Taehyung
Nervös wische ich meine schwitzigen Hände an meiner Jeans ab und steige aus Hoseoks kleinem Auto. Der Ältere tut es mir gleich und schliesst ab, bevor wir gemeinsam zum mir so verdammt vertrauten Wohnblock gehen. Ich stosse die Tür auf und nehme die Treppen, um Zeit zu schinden.
Um ehrlich zu sein, habe ich Angst. Angst vor seiner Reaktion. Ich bin mir sicher, er öffnet die Tür gar nicht oder er schlägt sie wieder zu und verlangt, dass ich verschwinde. Aber das kann ich nicht. Ich habe ihn wirklich ins Herz geschlossen und der Gedanke daran, ihn so verletzt zu haben und es nicht mehr gut machen zu können, tut weh.
Ich will nicht der Grund für seinen Schmerz sein. Ich will derjenige sein, zu dem er läuft, wenn er Schmerzen hat, damit ich sie ihm nehmen darf.
Ich nehme Stufe um Stufe, nehme Hoseoks ruhige Anwesenheit hinter mir wahr und komme schliesslich vor der Wohnungstür zum Stehen. "Na los, klingel schon", raunt Hoseok hinter mir, als ich nach einigen Sekunden noch immer wie erstarrt davor stehe.
Selbst seine Worte helfen mir nicht. Nach einigen Minuten scheint es ihm aber zu bunt zu werden und er lehnt sich vor, streckt den Finger aus und betätigt die Klingel. Ich höre das hohe Geräusch im Inneren der Wohnung und merke, wie mein Herz aussetzt.
Es geht nicht lange und ich höre, wie ein Schlüssel im Schloss gedreht wird, bevor die Tür aufgeht und Jinhyun mich erfreut anstrahlt. "Hallo Taehyung!", lächelt er und öffnet die Tür, um mich rein zu lassen. Ich bin froh, dass er es war, der geöffnet hat. So kann ich immerhin das Apartment betreten, ohne dass mir die Tür vor der Nase zugeschlagen wird.
"Wer ist das?", fragt Jungkooks kleiner Bruder, als er Hobi sieht und stellt sich schüchtern hinter mich. Ich lächle leicht und deute auf meinen besten Freund. "Das ist Hoseok", stelle ich ihn vor, welcher in die Knie geht und dem hinter mir hervor schauenden Jinhyun zuwinkt. Der Junge erwidert die Geste und tritt etwas sicherer vor.
Hoseok betritt die Wohnung ebenfalls und zieht sich mit mir Jacke und Schuhe aus, bevor er sich mit Jinhyun unterhält und der Jüngste dann mit einem "Komm mit, ich zeig dir meine Sammlung!" ins Wohnzimmer rennt. Hoseok dreht sich amüsiert grinsend zu mir um. "Und du gehst jetzt zu dem Jungen", weist er mich leise an, bevor er sich um Jinhyun kümmert.
Ich schlucke den Kloss in meinem Hals hinunter und setze mich Bewegung. Als ich vor der schlichten, weissen Tür ankomme hebe ich bereits die Faust, um an ihr zu klopfen, doch halte dann inne. Ich habe Angst, wenn ich ehrlich bin. Ich will ihn nicht aufgrund meiner Dummheit verlieren.
Das Klopfen wird mir allerdings abgenommen, als die Tür plötzlich aufgeht und Jungkook, der konzentriert sein Handy anstarrt, langsam aufschaut. Perplex sehe ich ihn an, er weitet die Augen und macht einen Schritt ins Zimmer zurück, bevor er die Tür zuschlägt - wie ich erwartet habe.
"Jungkook?", versuche ich es halblaut und klopfe an die Tür, obwohl er mir deutlich gemacht hat, dass er mich nicht sehen möchte.
"Verschwinde!", faucht seine hörbar wütende Stimme aus dem Zimmer. "Jungkook, ich weiss, du bist verletzt", beginne ich, doch er lässt mich nicht ausreden, als er bellt: "Ich bin nicht mehr verletzt! Ich bin wütend und enttäuscht!"
"Und das ist dein gutes Recht", versichere ich.
"Na dann verschwinde jetzt!"
"Bitte gib mir die Chance, mich zu entschuldigen, Jungkook", bitte ich leise und lehne meine Stirn an der Tür an. "Du kannst mich mal!", faucht es eingeschnappt von der anderen Seite aus und ich stosse einen tiefen Seufzer aus.
