Auf der Flucht

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„Lass mich bitte", ertönte es, bevor Luzi überhaupt in die Küche treten konnte. Er stand mit dem Rücken zur Tür, stand in der Nähe vom Fenster und schaute hinaus. Zusätzlich hatte er noch seine eigenen Arme um sich geschlungen, seine Hände krallten sich regelrecht in seine Oberarme und die Anspannung war deutlich sichtbar.

Luzi erinnerte sich an Aleas Worte, dass er Jean beistehen und bei ihm bleiben sollte, auch wenn dieser das nicht wollte. Also antwortete er: „Nein Löffel. Ich lasse dich jetzt nicht alleine. Du... Ich kann und will dir helfen."

„Dann lass mich bitte alleine." Er musste nachdenken und wollte Niemanden dabei haben.

„Nein. Das kann ich nicht." Es tat ihm weh seinen Liebsten so zu sehen. Und es tat auch weh, dass dieser ihn ganz offensichtlich nicht hier haben wollte.

„Geh einfach..."

„Nein. Ich bleibe... bei dir! Weil du mich brauchst", er ging einen Schritt weiter in den Raum.

„Ich... brauche Zeit für mich", versuchte er es Luzi zu erklären. Er wollte doch nur in Ruhe nachdenken.

„Du musst ja nicht mit mir reden... Aber ich bleibe trotzdem."

Jean zuckte mit den Schultern und starrte auch weiter starr aus dem Fenster. Fast schon verzweifelt versuchte er gegen die ansteigenden Tränen zu kämpfen.

„Jean... Schatz... Du bist nicht alleine. Ich bin bei dir", er ging weitere, langsame Schritte auf seinen armen Löffel zu.

„Ich... gib mir Zeit... alleine", unbewusst wanderte eine seiner Hände seinen Arm entlang. Sie stoppte an seinem Unterarm, wo er abwesend anfing an der Innenseite zu kratzen.

Luzis Augen folgten der unbewussten Bewegung, während er nun schon relativ nah an seinem Freund stand. „Ich lasse nicht zu, dass du dich wieder abschottest", das hatten sie doch gerade erst gehabt. Das musste kein zweites Mal sein.

„Gib mir ein paar Minuten alleine", auch weiterhin starrte er stur geradeaus, aus dem Fenster, aber ohne wirklich etwas zu sehen. Und auch kratzte er sich weiter an seinem Arm.

„Und dann?" er verengte seine Augen während sein Blick weiterhin auf Jeans Arm lag.

„Bitte..." flehte der Größere leise. Was sollte er denn sonst machen? Nur ein paar Minuten, mehr wollte er doch gar nicht. Nur kurz Ruhe, um seine eigenen Gedanken zu Ordnung. Warum verstand Luzi das denn nicht?

„Jean, ich kann nicht", Alea hatte ihm schließlich gesagt, dass er bei Jean bleiben und ihn nicht allein lassen sollte. Also würde er das auch nicht tun. „Schatz? Was ist mit deinem Arm?"

„Nichts", hektisch zog er eben jenes Körperteil direkt vor seine Brust, sodass Luzi es nicht mehr sehen konnte. „Luzi... bitte... ich will... alleine sein..."

„Nein Jean... Ich lasse dich jetzt nicht alleine. Hast du Schmerzen? Zeig doch mal her..."

Doch der Trommler schüttelte nur hektisch den Kopf und trat weiter in Richtung des Fensters. Panisch musste er dabei feststellen, dass er bald keinen Ausweg mehr haben würde.

„Schatz... Was hast du denn auf einmal? Jean... Ich bin es doch, dein Fruchtzwerg."

„Lass mich alleine", stammelte der größere Schwarzhaarige und wieder war er den Tränen nahe.

„Ich hab dich doch lieb... Ich bin für dich da! Warum soll ich dich denn alleine lassen?"

„Bitte..." Jean war völlig überfordert mit der Situation gerade. Er konnte nicht mehr ausweichen, hatte keine Möglichkeit weiter den Rückzug anzutreten und Luzi, der hörte ihm nicht zu. Was sollte er denn noch machen oder sagen? Ob er einfach die Beine in die Hand nehmen und wegrennen sollte? Es erschien ihm wie die einzige, bleibende Möglichkeit. Denn er fühlte sich schlichtweg in die Ecke gedrängt, ohne anderen Ausweg.

Nüchtern BetrachtetWo Geschichten leben. Entdecke jetzt