Jungkook
"Na, du kleine Schwuchtel?", höhnt die tiefe, hasserfüllte Stimme und ich spüre, wie er mir eine schallende Ohrfeige verpasst. Der Schmerz durchzuckt mich, obwohl ich nicht einmal wirklich realisiere, was er tut. Inzwischen ist mein Körper taub für die Schmerzen, denn das war nicht der erste Schlag vorhin.
"Jonghun, findest du nicht, es reicht? Du prügelst ihn noch zu Tode", meldet sich die helle Stimme des Mädchens zu Wort. Ich glaube, ihr Name ist Nuri, doch sicher bin ich mir nicht. Der Typ, der mich hier gerade grün und blau prügelt ist Jonghun und es ist nicht das erste Mal, dass das geschieht. Mich zu wehren habe ich inzwischen aufgegeben, denn der Stärkste war ich nie und je grösser mein Widerstand ist, desto schmerzhafter wird es.
Stattdessen stehe ich an die Spinde gepresst da, im Kellergeschoss der Schule und lasse die Tortour über mich ergehen, als sei es nichts weiter als ein Spaziergang. Daran, dass ich Morgen aufgrund der Schmerzen sicherlich nicht mehr normal gehen kann, denke ich nicht.
Es geht mir nur darum, diesen Tag heute zu überleben und wenn ich letzten Endes aus der Schule kriechen muss, dann tue ich das. Ich habe gelernt, mich nicht zu beschweren und das zu nehmen, was ich kriege, selbst wenn es lediglich der Dreck anderer ist, der mir vor die Füsse geworfen wird.
Ein weiterer Schlag in die Magengrube und ein weiteres Mal krümme ich mich und würge geräuschlos. Endlich lässt er von mir ab und ich sinke keuchend auf die Knie. Mein Kopf ist gesenkt, er soll die Tränen in meinen Augen nicht sehen. Keiner soll das, niemals.
Diese Genugtuung würde ich ihnen allen auf keinen Fall geben. Vorher sterbe ich, als vor ihnen allen zu weinen. Jonghun lacht und tippt mich mit seiner Fussspitze an. "Schwächling", höhnt er. Ich reagiere nicht darauf. 'Schwächling' ist ein humaner Ausdruck für mich.
Traurig, aber wahr.
"Ich finde, du hast eine Dusche nötig", bemerkt das Mädchen nun kichernd und verwirrt hebe ich den Kopf, um zu erfahren, was genau sie damit meint. Ich sehe, wie sie vor mir steht und breit auf mich hinab grinst, bevor sie aus ihrem Rucksack eine Dose Cola zieht. Ich will auf die Füsse springen, da hat sie die Dose bereits geöffnet und leert den gesamten, klebrigen Inhalt über mich. Während ich also den Geruch des Getränkes wahrnehme, dass über meine Haare, Gesicht und Schuluniform fliesst, höre ich dazu das gackernde Lachend des Mädchens und das höhnische von Jonghun. Ich balle die Hände zu Fäusten, bis sich meine Fingernägel schmerzhaft in meine Handballen bohren.
Keine Tränen. Auf keinen Fall.
Zitternd Luft holend senke ich den Blick wieder und kriege deswegen auch nicht mit, wie sie die Dose fallen lässt, nachdem auch der letzte Tropfen Cola vergossen wurde. Die Alubüchse fällt mir auf den Kopf, wodurch ich kurz zusammenzucke. Anschliessend kommt sie scheppernd auf dem Flur auf und das Lachen der zweien scheint nur noch lauter zu werden.
Ich beginne, mich aufzurappeln und die beiden zu ignorieren, doch dann höre ich Schritte. Alarmiert schiesst mein Blick hoch, zu den beiden, aus Angst, sie haben noch nicht genug und kommen auf mich zu.
Stattdessen biegen zwei weitere Schüler um die Ecke. Einmal erkenne ich Min Yoongi, zum anderen sehe ich den rothaarigen Typen, den ich vor einigen Tagen zum Geschichtszimmer bringen musste. Yoongi ist nichts weiter, als auch einer meiner Peiniger, doch vom Rothaarigen weiss ich noch nicht, was ich halten soll.
Er schien eigentlich einen recht netten Eindruck zu machen, doch irgendetwas an ihm wirkt abstossend. Etwas, dass alle davon abhält näheren Kontakt mit ihm aufzubauen. Ausserdem gibt er sich mit Yoongi ab, das streicht ihn von meiner ohnehin sehr kargen Liste der potentiellen Freunde hier, die niemals meine Freunde werden.
Ausserdem scheint er hinter seiner netten Fassade ebenfalls ein verdammtes Arschloch zu sein, wie ich mitgekriegt habe, als er sich an meinen Platz gehockt hat. Provokativ noch anbieten, mich zu setzen. Als ob ich nicht wüsste, dass sie mich ohnehin nur wieder erniedrigen.
