erzählten nicht gerne von früher und ich tat es auch nicht gerne. Also beließen wir es bei dem Hier und Jetzt und das sah im Moment eher trostlos aus. Mindestens für mich. Clary hatte versucht mich letztens zu einem Arzt zu bringen, als ich jedoch bemerkte vor was für ein Gebäude wir standen, hatte ich mich umgedreht und war gegangen. Nicht schnell und die Rothaarige hätte mich sicherlich dazu zwingen können, aber sie war eher eine Person, die mit Worten umging. So hatte sie gefühlte Stunden auf mich eingeredet, aber meine Entscheidung blieb die Gleiche. Ich wollte keine weiteren Pillen mehr nehmen und auch keine weiteren Untersuchungen über mich ergehen lassen. Sie hatte nur frustriert geseufzt und fast schon wütend mit dem Fuß aufgestampft. „Du bist so verdammt stur, man. So wie...“ Sie hatte sich selbst gestoppt, als sie merkte, was sie da gerade sagen wollte und danach waren wir wieder in bedrückendes Schweigen verfallen.
Wir mieden alle das Thema Jonathan und trotzdem... trotzdem bemerkte ich die misstrauischen Blicke, die Jace mir zuwarf oder wie er manchmal Clary fast schon traurig musterte. 

Ich schaute wieder auf das Buch, welches gegen meine angewinkelten Beine lehnte. Die Seiten vergilbt und schon dünn vom vielen Lesen und Blättern. Immer wieder hatte ich im Schattenjägercodex gelesen, doch diese Seiten hatte ich meist überblättert, das Kapitel über Ehe nie als wichtig empfunden. Aber in der letzten Stunde hatte ich mindestens 10 mal die hier geschriebenen Worte durchgelesen. Gerade wollte ich nochmals anfangen den Abschnitt über Mischehen zu lesen, als ich zu dem prasselnden Regen, noch etwas anderes hörte, leise trampelnde Schritte. Simon rieb sich müde über die Augen, ehe er sich mir gegenüber fallen ließ und mir einfach das Buch aus der Hand nahm. Ich hatte neben mir, die kleine schrullige Stehlampe angeschaltet. Sie hatte einen roten ausgeblichenen Stoffschirm und nicht mehr weiße sondern gelbe Fransen. Wir hatten sie mit Clary vorgestern beim Flohmarkt gekauft und fanden sie alle furchtbar hässlich. Trotzdem hatten wir sie für 10 Dollar mitgenommen und nun zierte sie das Bücherüberquellende Wohnzimmer.

Das zweite GesichtGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt