Ein genervtes Geräusch drang aus Jeans Kehle als er einen erneuten Anruf einer nicht eingespeicherten Nummer wegdrückte. Es handelte sich dabei um genau die Nummer, die er vor Kurzem erst aus seinem Telefonbuch gelöscht hatte und auch wenn Laura gesagt hatte, sie würde nicht mehr anrufen und ebenfalls seine Nummer löschen, kam sie wohl nicht damit klar, dass er einfach aufgelegt und sie eiskalt abserviert hatte. Und das dann auch noch für einen Mann.
Luzi blickte seinen Bandkollegen, seinen festen Freund wie es momentan aussah, mitleidig an. Gleichzeitig beobachtete er aber auch fasziniert, wie seine Augenbraue anfing zu zucken, als seine Ex-Freundin erneut anrief.
„Darf... ich vielleicht mal rangehen?" er konnte sich das Elend einfach nicht länger mit antun. Zumal er auch keine Lust auf einen miesgelaunten Franzosen hatte.
„Wenn du meinst, dass hilft", grummelte Jean und blieb stehen.
Bedächtig nahm Luzi das teure Smartphone in die Hand, erkundigte sich rasch, wo man den Anruf denn auf Laut stellen konnte und nahm dann ab.
„Na ENDLICH! Lässt sich der feine Herr auch mal dazu herab, abzunehmen?" keifte auch sogleich Laura.
„Jetzt aber mal halb lang, du Furie!" verschaffte sich das L erst einmal Gehör.
Tatsächlich herrschte einen Moment Funkstille. Die fremde Stimme, wie auch die Beleidigung schien ihr den Wind aus den Segeln genommen zu haben. Luzi kicherte leise. Damit hatte sie definitiv nicht gerechnet. Ein klarer Sieg für das Bienchen und er konnte definitiv mehr als einmal stechen.
„Was... was soll das?" wollte sie wissen. Ihr Ton verlangte regelrecht eine Antwort.
Der kleine Dudelsackspieler schluckte einen weiteren Kicheranfall hinunter. Schelmisch blickte er zu seinem ebenso überraschten Franzosen hinauf, dann öffnete er auch schon den Mund und sprach: „Also, wenn ich mich kurz einmal vorstellen dürfte: Luzi das nicht mehr einsame L, auch bekannt als Bienchen, les abeilles und neuerdings auch als Fruchtzwerg."
„Wovon reden Sie?"
Luzis Grinsen wurde noch ein wenig breiter und deutlich gehässiger. „Ich rede von mir natürlich."
„Sind Sie einer von Jeans Saufkumpanen?" Derweil blickte der Franzose mit großen Augen auf seinen Kollegen, der das Alles äußerst lustig fand.
„Ich bin nicht nur einer seiner ‚Saufkumpanen'. Erstens, ich bin mit der schlimmste Trunkenbold und zweitens, bin ich sein fester Freund!" Stolz schwellte er die Brust und blickte auf, direkt in das bärtige Gesicht des Trommlers. Dieser blinzelte ein paar Mal, bis er verstand, was der Kleinere denn da in sein Handy gesprochen hatte, dann schlich sich ein sanftes Lächeln auf seine Lippen. Ja, sein fester Freund. Das war doch mal was.
„Bitte WAS?" keifte die Dame am Handy, doch keiner der beiden Männer beachtete die Hasstirade der Frau nicht. Tatsächlich waren sie dafür zu sehr mit sich selbst beschäftigt. So war Jean auf seinen Fruchtzwerg zugetreten und hatte eine Hand an dessen Wange gelegt. Er strich sanft mit seinem Daumen über den leichten Flaum auf der Wange des Kleineren, dessen Augen sich halb schlossen, und küsste ihn dann einfach zärtlich. „Was bilden Sie sich eigentlich ein?"
Schweren Herzens löste sich das Kleine L, auch wenn er liebend gerne weiter die Lippen des Tambours geschmeckt hätte, aber er hatte ja noch einen Job zu erledigen. „Ich bilde mir ein", sprach er also zu dem Handy, welches er immer noch in der Hand hielt, „dass ich der wohl glücklichste Mensch auf Erden sein muss. Denn ich kann einen französischen, charmanten und verdammt gut aussehenden Spielmann mein Eigen nennen. Und ihm Gegensatz zu dir... bin ich mir mehr als bewusst, was ich doch für einen guten Fang gemacht habe."
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Nüchtern Betrachtet
RomansWenn der Luzi betrunken ist, gibt es eigentlich nur einen Spielmann, der sich seiner annehmen kann... Aber ein betrunkener Luzi tendiert dazu komische Sachen zu sagen... Spielmann x Spielmann (Luzi x Jean)