Kollaboration und Konspiration mit Dämonen gilt als Hochverrat und
wird in der Regel wie ein Kapitalverbrechen behandelt. Heimliche Absprachen mit Dämonen,
die Schattenjägern direkten Schaden zufügen, ziehen die härteste Strafe nach sich, die der Rat verhängen kann:
das Ende der betreffenden Familie in den Reihen der Nephilim.
Nach dem Entzug der Runen wird der Täter in einen Forsaken verwandelt und seinem Schicksal überlassen,
sodass er den Verstand verliert und stirbt.
Den restlichen Familienmitgliedern nimmt man lediglich die Runen,
macht sie zu Irdischen und verstößt sie aus den Reihen der Nephilim.
~ Der Schattenjäger Codex~
Ihre zierlichen Hände zitterten, als sie das Buch mit dem schwarzen Stoffeinband vorsichtig umschloss. Mit den Fingern fuhr sie über den rauen Stoff und versuchte jede Unebenheit zu erspüren. 2 Jahre hatte sie es in ihrer Nachttischschublade verschlosssen.730 Tage und 17520 Stunden... Wie oft hatte sie nachts wachgelegen und überlegt ob sie es wagen sollte? Und doch hatte sie es sich nie getraut. Stattdessen hatte sie sich auf ihre Schulaufgaben gestürzt und sich mit allen möglichen ablenkt. Aber heute war ein anderer Tag.
Heute war sie bei einem Arzt gewesen und sie hatte ihre Diagnose bekommen. Herzschwäche. Alles war in sich zusammen gebrochen. Ihre ganzen Zukunftspläne und das Schlimme war, dass sie es geahnt hatte. Die letzten Wochen war sie immer schwächer geworden. Sie hatte den Besuch zum Arzt immer weiter hinausgeschoben. Aber jetzt hatte sie die Realität eingeholt.
Sie hatte also nichts mehr zu verlieren.
All ihre kindlichen Erinnerungen an ihre Mutter, ihre Wunschhoffnungen, dass sie wieder kommen würde, dass sie irgendwo in einem anderen Land lebte... Es würde nichts mehr ändern, wenn diese Hoffnungen mit diesem
Buch zertrampelt werden würden.
Sie erinnerte sich daran, wie sie benommen bei dem Arzt gesessen. All das was er ihr erzählt hatte war bedeutungslos gewesen. Alles war bedeutungslos gewesen. Selbst die Reaktion ihres Vaters vorhin. Er hatte nichts gesagt. Er hatte auf den Tisch gestarrt und nach einigen Minuten hatte er seine Zeitung wieder zur Hand genommen und hatte weiter gelesen. Ja auch das war nebensächlich. Nur jetzt drohten ihre Gefühle überzuschwappen, doch sie wollte das nicht. Sie wollte nicht weinen, nicht schwach sein und schon gar nicht aufgeben. Denn es war belanglos, dass sie eine Krankheit hatte. Es zählte nur, dass sie atmete und das jede einzelne Sekunde. Das war das Wichtigste.
Endlich schlug sie die erste Seite auf, fuhr vorsichtig über die vergilbte Seite und blieb mit dem Zeigefinger bei einem Namen stehen: Ellie
Wenn nicht jetzt, wann dann?
Sie blätterte auf die nächste Seite und begann langsam und gründlich zu lesen.
‚Liebes Tagebuch? Oder lieber Freund? Ich habe keine Ahnung wie ich dich nennen soll oder gar wie ich das Ganze hier anfangen soll. Ich hatte nie vor eine dieser Frauen zu werden, die ein Tagebuch führen... Aber ich hatte auch einige Andere Dinge nicht vor... Ich wollte mich nie verlieben und ich wollte nie Kinder bekommen. Und auch wollte ich nie...‘
„Zoey.“, Jonathans dunkle Stimme riss mich aus dem Schlaf und ich schlug verwirrt die Augen auf. Seine rauen Hände lagen auf meinen Händen. Ich erinnerte mich, wie ich sie das erste Mal gesehen und sie als schön befunden hatte. Meine Meinung hatte sich nicht geändert. Ich fand alles an Jonathan schön, selbst seine Narben. Sie machten ihn menschlich, auch wenn ich damit vermutlich falsch lag. „Ich bin eingeschlafen?“ Er nickte, zog seine Hände eilig zurück, als hätte erst eben erst bewusst wahrgenommen, dass sie dort auf meinen gelegen hatten.
„Schon im Fahrstuhl.“ Oh. Ich hatte es nicht mitbekommen.
Auf jeden Fall lag ich nun im Bett. Jonathan hatte sogar die Decke über mich ausgebreitet und meine Schuhe ausgezogen. Er bedachte mich kurz mit einem nachdenklichen Blick und legte dann einen Karton auf meinen Beinen ab.
„Ich habe jemanden beauftragt ein Kleid für dich zu kaufen.“, sagte er und blickte ausweichend auf den Karton. „Du kannst normale Schuhe darunter anziehen.“ Er packte tatsächlich ein Paar schwarze Halbschuhe aus Wildleder dazu, die eher an Turnschuhe erinnerten und mich schmunzeln ließen.
„Danke.“, meinte ich ehrlich. Ich hätte mir zu hundert Prozent den Hals in hohen Schuhen gebrochen.
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Das zweite Gesicht
Fiksyen PeminatZoey hatte sich immer als gutes Mittelmaß betrachtet. Doch seit einigen Wochen war sie nur noch diejenige mit der Krankheit. Nachdem sie an einem regnerischen Tag in London erst einen riesigen blutrünstigen Hund begegnet und dann auch noch ein blond...
