°3-Glück und Leid

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Der restliche Tag, nach dem sehr erfolgreichen Mittagessen im Restaurant, war schweigend verlaufen. Nathan hatte Valerie schweigend das Geld zurückgegeben und war ein paar Schritte vorausgelaufen.

"Es tut mir doch leid. Ich kann auch nichts dafür! Vater hat mir das Gestern gesagt. Weißt du, wie gut ich geschlafen habe?" Isobel wich ihrem Blick aus. "Es ist ja nicht so, dass ich es mir ausgesucht habe", hängte sie noch dran.

"Natürlich nicht. Das wissen wir doch, aber es ist nicht leicht für uns. Wir haben jetzt auf einen Schlag erfahren, dass unsere Mutter vergiftet worden ist und unsere Schwester heiraten muss, damit sie wieder gesund wird. Wir verlieren unsere große Schwester, die uns aufgezogen hat als wäre sie unsere Mutter, an einen Aufreißer in Großbritannien im Austausch für unsere wirkliche Mutter."

Valerie biss sich auf die Unterlippe. So hatte sie das Ganze noch nicht gesehen, aber sie verstand die beiden durchaus. "Aber ihr würdet eine gesunde Mutter wiederbekommen" "Ich hätte lieber die kranke Mutter weiter, aber dafür euch beide um mich", meinte Nathan, der stehen geblieben war.

"Nathan!", rief Valerie empört. "Unsere Mutter leidet. Natürlich werde ich das Ganze beenden. Ich werde irgendwie nach Großbritannien gehen und ich erhoffe mir, dass ihr mich trotz allem unterstützen werdet. Wenn ich dableiben würde, hätten wir in einem Jahr gar keine Mutter mehr. Los rein da" Sie schob ihre Geschwister in den Tränkezutatenladen und jeder suchte stumm seine Sachen zusammen.

Ihre Mutter leiden lassen, nur damit er alle um sich hat. Wenn sie das tun würde, dann hätten sie überhaupt keine Mutter mehr und Valerie würde sich ihr Leben lang Vorwürfe machen, dass sie doch etwas für sie hätte tun können, aber zu egoistisch dafür war. Nein, das würde sie sich nicht vorwerfen lassen.

Das Leben war nun einmal nicht fair und jeder muss einmal einen großen Preis einbüßen, für Valerie war es anscheinend die Freiheit an einen unbekannten Briten.

Glück und Leid lagen nun einmal nah beieinander. Das konnte keiner bestreiten. Des einen Glück, ist des anderen Leid, oder so ähnlich. Das war sehr passend, fand Valerie.

Ihres Mutters Glück, oder in diesem Fall, ihre Heilung, würde ihr Leid sein. Warum mussten sich die Reinblüter auch untereinander verheiraten? Nur wegen dem reinen Blut? Blut war Blut. Keines war anders.

"Brauch noch irgendjemand etwas?", fragte Valerie tonlos und ihre Geschwister schüttelten den Kopf, "Dann lasst uns gehen"

Sobald Valerie mit ihren Geschwistern zurück im Herrenhaus war, pfefferte sie ihren Umhang in die Hände der erstbesten Hauselfe und rannte in das Zimmer ihrer Mutter. Diese hatte sogar die Augen offen und las in einem Buch.

Besorgt sah sie auf und klopfte dann neben sich auf das Bett. Valerie ließ sich nieder und starrte auf ihre Finger. "Was bedrückt dich, ma chérie?" Valerie hielt ihren Kopf gesenkt, aber musste schmunzeln, bei dem Spitznamen. Ma chérie. Schon lange hatte ihre Mutter sie nicht mehr so genannt.

"Ist es die Verlobung?" Valerie sah verwirrt auf und ihre Mutter deutete auf ihren Finger. "Du trägst den Ring, das heißt, du hast akzeptiert" Das Mädchen nickte und drehte die Hand, um den Ring noch einmal, wie schon so oft, zu betrachten.

"Ich mache es, damit du wieder gesund wirst, aber ich habe das Gefühl, Nathan und Isobel verstehen das nicht. Sie wollen mich nicht loslassen und... und" Sie musste abbrechen und ein Schluchzen unterdrücken.

Ihre Mutter legte ihr einen Arm um die Schulter und drückte sie an sich. "Du hast Angst. Das ist verständlich. Ich habe sie auch, aber wir schaffen das. Wir können das, weil wir zusammenhalten, weil wir einander vertrauen und lieben."

Valerie blieb still und horchte einfach den Worten ihrer Mutter. "Es wird eine Zeit geben, das wirst du Entscheidungen treffen müssen, die nicht leicht sind. Ich möchte, dass du mich niemals zu diesem Zeitpunkt an die erste Stelle stellst"

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