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Jungkook

Hektisch fliegt meine Hand über das Papier, während ich versuche irgendeinen logisch, zusammenhängenden Text zu erstellen, der den fünf Seiten langen Text zusammenfasst, welchen ich nach der Mittagspause abgeben sollte.

Dadurch, dass ich die dummen Aufgaben erst jetzt kriege, bin ich leicht im Stress, was das Abgeben betrifft. Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich das Thema das Textes wirklich korrekt erfasst habe, aber es geht mir ohnehin nur darum, ihn pünktlich abgeben zu können.

Während ich mich also darauf konzentriere, oder zumindest das versuche, nehme ich plötzlich Schritte wahr. Alarmiert sehe ich auf, halte inne und blicke rechts, zum Ende des Flures. Wer ausser mir, treibt sich schon im Kellergeschoss der Schule herum? Jeder weiss, dass das hier mein Platz ist, denn hier verbringe ich meine Pausen, sowie die Freistunden und eigentlich ist dies auch mein liebster Platz in der Schule, denn ich bin hier alleine. Man macht sich nicht die Mühe, die vielen Treppen hinunter zu laufen, nur um mich zu demütigen, das heisst ich habe eine Ruhe und kann für mich sein. Deswegen ist es auch immer höchst verdächtig, wenn Schritte erklingen.

Meist ist das dann bloss irgendein Pärchen, dass es gerade verdammt nötig hat und nicht warten kann, bis die Schule vorbei ist, sondern den Keller wohl dem Bett gegenüber bevorzugt. Allerdings ist es diesmal kein Pärchen, dass eine Runde Kellersex will, sondern vielmehr die blasse Leiche, wie ich Yoongi getauft habe.

Aber seien wir ehrlich: Der Typ könnte locker als Geist durchgehen. 

Mit zusammengekniffenen Augen betrachte ich ihn, wie er lässig durch den spärlich beleuchteten Flur schreitet und dann direkt vor mir stehen bleibt. "Na?", fragt er, "Ist hier noch frei?"

Ich schnaube und verdrehe die Augen. "Nein", antworte ich kalt. Der Schwarzhaarige zuckt lediglich mit den Schultern, ächzt leise und setzt sich neben mich. Ich verkneife mir einen bissigen Kommentar und schreibe weiter. "Was kritzelst du denn da?", fragt er.

"Was willst du von mir?", seufze ich und drehe meine Blätter so, dass er sie nicht mehr sehen kann. Yoongi grinst verhalten. "Du weisst tatsächlich, dass ich etwas von dir will?", spottet er, "Das ist lustig."

"Das ist nicht lustig, das ist verständlich, sonst redest du nie mit mir", zische ich wütend. Er seufzt geräuschvoll und steckt seine Hände in die Taschen seiner Lederjacke. "Ich wollte dich fragen, wie du dich fühlst", erklärt er und ich lache auf. "Bist du jetzt etwa der Samariter, solange Taehyung die Schnauze voll von mir hat?", murmle ich abfällig.

"Nein", lacht er auf, "Auf keinen Fall! Sieh mal, du weisst, dass ich dich nicht leiden kann", stellt er klar, "Und ziemlich sicher, wird sich daran nichts ändern, okay?"

"Warum fragst du dann, wie es mir geht?", will ich verwirrt wissen und sehe ihn von der Seite an. Er schnalzt mit der Zunge und senkt den Kopf. "Auch wenn ich dich nicht leiden kann, wissen wir beide, dass ich dir nie etwas getan habe. Klar, ich habe dich gemieden und abgewiesen, aber mehr nicht. Und weil Taehyung mit mir befreundet ist und ich mitgekriegt habe, wie er zu dir war, fühle ich mich verantwortlich dafür, es zu bereinigen", klärt er mich auf.

Ich schnaube. "Vorher war es dir doch auch scheissegal. Wieso ausgerechnet jetzt?", frage ich ihn leise. "Na ja, weil Taehyung dir mit einem Satz sicherlich viel mehr weh getan hat, als alle anderen hier jeden Tag. Nicht, weil es besonders verletzend war, viel mehr, weil es so plötzlich kam."

Ich nicke langsam. Er hat Recht. Es hat tatsächlich weh getan. Zwar habe ich noch immer keine grosse Lust, mich mit ihm abzugeben, aber er war eine Person, bei der ich dachte, ich könnte zu ihr gehen, wenn mich etwas bedrückt, selbst wenn ich es nie getan hätte, aufgrund meines Stolzes.

"Weisst du, Jungkook, ein Stück weit, ist es auch deine Schuld", erklärt er leise, "Taehyung hat sich wirklich angestrengt weisst du?" Ich nicke vage. Es stimmt. "Aber er hätte doch kapieren sollen, dass ich nichts mit ihm zutun haben will, ich habe es ihm oft genug gesagt. Konnte er das nicht?", erwidere ich.

"Er ist sehr dickköpfig", grinst der Schwarzhaarige und wischt sich über die Hose, um den Dreck loszuwerden, "Aber er war wütend. Und du kannst ihn ganz bestimmt verstehen." 

Ich verschränke die Arme vor der Brust. "Ich sagte nicht, dass ich ihn nicht verstehe!", knurre ich, "Ich habe bloss keine Lust darauf, verletzt zu werden!"

"Du verletzt dich selbst", antwortet er kalt, "Indem du ihn abweist. Du versuchst nicht einmal, herauszufinden, wie er ist. Du siehst ihn nur an und bildest dir bereits ein Urteil." Ich beisse mir auf die Unterlippe.

Eigentlich ist genau das, was er gesagt hat, etwas, dass mit mir ständig angestellt wird.

Und ich hasse es.

Aber eigentlich bin ich nicht anders. Ich habe Taehyung mit Yoongi gesehen und dachte mir sofort, dass er genau wie er ist. Als er die Nähe zu mir gesucht hat, dachte ich, es ist ein dummer Trick. Vielleicht war diese Annahme berechtigt, aber nicht, dass ich ihn sofort abgewiesen habe. "Würdest du in meiner Lage nicht auch jeden von dir stossen, dem du begegnest? Dir von jedem neuen Schüler sofort ein Urteil bilden?", frage ich leise.

"Doch, vermutlich schon", antwortet der Ältere und steht plötzlich auf. Er klopft sich den Dreck von der Hose, "Aber wenn mir jemand wie Taehyung unterkäme, in deiner Situation, der versucht für mich da zu sein, würde ich wohl das Risiko verletzt zu werden mit Freuden eingehen, um einmal zu erleben, wie es ist, von jemand Aussenstehendem geliebt zu werden."

Stripper [Vkook]Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt