Jungkook
Als es endlich zur Mittagspause klingelt, kann ich nicht anders, als erleichtert zu seufzen und packe hastig meine Mathesachen zusammen. Ich bin eine Niete in dem Fach. Wie ich es immer auf ein 'Genügend' im Zeugnis schaffe ist mir selbst wirklich schleierhaft. Aber ich kriege es hin, also will ich mich nicht beschweren.
Ich verlasse das Klassenzimmer und mache mich auf zu meinem Spind, um meine Bücher wegzuräumen und dann zu Taehyung und Yoongi in die Cafeteria zu gehen. Die beiden hatten eine Freistunde jetzt gerade und haben es sich sicherlich schon am besten Platz bequem gemacht.
Mit knurrendem Magen stopfe ich meine Hefter und Bücher achtlos in den Spind und schlage dessen Tür zu, um dann sofort in die Mensa zu hasten.
Allerdings habe ich mich zu früh auf mein Mittagessen gefreut, denn auf mich kommt direkt jemand zu; Shiwoo.
Ich verkrampfe mich augenblicklich, als ich das süffisante Lächeln auf seinen Lippen sehe und bemerke, wie er mich fixiert. Das hat definitiv nichts Gutes zu bedeuten. Eigentlich habe ich seit dem Vorfall in der Mensa meine Ruhe vor ihm gehabt. Er ist lange nicht mehr in der Schule aufgetaucht und dann ist er sehr unauffällig gewesen.
Hat er sich nun etwa wieder frischen Mut geholt und ist bereit, mich wieder fertig zu machen? Ich beschliesse, zu verschwinden, solange es mir möglich ist, also drehe ich mich um und eile den Flur entlang.
"Jungkook", sagt Shiwoo nun meinen Namen und ich zucke automatisch zusammen. Mein Herz beschleunigt sich rasant und ich schlucke den Kloss in meinem Hals hinunter, bevor ich mich langsam zu ihm umdrehe. Der Grössere läuft auf mich zu, bis er lediglich einen Meter von mir entfernt steht.
Die Hände sind in seinen Jackentaschen vergraben und das Grinsen scheint noch breiter zu sein. "Was willst du?", frage ich abweisend, woraufhin er schmunzelt und mit den Schultern zuckt. "Nicht viel", seufzt er, "Ich wollte dir nur sagen, was sagen."
Ich runzle verwirrt die Stirn und lege den Kopf schief. "Könntest du dich beeilen?", frage ich ungeduldig, "Sag's mir einfach, ich habe Hunger!"
Er grinst. "Warte, ich zeige es dir besser", meint er leise und zieht sein Handy hervor, tippt kurz auf dem herum und zeigt mir anschliessend den Screen.
Als ich erkenne, was er mir zeigen möchte, weiten sich meine Augen und mein Herz setzt aus. "Nein", hauche ich leise und starre vom Foto hinauf in seine boshaft funkelnden Augen. "Lösch es!", verlange ich augenblicklich und er schürzt die Lippen. "Wieso? Ich finde es gelungen. Ich meine, perfekter könnte man dich ja wohl nicht fotografieren in dem Club, oder?", provoziert er mich. Ich setze auf ihn zu und will ihm das Handy aus der Hand reissen, als er einen Schritt zurückgeht und das Gerät in die Höhe hält, sodass ich mit meiner mickrigen Grösse niemals herankommen könnte.
Er war im Club. Er hat mich gesehen. Und er hat verdammt nochmals ein Foto von mir gemacht, wie ich an der Pole tanze. Wenn er das weitersendet - und wie ich Shiwoon kenne wird er es weitersenden - bin ich erledigt.
"Lösch es!", wiederhole ich hörbar verzweifelt und springe an Ort und Stelle auf und ab, um an sein Handy zu kommen, selbst wenn dies verlorene Liebesmüh ist, da ich ohnehin nie rankommen werde. "Ich soll es löschen?", grinst Shiwoo und seufzt, "Gut, von mir aus, ich lösche es."
