Weihnachten rückte immer näher und Valerie wurde von Tag zu Tag trauriger. Weihnachten war das Fest der Familie, der Liebe und der Freunde. Sie hatte immer noch keinen Brief von ihren Geschwistern erhalten und wusste nicht, ob sie noch einen Brief nachschicken sollte oder nicht.
Jeden Morgen sah sie gebannt hoch zu den Eulen, wenn diese die Post brachten, aber nie landete eine der Federtiere vor ihr und sie senkte daraufhin den Kopf wieder zurück zu ihrem Teller.
Sie hatte keinen Versuch mehr gestartet auf Sirius zuzugehen, ob es die richtige Entscheidung war, daran zweifelte sie mittlerweile, aber jetzt musste sie es durchziehen, sie Taktik erneut zu ändern, könnte große Auswirkungen haben.
Sie konnte sich noch sehr gut an seine Worte in den Kerkern erinnern, dass er sie durchaus heiß fand, aber Valerie wusste nun auch, dass er nie den Vertrag gesehen hatte. Ob sie ihm eine Kopie zuschicken sollte?
„Du bist so still in letzter Zeit", murmelte Dorcas neben ihr und schenkte sich Kürbissaft ein. „Naja, Weihnachten ist das Fest der Familie" Mehr musste nicht gesagt werden, denn Dorcas verstand sie.
Valerie hatte in den letzten Wochen mitbekommen, dass auch Dorcas es nicht gerade leicht mit ihrer Familie hatte. Sie war aber zu höfliche gewesen, als dass sie näher nachgefragt hatte. Es ging sie schließlich nichts an und wenn das Mädchen reden wollte, würde sie selbst auf jemanden zugehen.
„Möchtest du der Eule heute noch ihren Brief abnehmen, oder soll ich das für dich machen?", fragte Lily lächelnd ihr gegenüber und deutete auf die große, braune Eule. Überrascht blinzelte Valerie und streckte ihre Hand aus.
Das war Ricket. Die Eule von Nathan und an seinem Bein hing ein Brief mit dem teuren Papier, das ihre Familie immer verwendete. Die Eule saß ruhig vor ihr und sah sie aus den dunklen Augen an.
Ricket war Nathans treuer Begleiter und genau wie er, ein ruhiges Kerlchen. Sie strich der Eule über den Kopf und band den Brief schließlich los. Ricket hatte es jedoch nicht eilig, sondern stolzierte am Tisch etwas auf uns ab, auf der Suche nach etwas zu fressen. Alice bot dem Kerlchen schließlich etwas von ihrem Brot an und die Eule nahm es vorsichtig entgegen.
Valerie war schon immer erstaunt gewesen, wie sehr sich diese Eule benehmen konnte. Ganz anders als Twister, die kleine, hellbraune Eule von Isobel. Twister war ein aufgeweckter Federball, der lieber durch die Gegend schoss.
Während Ricket sich also von Alice füttern ließ, öffnete Valerie mit zitternden Fingern den Brief und schüttelte ihn auf.
Valerie!
Ich brauche deine Hilfe, aber bevor ich dazu komme, muss ich mich bei dir entschuldigen. Das was ich in der Place Cachée gesagt habe, stimmt durchaus, aber ich verstehe, weshalb du das getan hast und ich bin stolz auf dich.
Vielleicht bekommst du ja irgendwie die Chance uns besuchen zu kommen? Wir würden uns sehr freuen. Vater hat mir von deinen Uneinigkeiten mit dem Mädchen erzählt und wie enttäuscht er von dir war, als du es ihm gebeichtet hast, aber ich muss gestehen, ich finde, du hast richtig gehandelt. Sie hat dich verletzt und es war für dich in dem Moment einfach zu viel gewesen, also hast du zurückgeschlagen. Wenn diese Art auch nicht gerade der feinen französischen Etikette entsprach, so finde ich den Ausrutscher nicht schlimm.
Ich möchte auch nicht mehr Streiten und ich hoffe, dass das, was auch immer zwischen uns war, vom Tisch ist. Wie es mit Isobel aussieht, kann ich dir nicht sagen. Sie hat seit ein paar Wochen eine rosarote Brille auf und läuft irgendeinem Jungen hinterher, der sich einen Dreck um sie schert und sie von vorne bis hinten ausnützt.
Ich habe probiert, es ihr zu erklären, aber sie hat nur gemeint, ich soll mich aus Dingen hinaushalten, bei denen ich mich nicht auskenne. Ich wünschte, du wärst hier und könntest mit ihr reden. Ich weiß nicht, was ich tun soll.

DU LIEST GERADE
Pure Blood
FanfictionEin Trank, der ihrer Mutter Schmerzen zufügt, treibt Valerie in die Enge. Ohne groß darüber nachzudenken, entscheidet sie sich für die Rettung ihrer Mutter, doch war es das wert, ihre Freiheit aufzugeben? Ihre Geschwister zurück zu lassen? „Ich glau...