"Was zur Hölle-", entfährt es dem Rothaarigen, der erst mich perplex, dann Jonghun und Nuri anschaut. Ich fackle gar nicht lange, sprinte zu meiner Schultasche, packe sie und stürme dann den Flur entlang. Wenn ich auf eines verzichten kann, dann noch einmal runtergemacht zu werden vom Neuen und Yoongi. Eine Coladusche heute hat mir gereicht, ich brauche sicherlich keine zweite. Ich hab nicht mal Wechselzeug da oder Sportklamotten.
Nicht auf die Rufe achtend renne ich zur Jungenumkleide und stosse die Tür auf. Mittwochs ist in den ersten vier Stunden niemand hier drinnen, weil keiner Sport hat, das habe ich mitgekriegt, als ich mich mal hier aufgehalten habe, um nicht wieder verprügelt zu werden.
Achtlos werfe ich meinen Rucksack auf die Bank, ziehe mir meine Schuhe und Socken aus, bevor ich nach hinten in den Duschbereich gehe. Ich knöpfe mir das dunkle Hemd auf, ziehe es aus und stelle mich damit in den Händen direkt unter einen der Duschköpfe, bevor ich das Wasser auf Warm und anstelle. Ich habe leider nicht die Zeit, auf warm zu warten, weswegen ich mich bereits unter den eiskalten Strahl stelle.
Die Zähne zusammen beissend ziehe ich die Schultern hoch und fahre durch meine Haare, um die klebrige Flüssigkeit aus meinen Haaren und von meiner Haut und Kleidung zu kriegen. Zitternd beginne ich mein Hemd irgendwie zu säubern, genauso wie meine Hose und nehme dabei nicht wahr, wie die Tür zur Umkleide ein weiteres Mal aufgeht.
Erst als das ruhige, tiefe "Hallo?", ertönt, merke ich, dass ich Gesellschaft habe und versteife mich augenblicklich. Das Wasser, inzwischen lauwarm, prasselt noch immer stetig auf mich herab, weswegen ich mich umdrehe und es ausmache.
Nun herrscht einige Minuten Stille. "Jungkook?", erklingt die Stimme wieder und ich zucke zusammen. Eigentlich nennt mich niemand so. Sie halten es nicht für nötig, ich bin bloss die Schwuchtel, der Schwule, für sie alle.
"Verschwinde!", rufe ich mutiger, als ich mich fühle. "Ich will dir nichts tun", ertönt die Stimme wieder und ich kann Yoongis leises Gemurmel identifizieren: "Das ist völliger Schwachsinn, Tae!"
"Er soll gehen!", platzt es aus mir heraus. Yoongi will ich nicht sehen, der Typ hat mir das Leben auch nicht einfacher gemacht! "Du meinst Yoongi?", fragt die Person, worauf ich nicht antworte, sondern mir lediglich das nasse Hemd wieder anziehe. Es klebt an mir, wie eine zweite Haut, doch etwas anderes habe ich nicht hier.
"Er ist weg!", meint die tiefe Stimme, zeitgleich wie eine Tür zuschlägt. Da er tatsächlich auf meinen Befehl gehört hat, beschliesse ich, langsam um die Ecke zu gehen. Ich bleibe hinten an der Wand stehen und sehe endlich das Gesicht der Stimme - der Rothaarige.
Seine dunklen, mysteriösen Augen mustern mich von Kopf bis Fuss, ehe er mir einen Turnbeutel hinhält. "Hier, nimm die Klamotten", sagt er, "Ich brauche sie nicht.
Ich mustere den Beutel in seinen Händen. Ich will ihn an mich nehmen und mich bedanken, doch mein Verstand sagt mir, dass ich das auf keinen Fall tun sollte, da es eine Falle sein könnte und vermutlich auch sein wird.
Niemals war jemand hier so nett zu mir und hat mir auch nur irgendwas gegeben.
"Lass stecken", antworte ich deshalb kalt, "Ich will es nicht."
Der Rotschopf bleibt beharrlich, jedoch auf eine andere Art und Weise, als ich es erwartet habe. "Mach damit, was du willst, mir egal. Behalt die Klamotten, verbrenn' sie, spende sie, trage sie - ich brauche sie nicht." Damit stellt er den Turnbeutel ab, dreht er sich um und verlässt wie Yoongi zuvor die Umkleide.
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Stripper [Vkook]
Fanfiction«Ich tanze jeden Abend vor Leuten an einer Stange, die sich daran aufgeilen. Du solltest angewidert von mir sein.» «Angewidert? Weshalb? Hast du dir deinen Körper einmal angesehen? Er ist wunderschön, perfekt, wie könnte ich jemals von so etwas At...
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