Damit lasse ich perplex von ihm ab und gehe einen Schritt zurück, während der Ältere das Bild tatsächlich zu löschen scheint. "Einfach so?", frage ich verwirrt und misstrauisch zugleich. Das kann niemals so einfach zu lösen sein. Shiwoo steckt sein Handy wieder weg und nickt. "Einfach so", bestätigt er, bevor sein Grinsen wieder auftaucht, noch fieser als das Letzte, "Immerhin habe ich ja noch zwei Kopien."
Ich schnappe nach Luft, doch bevor ich wieder damit anfangen kann, dass er sie löschen soll, kommt er mir zuvor: "Hör mal Kleiner", beginnt er und macht meine Oberarme, bevor er mich so unsanft gegen die Spinde drückt. Ängstlich starre ich in seine zornigen Augen und versuche ruhig zu bleiben. Es fühlt sich an, wie vor ein paar Wochen, als das täglich geschehen ist. Genauso wie damals, warte ich auf jetzt auf die Schläge, den Schmerz und die Beleidigungen.
Doch diesmal kommt nichts von alledem. "Taehyung hat etwas getan, was er nicht hätte tun sollen", zischt er und spielt auf das dreckige Geheimnis an, dass mein Freund wohl oder übel preisgegeben hat. "Was geht das mich an?", erwidere ich, "Klär das mit ihm selbst!"
Er grinst träge. "Oh nein. Mit ihm zu reden ist wie mit einer Wand zu sprechen. So kommt man an ihn nicht heran, Jeon", erwidert er ruhig und ich schlucke leer, "Aber du", fährt er fort, "Du bist perfekt."
"Perfekt?", hake ich nach, "Wofür?!"
Er lässt von mir ab und seufzt tief. "Nun, du bist perfekt, weil du ihm so nahe stehst. Ich wette, er hat dir irgendetwas von sich erzählt, dass er nicht jedem sagt." Mein Fragezeichen wir nur noch grösser als zuvor schon. "Was willst du von mir, Shiwoo?", frage ich um Ruhe bemüht. "Ich will, dass du mir ein Geheimnis von ihm verrätst, Jungkook", fordert er genauso ruhig.
Ich lache auf. "Du träumst wohl! Als ob ich das tun würde!", zische ich, "Denkst du wirklich, ich bin so niederträchtig?!" Wie kommt er auf die Idee, dass ich Taehyungs Geheimnisse ausplaudere?
Sein Grinsen wird breiter. "Da kommen die Fotos ins Spiel, mein Guter", säuselt er praktisch und wedelt mit seinem Handy vor meinem Gesicht herum. Er lässt mich endlich los und dreht mir den Rücken zu, als er theatralisch seufzt. "Wenn du mir eines, seiner Geheimnisse verrätst, dann lösche ich jedes einzelne Foto von dir und keiner wird je von dem erfahren. Solltest du mir aber keines sagen, werde ich einfach dein Geheimnis erzählen und die Fotos als Beweis nutzen."
Mir wird heiss und kalt zugleich, nackte Angst packt mich. "Das wagst du nicht", wispere ich leise. Er wirft mir über die Schulter einen lässigen Blick zu. "Glaub mir, das wage ich", antwortet er vollkommen gelassen, "Die Entscheidung liegt ganz bei dir, Jungkook; entweder erfährt jeder, von deinem Job oder du erzählst mir eines von Taehyungs Geheimnissen."
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Stripper [Vkook]
Fanfiction«Ich tanze jeden Abend vor Leuten an einer Stange, die sich daran aufgeilen. Du solltest angewidert von mir sein.» «Angewidert? Weshalb? Hast du dir deinen Körper einmal angesehen? Er ist wunderschön, perfekt, wie könnte ich jemals von so etwas At...
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