Obwohl er nicht will, rede ich trotzdem darauf los: "Ich weiss, ich bin der wohl grösste Trottel auf diesem Planeten und dass du mich nicht mehr sehne willst, verstehe ich - ich wäre sicherlich genauso. Aber es tut mir wirklich leid. Du weisst, ich will dir nicht wehtun. Trotzdem habe ich es und glaub mir, ich bereue es zutiefst. Wenn ich könnte, würde ich die Zeit zurückdrehen und nochmals umkehren, um zu dir zu gehen, mich zu entschuldigen, dich in den Arm zu nehmen und dann Heim zu fahren - nein, ich würde es niemals soweit kommen lassen, dass ich dich verletze.
Du musst wissen, ich hatte meine Wut nie gut unter Kontrolle. Andere Gefühle kann ich gut verarbeiten und verstecken, aber meinen Zorn nicht. Wenn ich wütend bin, tue ich Dinge und sage Sachen, die ich nachher zutiefst bereue. Ich werde oft verletzend und du bist nicht der Erste, der das zu spüren bekommen hat; aber du bist der Erste, bei dem ich es so gehasst habe, diese Dinge getan und gesagt zu haben. Du weisst nicht, wie leid mir das Ganze tut, Jungkook. Wirklich!"
Es bleibt still hinter der Tür und ich trete einige Schritte zurück, drehe ihr den Rücken zu und fahre mir aufgewühlt durch die Haare. Ich habe gesagt, was ich sagen wollte, jetzt kann ich nur auf seine Gnade hoffen.
Ich höre nicht, wie der Jüngere die Tür öffnet, doch dann erklingt seine leise, zitternde Stimme: "Wer sagt mir, dass du mir nicht wieder wehtun wirst?"
Ich wirble herum und sehe ihn aus geweiteten Augen an. Tränen glitzern in den seinen, doch ich merke, dass er sie mit aller Kraft zurückhält. Dass er mir in der Schule seine Tränen gezeigt hat, war wohl eine Ausnahme.
Ich schenke ihm ein unsicheres Lächeln. "Das garantiert dir keiner. Aber ich verspreche es dir und bei Gott, sollte ich das brechen, darfst du mich gerne von einer Brücke stossen."
Ein kleines Lachen entkommt ihm und er schnieft ein wenig, bevor er den Blick senkt und die Tür verlässt, sie aber offen stehen lässt, sodass ich eintreten und sie schliessen kann. Der Schwarzhaarige hat es sich auf seinem Bett bequem gemacht und spielt mit seinen Fingern. "Ich vertraue dir nicht zu hundert Prozent", murmelt er leise und mein Herz wird schwer.
Als er wieder aufsieht, erkenne ich aber Hoffnung. "Aber wenn du dich anstrengst, wird das wieder, da bin ich mir sicher."
Ich lächle erleichtert und laufe auf das Bett zu, bevor ich mich neben ihm nieder lasse und er den Kopf zu mir dreht. Ich hebe die Hände und platziere sie sanft an seinen errötenden Wangen, als er verlegen die Augen niederschlägt.
"Du wirst es nicht bereuen", flüstere ich leise, schliesse die Augen und lehne mich vor, bevor ich die Schramme schräg unter seinem Auge küsse. Dann die, auf seinem Nasenbein, die bei seiner Augenbraue, die, die von mir stammt, die beim Kinn und zum Schluss platziere ich meine Lippen nur für den Bruchteil einer Sekunde auf seinem Mundwinkel, der ebenfalls eine leichte Verletzung hat.
Als ich meine Augen wieder aufschlage, lächelt Jungkook mich breit an, wenn auch seine Wangen stark gerötet sind, vermutlich vor Scham. Gott, er ist so süss, ich kann nicht anders, als in seine Wange zu kneifen, woraufhin er die Augen lachend verdreht und meine Hand weg schlägt.
"Versprochen, Jungkook, ich werde alles tun, um dich zu beschützen..."
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Ich habe doch noch eines geschafft^^ Das ist nun aber das Letzte, Nadda ist müde :) Ich wünsche euch allen eine gute Nacht und hoffe, euch hat die kleine Lesenacht gefallen~
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Stripper [Vkook]
Fanfiction«Ich tanze jeden Abend vor Leuten an einer Stange, die sich daran aufgeilen. Du solltest angewidert von mir sein.» «Angewidert? Weshalb? Hast du dir deinen Körper einmal angesehen? Er ist wunderschön, perfekt, wie könnte ich jemals von so etwas At...
![Stripper [Vkook]](https://img.wattpad.com/cover/106199411-64-k512126.jpg)